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Drei Taxis machen glücklicher als vier

Der Mainburger Taxiunternehmer Peter Lühr hat bewusst sein viertes Fahrzeug wieder abgeschafft, weil er damit nicht mehr als mit dreien verdiente und bloß mehr Arbeit hatte.

Antje Lühr koordiniert die drei Taxis telefonisch, die (v.l.) von ihrem Mann Peter, ihrem Sohn Mathias, dessen Schwiegervater Werner Dotzauer und einer weiteren Aushilfe gefahren werden. Bild: Dietmar Fund
Antje Lühr koordiniert die drei Taxis telefonisch, die (v.l.) von ihrem Mann Peter, ihrem Sohn Mathias, dessen Schwiegervater Werner Dotzauer und einer weiteren Aushilfe gefahren werden. Bild: Dietmar Fund
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Dietmar Fund
Strategien

Peter Lühr ist nicht vom Taxifahrer zum Unternehmer geworden. Er sprang 2002 ins kalte Wasser und wurde gleich Taxiunternehmer mit zunächst einer Konzession in der Kleinstadt Mainburg. Dorthin waren der ehemalige Außendienstmitarbeiter eines Elektronikkonzerns und seine Familie aus Dithmarschen in Schleswig-Holstein umgezogen, nachdem er sich mit der Abfindung in der Tasche neu orientiert hatte. Eigentlich plante er, sich als IT-Berater selbstständig zu machen. In Mainburg lebende Freunde rieten ihm aber, doch Taxiunternehmer zu werden. In der Stadt bestünde speziell bei Firmen noch ein großer Bedarf an einem wirklich guten Taxiunternehmen.

Diese Einschätzung bestätigten erste Anrufe, nachdem sich Taxi-Lühr zwei Wochen vor der Eröffnung in der Zeitung vorgestellt hatte. Im Dezember 2002 starteten der Unternehmer und seine mit dem Taxischein ausgestattete Ehefrau Antje. Im Februar 2003 kam das zweite Taxi hinzu und wenige Monate später das dritte. Die IT-Beratung rückte in den Hintergrund. Durch seine 20-jährige Erfahrung im Vertrieb sprach Lühr bei den Firmen der Stadt persönlich die Geschäftsführer oder deren Sekretärinnen an und kam so rasch ins Geschäft.

Zufriedene Firmen
sind ein Erfolgsfaktor

„Kassen-Fahrten haben wir erst mitgemacht, uns dann aber schnell auf Firmen konzentriert“, berichtet Lühr. „Für unseren Erstkunden, den bundesweit bekannten Heizungshersteller Wolf, fahren wir schon seit Februar 2003. Bei ihm kennen wir Kunden und Mitarbeiter vom Geschäftsführer bis zum Hausmeister.“ Eines der Taxis ist mit Fahrten von Wolf zum Flughafen und zu Hotels gut ausgelastet. Für dieses Unternehmen hat Taxi-Lühr eigens einen neunsitzigen Mercedes-Benz Vito angeschafft, um Besuchergruppen zum Beispiel zu Werksbesichtigungen oder Schulungen zu bringen. Heute tragen alle drei Taxis Türwerbung von Wolf. „Wir sind stolz, dass wir für die größte Firma der Region fahren dürfen“, sagt Lühr. Neben weiteren großen Firmen wie Elektro-Bachner und dem Hopfen-Handelshaus Hopsteiner bediente das Unternehmen bald viele Kleinunternehmer und Privatkunden. Es bekam viele Aufträge per Telefon und per E-Mail. Um keinem Kunden absagen zu müssen, nahm Taxi-Lühr 2008 einen als Mietwagen konzessionierten BMW-Kombi als viertes Fahrzeug hinzu.

Das vierte Fahrzeug war zu schlecht ausgelastet

Seit seinem Start führt der Unternehmer monatliche Statistiken über seine Fahrzeuge und hat so deren Kosten mit und ohne Fahrer stets im Blick. So bemerkte er bald, dass das vierte Fahrzeug wenig ausgelastet war und sich deshalb eigentlich nicht lohnte. „Wir hatten mit vier Fahrzeugen am Jahresende unter dem Strich keinen höheren Verdienst als mit dreien und praktisch keine Freizeit mehr“, bilanziert Peter Lühr. „Noch mehr Arbeit zu akquirieren, um das vierte Auto besser auszulasten, kam nicht in Frage.“ Nach zwei Jahren verkaufte er das überzählige Fahrzeug und ließ lieber einige Aufträge sausen.

