Taxi heute Fahrbericht Mercedes C-Klasse 250 d T-Modell: Diesel gegen den Trend
Mercedes-Konkurrent BMW geht gerne seinen eigenen Weg und trifft Entscheidungen, die nicht jedem sofort einleuchten. Doch oft haben die Münchner mit ihrer Strategie recht. Ein Beispiel ist die Elektromobilität: Man setzte nicht alles auf die Stromer und überließ den Kunden die Wahl des Antriebs. Dass BMW bei der nächsten Generation des 3ers auf Dieselmotoren verzichtet, sorgt hingegen für Stirnrunzeln. Bei Mercedes reiben sie sich die Hände, denn der Selbstzünder ist auch bei der Modellpflege der C-Klasse Teil des Antriebsportfolios.
Mercedes verspricht geringeren Motoren-Verschleiß
Beim Diesel setzt Mercedes auf Evolution statt Revolution. Der bisherige OM 654 M wurde zum OM 654 EVO weiterentwickelt. Auch wenn der Nomenklatursprung vom 220 d zum C 250 d mehr vermuten lässt, ist der Leistungszuwachs mit 2 kW / 3 PS eher überschaubar. Also leistet der Zweiliter-Vierzylinder 147 kW / 200 PS. Das maximale Drehmoment bleibt mit 440 Newtonmetern identisch und liegt zwischen 1.800 und 2.800 Umdrehungen pro Minute an. Neu ist eine verbesserte Motorentlüftung. Sie filtert feine Öltröpfchen aus den Gasen, die während der Verbrennung ins Kurbelgehäuse gelangen. Dadurch gelangt weniger Öl in den Ansaugtrakt, wo es Ablagerungen verursachen kann. Das soll den Motor auf Dauer sauberer halten und den Verschleiß verringern. Die variable Turbinengeometrie, das 48-Volt-Bordnetz und der integrierte Startergenerator sind bereits vom Vorgänger bekannt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Diesel ein müder Geselle ist. Die Schwaben-Power kommt mit dem 1.860 Kilogramm schweren Kombi gut klar und fühlt sich lebendiger an, als es die reinen Leistungsdaten vermuten lassen. Dabei helfen die elektrischen 17 kW / 23 PS der Hybridisierung. Der Hecktriebler absolviert den Standardsprint von null auf 100 km/h in 7,3 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 236 km/h. Damit kommt man auch auf deutschen Autobahnen gut voran. Zieht man zudem den Normverbrauch von 5,1 l/100 km in Betracht, freut sich auch das Portemonnaie nach flotten Langstreckenetappen. Wir kamen bei unserer Testfahrt auf einen Dieseldurst von 6,7 l/100 km. Immer noch ordentlich.
Verstellbare Dämpfer
Allerdings könnte die Dämmung etwas besser sein. Sobald man die Leistung des Triebwerks abruft, wird die Arbeit der vier Zylinder hörbar. Nicht überaus nervig und laut, aber eben wahrnehmbar. Das fällt auch deshalb auf, weil Windgeräusche und Vibrationen gering bleiben und die Karosserie mit einem cW-Wert von 0,26 nicht allzu sehr im Wind steht. Auch beim Fahrwerk haben die Mercedes-Benz-Techniker nachgebessert und die verstellbaren Dämpfer aus dem CLE-Coupé übernommen. Dadurch ist der Aufbau besser angebunden und schaukelt bei langen Bodenwellen weniger nach als bisher. Die eher komfortable Abstimmung des Mercedes-Kombis bleibt unverändert. Floating“, also schwebend, nennen die Stuttgarter Marketingstrategen das. Deshalb ist die C-Klasse auch als T-Modell keine Schiffsschaukel. Das Fahrwerk ist einfach harmonischer als bisher. Trotz der Länge von 4,77 Metern und des Radstands von 2,87 Metern kommt das T-Modell auch flott um Kurven – dank der Hinterachslenkung, die die Räder wie bisher mit maximal 2,5 Grad einschlägt und so den Wendekreis auf 10,64 Meter reduziert.
Sobald man im Interieur nach unten blickt, fällt schnödes Hartplastik auf. Auch der großflächige Einsatz von Klavierlack bei der Mittelkonsole ist nicht zwingend ein Attribut für das Mantra des Firmengründers Gottlieb Daimler: „Das Beste oder nichts!“ Immerhin sprechen wir von einem Auto, das mindestens 58.988 Euro kostet. Im Cockpit bleiben sowohl das 12,3 Zoll große Kombiinstrument als auch der 11,9 Zoll große Hochkantbildschirm erhalten. Das Head-up-Display ist gestochen scharf. Das grundsätzliche Bedienkonzept des Infotainmentsystems bleibt unverändert. Es ist immer noch gut. Doch an einigen Stellen könnten die Techniker nachbessern und die Menüführung entschlacken. Im unteren Bereich des Touchscreens befindet sich eine Leiste mit digitalen Kurzwahltasten. Nicht jede Kachel beziehungsweise deren Funktion erschließt sich sofort. Neuigkeiten gibt es bei der Softwarebasis und dem Betriebssystem. Die sogenannte Chip-to-Cloud-Architektur trennt Hardware und Software stärker voneinander und ermöglicht noch mehr Updates per Funk. Auch für zahlreiche Assistenzfunktionen.
Viel Platz im Fond – und im Kofferraum
Bei der Lenkradbedienung geht Mercedes einen Schritt zurück. Anstelle der berührungsempfindlichen Schieberegler gibt es für die Lautstärke wieder eine mechanische Walze sowie einen Wippschalter für den Tempomat und die Abstandsregelung. Beide lassen sich ertasten und bedienen, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Die übrigen Bedienfelder reagieren weiterhin auf Berührungen. Die Sprachbedienung funktioniert bei unseren Anfragen auch zufriedenstellend. Platz ist auch im Fond genug. Der Laderaum bleibt mit einem Volumen von 490 bis 1.510 Litern und der serienmäßigen elektrischen Heckklappe praktisch. Und vorne ist der Diesel, den nicht jeder Konkurrent in Zukunft haben wird.
Für uns am Steuer: Wolfgang Gomoll; press-inform
Datenblatt Mercedes C 250 d T-Modell
Typ: Mittelklasse-Kombi
Motor: Vierzylinder-Diesel mit Mildhybrid-System
Hubraum (cm3): 1992
Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 147 / 200 bei 3.400-3.600
Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 440 bei 1.800-2.800
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 236
Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 7,3
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Heck
Treibstoffsorte: Diesel
Tank (L): 66
Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 5,1
CO2-Ausstoß (g/km): 134
Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.860
max. Zuladung (kg): 540
Abmessungen (L/B/H): 4.766 / 1.820 / 1.455
max. Ladevolumen (L): 490 bis 1.510
Preis (Euro): 58.988
Basismodell (Euro): 50.391
Abgasnorm: Euro 6e-bis
Effizienzklasse: D
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