Waymo startet in München – deutet sich der Robotaxi-Betrieb in Deutschland an?
Waymo hat den Aufbau seiner Deutschland-Aktivitäten formal eingeleitet. Wie aus einem Handelsregistereintrag hervorgeht, wurde die Waymo Germany GmbH am 15. Juni 2026 beim Amtsgericht München registriert. Der Gesellschaftsvertrag wurde bereits am 13. Mai 2026 geschlossen. Nach den Angaben im Register soll die Gesellschaft Fahrdienstleistungen mit autonomen Fahrzeugen anbieten sowie entsprechende Angebote Dritter unterstützen.
Der Schritt gilt als weiteres Signal für die internationale Expansion der Robotaxi-Sparte des Alphabet-Konzerns. Nach Unternehmensangaben führt Waymo derzeit rund 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche in elf US-Städten durch. Bis zum Jahresende soll die Zahl auf eine Million Fahrten pro Woche steigen.
Personalsuche deutet auf operative Vorbereitungen hin
Parallel zur Gründung mehren sich Hinweise auf konkrete Vorbereitungen für einen möglichen Betrieb in Deutschland. So sucht der Mobilitätsanbieter Transdev in München einen Betriebsleiter für autonomes Fahren. Das Unternehmen befördert nach eigenen Angaben jährlich rund 200 Millionen Fahrgäste mit Bussen und Regionalzügen.
Eine Zusammenarbeit zwischen Waymo und Transdev wurde bislang nicht bestätigt. Beobachter sehen jedoch in den Stellenausschreibungen und den vorhandenen Betriebsstrukturen mögliche Anknüpfungspunkte für eine Partnerschaft.
Auch die Personalvermittlung WIFI sucht in Berlin und München Testfahrer sowie Fahrtrainer für autonome Fahrzeuge. Den Ausschreibungen zufolge sollen die Tätigkeiten auf realen Straßen stattfinden. Die zunächst auf ein Jahr angelegten Stellen können demnach verlängert werden. Ein direkter Zusammenhang mit Waymo ist bislang nicht nachgewiesen.
Deutschland als möglicher Baustein der Europa-Strategie
Die Gründung der deutschen Tochtergesellschaft fügt sich in die internationale Expansion des Unternehmens ein. Während London als erster größerer Markt außerhalb Nordamerikas gilt und Waymo in Tokio mit lokalen Taxipartnern zusammenarbeitet, könnte Deutschland eine besondere Rolle innerhalb des europäischen Regulierungsrahmens einnehmen.
Nach Unternehmensangaben nutzt Waymo seit Ende 2025 ein sogenanntes Foundation Model im Produktivbetrieb. Das System basiert auf realen Fahrdaten und soll die Leistungsfähigkeit der autonomen Fahrfunktionen verbessern. Die Kosten für die eingesetzte Fahrtechnik liegen laut Unternehmen inzwischen bei weniger als 20.000 US-Dollar pro Fahrzeug.
Neue Fahrzeugplattform für Robotaxi-Einsatz
Parallel zum Marktausbau arbeitet Waymo an einer Erneuerung seiner Fahrzeugflotte. Mit dem Modell Ojai stellte das Unternehmen erstmals ein Fahrzeug vor, das speziell für den Robotaxi-Betrieb entwickelt wurde. Produziert wird das Modell vom chinesischen Hersteller Zeekr. Zuvor setzte Waymo vor allem auf umgerüstete Serienfahrzeuge, insbesondere den Jaguar E-Pace.
Rückruf in den USA
Die Expansion erfolgt zugleich vor dem Hintergrund eines Rückrufs in den Vereinigten Staaten. Mitte Juni 2026 rief Waymo knapp 3.900 Fahrzeuge zurück. Anlass waren 13 bekannte Fälle, in denen autonome Fahrzeuge unerlaubt in Baustellenbereiche einfuhren. Betroffen waren sowohl Autobahnen als auch innerstädtische Straßen.
Wann kommerzielle Robotaxi-Fahrten in Deutschland starten könnten, lässt sich aus dem Handelsregistereintrag jedoch nicht ableiten. Für einen Regelbetrieb sind weiterhin die erforderlichen Zulassungen und regulatorischen Voraussetzungen notwendig. (Quelle: Golem; Waymo)
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