Audi baut 7.500 Arbeitsplätze in Deutschland ab
Auch Audi muss den Gürtel enger schnallen: Man hat deshalb ein Paket geschnürt, das aus Stellenabbau, reduzierten Mitarbeiterboni und Vorstandsgehältern besteht. Gleichzeitig gibt man aber auch Investitionszusagen für die deutschen Standorte. Außerdem will man auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten und den Stellenabbau abmildern, indem bislang an Externe ausgelagerte Tätigkeiten wieder zurückholt – hier handelt es sich vor allem um Entwicklungsleistungen.
Auch Neckarsulm soll ein Großserien-E-Modell produzieren
So sollen an den deutschen Standorten Ingolstadt und Neckarsulm jährlich rund eine Milliarde Euro pro Jahr gespart werden. Gleichzeitig sollen bis 2029 rund acht Milliarden Euro die deutschen Werke investiert werden. Der Fokus liegt dabei weiter auf dem Ausbau der Elektromobilität. Erste konkrete Pläne hat der Hersteller bereits bekannt gegeben: Am Standort Neckarsulm soll künftig ein neues, noch nicht näher spezifiziertes Elektromodell vom Band laufen. Bisher wird dort noch kein vollelektrisches Modell in der Großserie gefertigt – lediglich in der angeschlossenen Manufaktur Böllinger Höfe wird der e-tron GT produziert. Klar ist bereits: Sollte Neckarsulm nicht zum Zuge kommen, hat sich das Audi-Management verpflichtet, einen Transformationsfonds in Höhe von 250 Millionen Euro für den Standort bereitzustellen.
Auch im Stammwerk Ingolstadt soll das Elektromobilitätsportfolio erweitert werden. Neben dem bereits geplanten A6 e-tron und dem Q6 e-tron ist ein weiteres Modell „im Einstiegssegment“ geplant. Die finale Entscheidung hierzu liegt allerdings bei der Planungsrunde des Volkswagen-Konzerns.
Die Verbrenner sollen bis 2033 weiterlaufen
Im Gegensatz zu früheren Plänen wird Audi die Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren in Ingolstadt nun doch bis 2033 fortführen – drei Jahre länger als ursprünglich vorgesehen. Auch die Weiterentwicklung von Benzin- und Dieselantrieben soll über das bisher kommunizierte Jahr 2026 hinaus fortgeführt werden.
Diese Kurskorrekturen deuten darauf hin, dass Audi die Strategie, ab 2033 ausschließlich Elektrofahrzeuge in Europa zu verkaufen, möglicherweise überdenken muss. Der ursprüngliche Zeitplan lag damit ohnehin zwei Jahre vor den aktuell geplanten gesetzlichen Vorgaben.
Auch personell steht ein umfangreicher Wandel bevor. Der geplante Stellenabbau soll vorrangig Bereiche außerhalb der Produktion betreffen und schrittweise erfolgen: Bis Ende 2027 sollen 6.000 Stellen wegfallen, in den beiden Folgejahren jeweils weitere 750. Gleichzeitig wird die Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 verlängert. Audi betont, dass der Abbau sozialverträglich gestaltet werden soll.
Bereits Anfang des Jahres hat das Unternehmen eine neue Organisationseinheit zur Steuerung des Transformationsprozesses ins Leben gerufen. Aufbauend auf der zum Jahreswechsel eingeführten Baureihenorganisation soll eine „effizientere Organisation mit weniger Komplexität“ die Wettbewerbsfähigkeit stärken. „In Zeiten des Umbruchs ziehen Unternehmensleitung und Betriebsrat an einem Strang“, erklärt Audi-CEO Gernot Döllner und ergänzte:
„Mit der klaren Vereinbarung stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherheit von Audi gleichermaßen. Gemeinsam setzen wir ein deutliches Zeichen für mehr Fokussierung, Effizienz und Wirtschaftlichkeit an den deutschen Standorten. Damit haben wir die Voraussetzungen geschaffen, um die Transformation an den Inhalten ausgerichtet fortzusetzen.“
Der Handlungsdruck wächst: 2024 verzeichnete Audi einen deutlichen Rückgang beim Absatz – weltweit wurden 1,67 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Die Elektromodelle machten dabei lediglich 164.500 Einheiten aus – ein Rückgang von 7,8 Prozent im Vergleich zu 2023. Der Anteil reiner E-Autos liegt damit bei unter zehn Prozent.
Dazu kommt: Besonders auf den wichtigen Märkten USA und China kämpft die Marke mit Absatzproblemen. In China reagiert Audi mit der Einführung der neuen Submarke AUDI, die Elektrofahrzeuge ohne das markentypische Vier-Ringe-Logo vertreiben soll.
In den USA könnte es ohne eigenes Werk schwierig werden
Zudem fehlt Audi im Gegensatz zu Wettbewerbern wie BMW und Mercedes-Benz ein eigenes Produktionswerk in den USA – ein potenzieller Nachteil, sollte sich der Handelskonflikt zwischen den USA und der EU weiter verschärfen. Über eine gemeinsame Fertigung mit Porsche wird bereits nachgedacht, doch der Aufbau eines Werks erfordert erhebliche Investitionen und Zeit.
Die Rentabilität muss wieder steigen
Mit einem umfassenden Sparkurs will Audi seine Rentabilität wieder steigern. Im Konzern ist von „höheren einstelligen Umsatzrenditen“ bis zum Ende des Jahrzehnts die Rede. Nach enttäuschenden Zahlen – in den ersten drei Quartalen 2024 lag die Rendite lediglich bei 2,5 Prozent – gilt dieser Schritt als dringend notwendig. Die Zahlen für das vierte Quartal sowie das Gesamtjahr 2024 will Audi im Laufe des Tages vorlegen.
Audi folgt damit umfassenden Jobabbau-Programmen von Volkswagen, Porsche und Mercedes sowie den Zulieferern wie Bosch, ZF und Continental. Audi muss sparen – versucht aber, das möglichst sozialverträglich zu tun. Weshalb in Ingolstadt und Neckarsulm weiter investiert wird.
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