Dieselpreis auf der Überholspur
Thema des Monats Juni 2008
Nachdem der Dieselpreis in dieser Woche mit durchschnittlich 1,52 Euro pro Liter das gleiche Preisniveau wie Benzin erreicht hat, gehen viele Experten davon aus, dass Diesel auf lange Sicht sogar teurer sein wird als Benzin. Ist damit das Dogma, dass Taxis nur Diesel fahren, überholt?
Tatsache ist: Der Preis für einen Liter Diesel ist in den vergangenen fünf Jahren um rund 50 Prozent gestiegen – allein im Zeitraum von April 2007 bis April 2008 um 30 Prozent und damit deutlich stärker als der Benzinpreis (16 Prozent). Und das trotz des deutlichen niedrigeren Steuersatzes: Im Literpreis für Dieselkraftstoff stecken 47 Cent Energiesteuer (früher Mineralölsteuer genannt), bei Normal- und Superbenzin sind es 65 Cent. Und es ist angesichts des Trends der letzten Jahre und der sprunghaft gestiegenen Dieselnachfrage in den USA, China und Indien nicht mit sinkenden Dieselpreisen zu rechnen. Im Gegenteil: Zahlreiche Experten gehen davon aus, dass Diesel auf Dauer teurer sein wird als Benzin.
Grund genug, einmal zu hinterfragen, ob die jahrelange Zweckehe Taxi / Diesel unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt noch das Nonplusultra ist.
Faktor Anschaffungskosten: Benziner sind in der Anschaffung günstiger als die vergleichbaren Dieselmodelle. Am Beispiel des im Taxigewerbe beliebten VW Touran beträgt die Differenz zwischen der Einstiegs-Benzinervariante mit 102 PS und dem vergleichbaren Dieselbruder, der 105 PS leistet, stolze 2.125 Euro. In dem Bereich um 2.000 Euro herum bewegt sich auch bei den anderen gängigen Taximodellen die Differenz zwischen Benzinern und Dieselmodellen. Die große taxispezifische Ausnahme bildet allerdings Mercedes-Benz mit seinen Festpreismodellen „Das Taxi“, die angesichts des günstigen Komplettpreises und der umfangreichen Ausstattung auch von keinem Benziner zu schlagen sind. Für alle anderen Taximodelle gilt in der Anschaffung aber: Vorteil Benziner.
Faktor Kfz-Steuer: Die Kfz-Steuer liegt für Dieselfahrzeuge bei gleichem Hubraum und gleicher Abgasklasse um einiges höher als bei Benzinern. Was die derzeit in der Diskussion befindliche Änderung der Bemessungsgrundlage vom Hubraum hin zum CO2-Ausstoß daran ändern könnte, bleibt abzuwarten. Bislang jedenfalls auch hier – Vorteil Benziner.
Faktor Umrüstung: Erdgas- oder Flüssiggasvarianten helfen ganz deutlich bei der Senkung der Spritkosten. Allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen; wenn also eine Zapfsäule in Betriebsnähe ist, die Fahrer gewissenhaft mittanken und der Zeitfaktor für die zusätzlichen Tankvorgänge (vor allem beim reichweitenarmen Erdgas) nicht zu sehr ins Gewicht fällt. Beide Antriebsvarianten können bei Fachwerkstätten auch nachgerüstet werden, allerdings nur bei Benzinmotoren. Daher auch hier: Vorteil Benziner.
Faktor Verbrauch: Zwar haben Benziner aufgrund zahlreicher technischer Verbesserungen aufgeholt, sie verbrauchen aber immer noch deutlich mehr als die vergleichbaren Dieselmodelle. Bei rund eineinhalb bis zwei Liter je 100 Kilometer liegt der Mehrverbrauch der Benziner nach den Angaben der Hersteller quer durch die Modelllandschaft. Gerade für Vielfahrer ein enormer Nachteil – Vorteil Diesel.
Faktor Wartungskosten: Ein Diesel hat kürzere Ölwechselintervalle und benötigt mehr Öl, auf der anderen Seite müssen keine Zündkerzen gewechselt werden, was bei Benzinern etwa alle 60.000 Kilometer ansteht – Unentschieden.
Faktor Lebensdauer: Vor wenigen Jahren galt der Diesel-Motor als das robustere Aggregat, jetzt büßt er auch in Bezug auf die Haltbarkeit ein. Man konnte mit ihm deutlich mehr Kilometer zurücklegen, bevor er ausgemustert werden musste als mit dem Benziner. Doch moderne Autos mit Ottomotor erreichen mittlerweile ebenfalls solche Laufleistungen, zumal die Lebensdauer der Diesel angesichts der Common Rail-Systeme mit sehr hohem Einspritzdruck und dem daraus resultierenden höheren Drehzahlniveau eher rückläufig ist – auch hier ein Unentschieden.
Fazit: Eine allgemeingültige Rentabilitätsrechnung ist schwer möglich. Jeder Taxiunternehmer, der sich mit dem Gedanken eines Fahrzeugkaufs trägt, muss eine eigene, seine individuellen Faktoren berücksichtigende Betriebskostenrechnung aufmachen, um festzustellen, ob die Anschaffung eines Diesel-Taxis noch rentabel ist. Die Kostenrechnung sollte sich jedoch nicht auf die Diesel- und Benzinvarianten alleine beschränken. Zumal es ja Alternativen gibt, an denen langfristig angesichts begrenzter Erdölvorräte ohnehin kein Weg vorbeiführen wird. Denn Erd- oder Flüssiggas-Versionen (als Neufahrzeug oder als umgerüstete gebrauchte Benziner) können die Betriebskosten enorm senken. Bis zum Jahr 2018 sind Flüssig- und Erdgas von der Mineralölsteuer befreit, was Planungssicherheit gewährleistet, für deutlich niedrigere Tankkosten im Vergleich zu Benzin und Diesel sorgt und einen unabhängiger vom nächsten Preisschock an den Zapfsäulen macht.