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Wenn Zentrale und Unternehmer nicht auf einer Wellenlänge funken

Wenn Zentrale und Unternehmer nicht auf einer Wellenlänge funken

Einzelkämpfer ohne Unterstützung

„Die da oben in der Zentrale bekommen sowieso nichts auf die Reihe“, sagt der Einzelunternehmer. „Der da unten auf der Straße ist sowieso nur ein nicht ernst zu nehmender Querulant“, antwortet die Zentrale.

Solche Aussagen sind Beispiele für typische Streitereien zwischen einer Taxizentrale und ihren unzufriedenen Teilnehmern. Und sie häufen sich in Zeiten, in denen das Geschäft schlecht läuft und die Zentrale demzufolge weniger Aufträge vermitteln kann. Ursache ist meist mangelnder Respekt vor- und fehlendes Verständnis füreinander, die Folge sind massive Kommunikationsdefizite untereinander. Wir berichten von einem Beispiel aus Regensburg. Dort sind die Kommunikationsprobleme zunächst einmal wortwörtlich zu sehen. Denn in der ostbayerischen Großstadt haben die rund 170 angeschlossenen Fahrzeuge der Regensburger Taxigenossenschaft regelmäßig am Wochenende Störgeräusche am Funk. „Ein unangenehmes Pfeifen, so dass man den Funker kaum noch hört“, berichtet Einzelunternehmer Udo Zahlauer gegenüber taxi heute. Aus seiner Sicht ist das nicht nur ärgerlich, sondern geschäftsschädigend, da er und seine Kollegen auf die Auftragsvermittlung angewiesen sind. Vor allem in den Wochenend-Nächten, in denen lukrative Umsätze erzielt werden können. Doch Herr Zahlauer bekommt von seiner Zentrale nicht das Gefühl vermittelt, dass man sich dort um die Lösung des Problems bemüht. Stattdessen liest er in einem Zeitungsartikel eines Regensburger Wochenblatts, dass die veraltete analoge Funktechnik daran schuld sei. Eine bewusste Provokation der Taxizentrale also, weil die Mitglieder erst vor einigen Monaten die Umstellung auf Datenfunk ablehnten? „Nein“, sagt Georg Stich, Vorstand der Regensburger Taxizentrale. Man habe die Regulierungsbehörde um Ursachenforschung gebeten. Dort fand man heraus, dass einige Funkgeräte die Störungen verursachten. Folglich wurden alle Teilnehmer per Rundschreiben aufgefordert, bis zum 20.11. die Funkwerkstatt aufzusuchen, um dort die fehlerhaften „Selektivrufkomponenten“ ausprogrammieren zu lassen. Trotzdem halten die Funkstörungen bis heute an. Die Regulierungsbehörde geht auf Nachfrage von taxi heute zwischenzeitlich von einem mutwilligen Störer aus den eigenen Taxireihen aus, sieht sich aber nach wie vor nicht in der Lage, den Übeltäter zu peilen. Udo Zahlauer wundert das nicht, denn er ist überzeugt, dass längst noch nicht alle Funkteilnehmer in der Werkstatt waren. Georg Stich kann dieser Unterstellung nicht widersprechen. Auf Nachfrage von taxi heute am 30. November konnte der Chef der Taxizentrale nur vermuten, dass zwischenzeitlich alle in der Werkstatt waren, genau wisse er das allerdings nicht. „Wir haben das getan, was nötig war, jetzt muss die Regulierungsbehörde endlich den Störer ausfindig machen“, gibt Georg Stich den Schwarzen Peter weiter. Udo Zahlauer denkt stattdessen, dass seine Zentrale nichts unternehme und arbeitet mit seinen Kollegen am Wochenende weiterhin unter erschwerten Bedingungen. Auf umsatzstarke Wochenend-Nächte folgen meist zappendustere Tagschichten. Udo Zahlauer ist von Montag bis Mittwoch ab 6 Uhr früh unterwegs und erzielt dabei Umsätze zwischen 70 und 90 Euro. Schuld an dieser mageren Ausbeute sei auch seine Taxizentrale, denn von dort bekomme er seit geraumer Zeit kaum noch Dialysefahrten zugeteilt, obwohl man diese eigentlich nach einem roulierenden System unter den Teilnehmern aufteilt. „Eigentlich müsste ich pro Vierteljahr mindestens eine Fahrt bekommen“, mutmaßt der übergangene Unternehmer. „Natürlich bekommt Herr Zahlauer von uns keine Dialysefahrten mehr vermittelt“, gibt Georg Stich gegenüber taxi heute offen zu. Er habe die bisher angebotenen Fahrten abgelehnt, weil ihm der pauschal angesetzte Preis zu niedrig war. Dem widerspricht Udo Zahlauer nicht. Bei Abholadressen außerhalb Regensburgs werden Anfahrten nicht bezahlt. Je nach Ortschaft entgehen ihm da zwischen fünf und sieben Euro. Da solche Fahrten seiner Meinung nach innerhalb des Pflichtfahrgebiets stattfinden, hätte er eigentlich gar nicht zum Festpreis fahren dürfen. Damit konfrontiert, verstrickte sich Herr Stich in Widersprüche. Zunächst betonte er, dass Aufträge mit Pauschalpreisen nur bei Fahrten außerhalb des Pflichtfahrgebiets vermittelt werden. Falls man doch Fahrten innerhalb der Tarifpflicht zum Festpreis vermittle, würden diese Entgelte exakt dem Taxitarif entsprechen. Steht hier also Aussage gegen Aussage? Der Zentralenchef zweifelt an der Glaubwürdigkeit des Einzelunternehmers und bezeichnet ihn sinngemäß als Querulant, gegen den wiederholt Fahrgastbeschwerden wegen überhöhter Fahrpreisforderungen zu bearbeiten wären und der erst kürzlich mit einer Klage gegen die Zentrale gescheitert sei. Udo Zahlauer dagegen möchte eigentlich nur mit Taxifahren seinen Lebensunterhalt verdienen – auch mit der Hilfe einer leistungsfähigen Taxizentrale. Einer Taxizentrale, bei der er vom Funker nicht mit den Worten „von mir bekommen sie heute Nacht keine Aufträge mehr“ abgewiesen wird, wie Anfang August geschehen. Für den Einzelunternehmer ist dies reine Willkür, gegen die er sich mit einer Klage auf Verdienstausfall zur Wehr setzte. Noch läuft das Verfahren und man streitet sich derzeit darum, ob sich der Vorfall nun am 7.8., wie von Herrn Zahlauer behauptet, oder am 8.8, wie von der Zentrale dargelegt, ereignet hat. Mit der eigentlichen Frage, ob ein Funker temporäre Funksperren ohne Vorstandsbeschluss aussprechen darf, beschäftigt man sich dagegen nicht und verpasst damit eine Chance, durch Argumentation und Kommunikation Verständnis für den jeweils anderen aufzubringen. So fehlt letztlich beiden der Blick für die andere Seite und man arbeitet weiterhin mehr gegen- statt miteinander. Ein Phänomen, das leider nicht nur in Regensburg zu beobachten ist.