Tesla schwächelt, BYD rückt auf – Verschiebungen im europäischen E-Automarkt

Im April 2025 sind die Neuzulassungen des einstigen Elektropioniers in der EU um mehr als die Hälfte eingebrochen. Wie der europäische Herstellerverband ACEA mitteilt, wurden nur 5475 Fahrzeuge des US-Herstellers zugelassen – ein Rückgang um 52,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch in den ersten vier Monaten insgesamt bleibt das Bild düster: ein Minus von 46,1 Prozent gegenüber 2024.

Tesla verliert rapide an Absatz. Die chinesischen Hersteller holen - und überholen -  europaweit.| Foto: Dietmar Fund
Tesla verliert rapide an Absatz. Die chinesischen Hersteller holen - und überholen - europaweit.| Foto: Dietmar Fund

Während Tesla offenbar den Anschluss verliert, läuft es für andere Hersteller besser. Volkswagen etwa konnte im gleichen Zeitraum die Auslieferungen seiner reinen E-Modelle deutlich steigern. Besonders auffällig: Der chinesische Hersteller BYD („Build Your Dreams“) überholte Tesla im April erstmals in den Verkaufszahlen – zumindest, wenn man die 28 europäischen Märkte betrachtet, wie es die Daten von Jato Dynamics tun. 7231 Neuzulassungen für BYD stehen 7165 bei Tesla gegenüber. Ein knapper Vorsprung, aber mit Signalwirkung.

BYD in Deutschland noch kaum auf den Straßen

Denn während Tesla mit Gewinnrückgängen und einem zunehmend gesättigten Markt kämpft, fährt BYD eine aggressive Expansionsstrategie. In Deutschland ist der Marktanteil der Chinesen zwar noch bescheiden – viele Fahrzeuge werden über Eigenzulassungen oder Vermietflotten in den Verkehr gebracht. Doch in Ländern wie Großbritannien, Spanien oder Italien kommen die günstigen Preise und das neue Angebot offenbar besser an. In Westeuropa war im ersten Quartal laut Analyst Matthias Schmidt bereits jedes zwanzigste neu zugelassene Auto ein chinesisches.

Auch wenn viele BYD-Fahrzeuge bislang nicht an Privatkunden verkauft werden, sondern an Firmen oder über Vermieter laufen: Der Fuß ist in der Tür. Und mit Modellen wie dem Dolphin Surf für knapp 20.000 Euro rückt BYD in ein Segment vor, das in Europa bislang schwach besetzt ist. Volkswagens Antwort, der ID.Every1, wird voraussichtlich erst 2027 auf den Markt kommen.

Druck auf Tesla wächst

Nicht nur durch günstigere Modelle, sondern auch durch die Skepsis am Service – ein Punkt, bei dem BYD bewusst nachlegt. Mehr Werkstattnetze, Kooperationen mit Partnerbetrieben, Investitionen in eigene Standorte in Ungarn und der Türkei: Der chinesische Hersteller setzt auf Präsenz. In Deutschland hält sich das Unternehmen mit Aussagen zu einem möglichen Werk bislang zurück.

Tesla-Chef Elon Musk hat nach den enttäuschenden Zahlen angekündigt, sich wieder stärker auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren – seine Rolle in der von Ex-Präsident Trump gegründeten Effizienzbehörde will er zugunsten seines Unternehmens zurückfahren. Doch ob der Strategiewechsel noch rechtzeitig kommt, bleibt abzuwarten. Der europäische Markt jedenfalls zeigt eine klare Tendenz: Vertrauen, Verfügbarkeit und Preisgestaltung sind entscheidende Faktoren – nicht mehr allein die technologische Vorreiterrolle.

In diesem Wettbewerb gewinnen derzeit andere. Für Tesla ist das eine neue Erfahrung.

 

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