Seit 2010 sind der heute 63 Jahre alte Unternehmer und seine Frau immer mit drei Taxis unterwegs, die in der Regel dreieinhalb Jahre lang eingesetzt werden und dann rund 350.000 Kilometer vorwiegend auf längeren Strecken gelaufen sind. Aktuell setzen sie eine E-Klasse-Limousine und einen E-Klasse-Kombi sowie einen Vito ein. Antje Lühr fährt oft mehrmals am Tag zum Flughafen München. Das macht hin und zurück 92 Kilometer aus und am Tag bis zu 600 Kilometer. Im Jahr fährt sie alleine auf „ihrem“ T-Modell, das allenfalls mal ihr Mann bewegen darf, bis zu 100.000 Kilometer. Die Limousine kommt ungefähr auf dieselbe Laufleistung, nur der Vito fällt mit bis zu 40.000 Kilometern im Jahr etwas zurück.

In der Familie ziehen alle flexibel an einem Strang

Zum Team gehören als Aushilfen der Sohn Mathias und seit einem Jahr dessen Schwiegervater Werner Dotzauer, ein ehemaliger Rettungsdienst-Fahrer und heute ein terminlich äußerst flexibler Rentner. Eine dritte Aushilfe fährt nachts. Bei Bedarf kooperiert Taxi-Lühr mit einem Pfaffenhofener Taxiunternehmer und einem Busunternehmer. Mit dem Busführerschein von Antje Lühr Busse auszuleihen, hatte sich als sehr aufwendig erwiesen. Weil Antje und Peter Lühr Stammkunden persönlich fahren, ist das Unternehmen beliebt und die beiden können dessen Erfolg genießen.

Die nächsten Jahre soll das noch so bleiben. Dann möchte es der Unternehmer ruhiger angehen lassen, denn von Nachtfahrten hat er langsam genug. Deshalb überlegt er, mittelfristig eventuell auf Mietwagen umzusteigen. Antje Lühr allerdings hat möglicherweise andere Pläne. Ihr wäre es lieber, wenn ihr Mann dann mehr Zeit für seine Enkelkinder hätte. df

Eine Bitte im Sinne junger Unternehmer

Frisch gebackene Unternehmer sollten von ihrem Taxiverband eine Art Begrüßungsmappe und einen Coach gestellt bekommen, der sie bei ihren ersten Schritten begleitet. Das wünscht sich Peter Lühr im Interesse junger Newcomer. 
In der Mappe sollten systematisch alle Schritte geschildert werden, die man für den Einstieg unternehmen muss. Vieles wie etwa die Gewerbeanmeldung bekäme man während der Vorbereitung zur Unternehmerprüfung gar nicht vermittelt. Lühr selbst hatte beim Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen 
mit dem damaligen Vorsitzenden Hans Meißner einen stets auskunftsfreudigen Ratgeber.

Ein Lob für die Niederlassung Regensburg

Nach schlechten Erfahrungen mit einem 
VW Sharan der ersten Generation ist Peter Lühr Mercedes-Fan geworden. Einen Anteil daran hat Massimiliano Stagnitta, Taxiverkäufer der Münchner Niederlassung. Bei ihm kauft Taxi-Lühr seit längerem ein. Gewartet werden die „Sterne“ im „Stern-Center Regensburg“. Es liegt zwar im Gegensatz zum örtlichen Mercedes-Händler Autohaus Nagel eine halbe Stunde entfernt, verrechnet aber günstige Lohnkosten und gibt Rabatte auf die Teile. Da die Taxis in der Regel nur zu planbaren Wartungsterminen dorthin müssen, verknüpft Antje Lühr diese nach Möglichkeit mit Fahrten ins Regensburger Klinikum. Außerdem bekommt Taxi-Lühr in Regensburg kostenlos ein Leihtaxi auch für die Inspektionstermine.

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Artikel Drei Taxis machen glücklicher als vier
Seite 24 bis 25 | Rubrik Unternehmensführung
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