Wasserstoff im Taxi: Nur eine Nischenlösung mit Potenzial für spezielle Einsätze
Das Grundprinzip ist technisch elegant: Wasserstoff wird in der Brennstoffzelle mit Sauerstoff aus der Luft kombiniert, erzeugt Strom für den Elektromotor – und als einziges Abfallprodukt entsteht Wasserdampf. Weltweit gibt es bislang nur wenige Modelle wie den Toyota Mirai, Hyundai Nexo oder den in kleiner Stückzahl produzierten BMW iX5 Hydrogen. In Deutschland stehen aktuell etwa 250 Gebrauchtfahrzeuge mit Brennstoffzelle zum Verkauf.
Ein Wasserstoff-Taxi könnte eine Alternative zum E-Taxi sein…
Für Taxi- und Mietwagenunternehmen bietet Wasserstoff in bestimmten Einsatzprofilen Vorteile. Vor allem in Flotten, die viel unterwegs sind und keinen direkten Zugang zu Ladestationen haben, könnte der Mirai bereits heute interessant sein. Das schnelle Betanken in wenigen Minuten erleichtert lange Tagesfahrten. Gleichzeitig bleibt das Fahrzeug lokal emissionsfrei – ein Argument für den innerstädtischen Betrieb.
…wenn es nur genügend Tankstellen gäbe
Die entscheidende Einschränkung bleibt die Infrastruktur: Von früher bundesweit rund 110 Tankstellen sind derzeit nur etwa 70 öffentlich zugänglich. Zum Vergleich: Deutschland verfügt über rund 14.400 klassische Tankstellen. Der EU-Ausbauplan für alternative Kraftstoffe (AFIR) soll das Netz bis 2030 ausweiten, doch heute ist die Versorgung noch lückenhaft.
Zudem ist Wasserstoff teuer: Ein Kilogramm kostet zwischen 13 und 18 Euro. Der Verbrauch eines Mirai liegt bei etwa 1 kg pro 100 Kilometer, was die Betriebskosten deutlich über denen vergleichbarer Elektrofahrzeuge liegen lässt. Für Taxiunternehmen, die auf Wirtschaftlichkeit achten müssen, bleibt das ein entscheidender Faktor.
Auch Auto-Experte Brazel skeptisch
Experten wie Professor Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft sehen in Brennstoffzellenfahrzeugen vor allem eine Nischenlösung.
„Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Brennstoffzelle in absehbarer Zeit als Alternative zu BEVs durchsetzt. Effizienter, günstiger und verbreiteter sind derzeit batterieelektrische Fahrzeuge.“
Für Flotten mit klaren Einsatzprofilen, eingeschränktem Zugang zu Ladepunkten oder Bedarf an schneller Betankung kann Wasserstoff jedoch schon heute sinnvoll sein – und das gilt besonders für Taxi- und Mietwagenunternehmen, die im innerstädtischen und regionalen Verkehr unterwegs sind.
BMW und Toyota bleiben am Ball, entwickeln Technologie und Infrastruktur weiter, setzen jedoch bewusst auf gezielte Einsätze in Japan, China, Korea und den USA, bevor ein breiterer Markt bedient wird.
Für die Taxi-Branche zeigt sich: Wasserstoff kann in ausgewählten Flotten mitunter eine praktikable Ergänzung zu batterieelektrischen Fahrzeugen sein. Die Reichweiten der reinen Stromer nehmen zu, die Ladeleistung ebenfalls. Ob es sich da langfristig überhaupt lohnt, im Automobilsektor auf Wasserstoff zu setzen, ist zweifelhaft.
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