Peugeot 404: Wüsten-Taxi

Der kürzeren Karriere in Europa folgte eine lange, bis heute andauernde in Afrika: der Peugeot 404 in der Westsahara. Bild: Peugeot
Der kürzeren Karriere in Europa folgte eine lange, bis heute andauernde in Afrika: der Peugeot 404 in der Westsahara. Bild: Peugeot
Thomas Kanzler

Peugeot 404 Die Ampel springt auf Grün. Ein Motorrad zwängt sich vorbei, ein Kleinbus hupt, irgendwo dröhnt Musik aus einem offenen Fenster. Mitten im Verkehr von Dakar setzt sich ein beiger Peugeot 404 in Bewegung. Sein Lack hat bessere Tage gesehen, die Chromleisten auch. Doch der alte Franzose zieht stoisch seine Bahn. Vermutlich tut er das schon länger, als mancher seiner Fahrgäste auf der Welt ist. Es gibt Autos, die werden entwickelt, verkauft und irgendwann vergessen. Und dann gibt es den Peugeot 404. Er gehört zu jener seltenen Fahrzeuggattung, die offenbar einen eigenen Vertrag mit der Zeit abgeschlossen hat. Wer heute durch Dakar, Bamako oder Addis Abeba fährt, begegnet ihm noch immer. Meist trägt er die Spuren eines langen Lebens: verblasster Lack, angeschlagene Stoßstangen, Sitze mit gelebter Geschichte. Doch er fährt. Damit erfüllt er bis heute den eigentlichen Zweck eines Taxis.

Der von Pininfarina gezeichnete Franzose wirkt sachlich, beinahe zurückhaltend. Unter seinem Blech steckt jedoch eine Eigenschaft, die im Taxigewerbe höher geschätzt wird als jede Chromleiste: Zähigkeit. Seine Technik gilt als robust, seine Federung als widerstandsfähig, seine Dieselmotoren als nahezu unverwüstlich. Dort, wo Straßen eher Absichtserklärungen als Asphaltbänder waren, entwickelte sich der Peugeot zum verlässlichen Begleiter. Während die Produktion in Europa bereits 1975 endete, begann seine eigentliche Karriere anderswo erst richtig. In Afrika blieb der 404 vielerorts noch Jahre im Programm, in Kenia sogar bis 1991. Aus dem französischen Mittelklassewagen wurde ein globales Arbeitstier. Vor allem als Taxi fand er seine Bestimmung. Wer in Teilen Nord- und Westafrikas ein Taxi bestellte, bekam oft keinen Fahrzeugtyp genannt. Man bekam schlicht einen 404.

Rostig und ohne Türen – doch der 404 fährt weiter

Das lag nicht nur an seiner Haltbarkeit. Der Peugeot konnte vieles transportieren: Fahrgäste, Gepäck, Waren, gelegentlich auch Dinge, die in keinem Lastenheft vorgesehen waren. Reparaturen ließen sich vielerorts mit erstaunlich einfachen Mitteln erledigen. Zur Legende wurde der Wagen auch auf Schotterpisten. Vier Siege bei der East African Safari Rally machten ihn zum Helden eines Kontinents. Wer eine der härtesten Rallys der Welt übersteht, dem traut man auch den Taxialltag zu. Trotzdem wirkt der 404 heute erstaunlich modern. Nicht technisch, aber philosophisch. Während die Branche über Robotaxis, Software-Updates und autonome Mobilität diskutiert, erinnert der alte Peugeot an eine verblüffend einfache Idee: Ein Taxi muss vor allem zuverlässig sein. Vielleicht liegt genau darin seine anhaltende Faszination. Der Peugeot 404 wurde nicht zur Legende, weil er spektakulär war, sondern weil er funktionierte – jahrzehntelang. Und womöglich ist das die höchste Auszeichnung, die ein Taxi überhaupt erhalten kann. tk

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Seite 34 | Rubrik Zu guter Letzt
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