Zuviel und zu wenig: Kritik an Hamburger Taxitarif-Erhöhung

Der Hamburger Senat hat eine Erhöhung des Taxitarifs zum 1. September beschlossen. Doch die Freude darüber hält sich bei den Gewerbevertretern in Grenzen.
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Der Grundtarif soll sich von 2,80 auf 2,90 erhöhen, der gefahrene Kilometer um sechs bis sieben Cent teurer werden. Das beschloss der Hamburger Senat in seiner heutigen Sitzung. Unverändert bestehen bleibt allerdings die kostenfreie Karenzminute. Der Stillstand vor roten Ampeln oder im Stau wird damit also weiterhin nicht berechnet.

Die „Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Taxenverbände Hamburg“ begrüßte die Entscheidung des Hamburger Senats. Man sehe dies als einen ersten Schritt im Kampf gegen die niedrigen Löhne der Taxifahrerinnen und Taxifahrer in Hamburg. Allerdings könne man es auf Dauer nicht hinnehmen, dass die durchschnittlichen Stundenlöhne der Fahrerinnen und Fahrer immer noch unter sechs Euro liegen. Deshalb fordere die ARGE, dass die kostenlose Karenzminute fällt.

Skeptisch gegenüber der nun beschlossenen Preiserhöhung äußerte sich die Geschäftsführung von Hamburgs größter Taxizentrale „Autoruf und Taxi Hamburg“: „Inwieweit unsere Fahrgäste bereit sind, diese Preiserhöhung tatsächlich zu bezahlen, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass sie zunehmend mehr auf das Taxifahren verzichten, weil es mittlerweile viele interessante Alternativen zum Taxi gibt, monierte Günther Möller, geschäftsführender Gesellschafter.

Zu diesen Alternativen gehöhrten unter anderem das bundesweit auch sehr erfolgreiche Mobilitätsprojekt „BahnRent“ der Deutschen Bahn AG, das in Hamburg sich ständig vergrößernde System der Leih-Fahrräder, die S-Bahn zum Flughafen und die regelmäßige Erweiterung der Mobilitätssysteme des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV).

Auch das Mobilitätsportal „moovel“ der Daimler AG zähle zu den Alternativen der Kunden, deren Mobilitätsbewusstsein und Mobilitätsverhalten sich zunehmend verändere. Möller mahnt in diesem Zusammenhang: „Ausgehend von der Tatsache, dass der Kunde fast immer die für ihn beste und preiswerteste Mobilitäts-Version wählt, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass unser „klassisches“ Personenbeförderungs-Produkt – das Taxi fahren – aus Kundensicht mittlerweile am Ende der Angebotsliste steht.“

Anstelle einer Preiserhöhung brauche das Taxigewerbe eine höhere Auslastung. Im Moment liege diese laut Gutachten der Hamburger Agentur für Marketing-Forschung „Linne + Krause“ bei nicht einmal 30%.

Es sei daher ratsam, nach Alternativen zu suchen, die eigenen Betriebsmittel und Taxis effektiver einzusetzen sowie mit alternativen und preiswerten Angeboten das Interesse der Kunden wachzuhalten.

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