Taxi-Sterben im Oberbergischen Kreis: Immer mehr Betriebe steigen auf Mietwagen um
Immer mehr Taxiunternehmen im Oberbergischen Kreis stellen ihren Betrieb ein oder denken über die Rückgabe ihrer Lizenzen nach. Der Grund sind wirtschaftliche Schwierigkeiten und steigende gesetzliche Anforderungen, die den Betrieb zunehmend unrentabel machen.
Unternehmer geben Konzessionen auf
In Waldbröl beendet die Unternehmerin Eva Peisker zum 1. November 2025 ihren Taxibetrieb. Die beiden bestehenden Lizenzen sollen an den Oberbergischen Kreis zurückgegeben werden. Künftig will Peisker ausschließlich Mietwagenfahrten auf Bestellung anbieten – von Montag bis Samstag, jeweils zwischen 6 und 19 Uhr.
Auch Markus Gossmann aus Morsbach hat seine sechs Konzessionen – drei für Morsbach und drei für Reichshof – bereits zum 1. Oktober 2025 zurückgegeben. Nach eigenen Berechnungen hätte er im kommenden Jahr rund 20.000 Euro Verlust gemacht, 2026 sogar mindestens 30.000 Euro. Gossmann setzt ebenfalls auf das Mietwagengeschäft, das keine Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft erfordert.
In Engelskirchen plant Unternehmerin Anke Berger, die acht Taxi-Lizenzen hält, den Verkauf ihres Betriebs noch in diesem Jahr. Das Unternehmen besteht seit 1971. Sie nennt steigende Auflagen und wirtschaftlichen Druck als Hauptgründe für diesen Schritt.
Ursachen: Rückläufige Nachfrage und steigende Kosten
Die Nachfrage nach Taxifahrten ist im Oberbergischen Kreis seit der Corona-Pandemie deutlich gesunken, insbesondere bei Nachtfahrten. Während vor der Pandemie Touren bis in die frühen Morgenstunden üblich waren, finden diese inzwischen kaum noch statt.
Hinzu kommen steigende Personalkosten: Der gesetzliche Mindestlohn steigt von derzeit 12,82 Euro auf 13,90 Euro im Jahr 2025 und auf 14,60 Euro im Jahr 2027. Ab dem 1. Januar 2026 müssen zudem alle Fahrzeuge mit einer Technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) ausgestattet werden, die jede Fahrt dokumentiert und Manipulationen verhindert. Die Kosten pro Fahrzeug werden auf rund 500 Euro geschätzt, hinzu kommen monatliche Softwaregebühren.
Aktuelle Situation im Kreis
Nach Angaben des Oberbergischen Kreises gibt es derzeit 14 Unternehmen mit Taxi- und Mietwagenbetrieb, darunter vier reine Taxiunternehmen. Insgesamt sind 117 Lizenzen gültig, sechs wurden in diesem Jahr bereits zurückgegeben.
Das größte Taxiunternehmen im Kreis ist der Betrieb von Roger Lang aus Nümbrecht mit 46 Lizenzen, verteilt auf mehrere Städte und Gemeinden. Auch dort ist die wirtschaftliche Lage angespannt. Lang schließt eine Reduzierung seiner Konzessionen für Reichshof und Bergneustadt nicht aus.
Tarife zuletzt 2022 angepasst
Die Taxi-Tarife im Oberbergischen Kreis wurden zuletzt im Jahr 2022 angepasst, um die gestiegenen Mindestlöhne abzudecken. Der Grundtarif liegt derzeit bei zwölf Euro und umfasst die ersten zwei Kilometer. Für weitere Strecken werden werktags zwischen 6 und 22 Uhr drei Euro pro Kilometer bis zum dritten Kilometer und 3,10 Euro ab dem dritten Kilometer berechnet. An Sonn- und Feiertagen gilt ganztägig ein Kilometerpreis von 3,10 Euro.
Kreis prüft Einbindung ins ÖPNV-Konzept
Der Oberbergische Kreis prüft, wie das Taxigewerbe in das integrierte Mobilitätskonzept eingebunden werden kann. Kreisdezernentin Birgit Hähn kann sich finanzielle Unterstützung vorstellen, allerdings nur, wenn Taxis als Teil des öffentlichen Nahverkehrs fungieren.
Vorgesehen ist ein Pilotprojekt für ein sogenanntes „ÖPNV-Taxi“, das nach Bedarf fährt und flexibel eingesetzt werden kann. Als möglicher Teststandort ist die Gemeinde Morsbach im Gespräch. Ziel ist es, das Taxigewerbe stärker in die Nahverkehrsstrukturen des Kreises zu integrieren und zugleich die Mobilität im ländlichen Raum zu sichern. (Quelle: Kölnische Rundschau)
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