Genau analysiert: Hamburger Taxengewerbe zwischen Pandemie, Tarifanpassungen und Festpreis-Experimenten
Eine umfassende Auswertung durch das Statistikamt Nord im Auftrag der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) zeigt die Trends in Tourenzahlen, Umsätzen und Fahrzeugeinsatz über diese acht Jahre. Die Grundlage der Analyse bilden automatisiert erfasste Taxameterdaten. Ergänzt wurden sie ab 2025 um Daten der Vermittler Bolt, UBER, FreeNow und Hansa Funktaxi eG zu Festpreistouren. Insgesamt meldeten die Vermittler im ersten Jahr der Einführung über 1,85 Millionen Festpreistouren, rund 20 % aller Fahrten.
Rückgang der Fahrtenzahlen
Die Anzahl der durchgeführten Taxifahrten zeigt einen klaren Rückgang seit 2017. Waren es im Jahr 2017 noch etwa 12,22 Millionen Touren, sanken die Zahlen bereits 2019 auf 11,31 Millionen. Die Pandemie wirkte wie ein Schock: 2020 fiel die Zahl auf 5,7 Millionen, 2021 stieg sie leicht auf 7,43 Millionen. Bis 2025 stieg die Zahl zwar wieder auf knapp 9,97 Millionen Touren, das Vorkrisenniveau wurde jedoch nicht erreicht.
Parallel stieg die Zahl der konzessionierten Fahrzeuge: von 2.841 Taxen 2023 auf 3.002 2024, bevor sie Ende 2025 auf 2.908 sank. Diese Entwicklung führte im Juni 2024 zur Einführung eines Konzessionsstopps, um die Marktstabilität zu sichern.
Schichten, Arbeitsstunden und Touren pro Schicht
Die Produktivität je Fahrzeug hat sich ebenfalls verändert. 2017 absolvierte ein Taxi noch fast zwölf Touren pro Schicht, 2025 waren es gut zehn. In absoluten Zahlen: von 4.021 Touren pro Taxi im Jahr 2017 auf 3.352 Touren 2025. Die Arbeitsstunden pro Taxi sanken von 3.244 Stunden 2017 auf 2.921 Stunden 2025. Daraus resultiert ein Rückgang der Touren pro Arbeitsstunde von 1,37 auf 1,23.
Der Besetztanteil – also der Anteil der Arbeitszeit, in der ein Taxi Fahrgäste befördert – liegt aktuell bei rund 32,5 %, knapp unter dem Vor-Pandemie-Niveau von 33,6 %. Ähnlich verhält es sich bei der besetzten Laufleistung pro Schicht, die von knapp 48 % auf 46,4 % sank.
Umsatzentwicklung und Tarifanpassungen
Die Tarife wurden mehrfach angepasst: 2022 um 9,6 %, 2023 um 12,8 % und 2025 um durchschnittlich 4,8 %. Die Anpassungen spiegeln sich in den Umsätzen wider. Der Nettoumsatz pro Tour stieg von 17,55 € 2019 auf 23,42 € 2025, eine Steigerung von rund 33 %. Der Umsatz pro Arbeitsstunde wuchs im gleichen Zeitraum von 25,01 € auf 28,62 €, während der Umsatz pro Schicht von 197,84 € auf 239,37 € zunahm.
Unterschiede zwischen Ein- und Mehrwagenunternehmen bestehen weiterhin. So lag der Nettoumsatz pro Tour 2025 bei Einwagenunternehmen bei 24,27 €, bei Mehrwagenfahrzeugen leicht darunter bei rund 23,4 €. Im Umsatz pro Arbeitsstunde zeigen sich ähnliche Differenzen: Einwagenunternehmen erzielten 24,58 €, Mehrwagenunternehmen 29,22 €.
Der Nettoumsatz pro Kilometer stieg über die Jahre von 1,26 € auf 1,58 €, ebenfalls eine deutliche Folge der Tarifanpassungen.
Flottendynamik und Unternehmensstruktur
Die Zahl der Taxenunternehmen zeigt moderate Schwankungen: Von 1.801 Unternehmen 2025 entfielen 1.507 auf Einwagenunternehmen und 294 auf Mehrwagenunternehmen. Die Anzahl der Betriebsaufgaben sank 2025 auf 63, nach pandemiebedingten Höchstwerten 2020 von 173. Das durchschnittliche Alter der Taxiflotte liegt aktuell bei etwa 3,84 Jahren.
Besonders relevant ist der Flughafenverkehr: Zwar stiegen im letzten Jahr die Einfahrten in den Wartebereich minimal (2025: 0,75 Mio.), die Anzahl der Vor-Corona Zeit (2019: 1,03 Mio.) werden aber bei weitem nicht erreicht. Der Anteil der Taxifahrten an den Passagierbewegungen stabilisiert sich bei rund fünf Prozent.
Festpreise und digitale Vermittlung
Mit der Einführung von Festpreistouren 2025 wurden erstmals über 600.000 Fahrten in den Datensatz integriert. Die Zuordnung der Festpreistouren zu Taxametertouren gelang zu 92,5 %, ein Hinweis auf die zunehmende Digitalisierung und Datenintegration.
Acht Jahre Taxi in Hamburg auf dem Prüfstand
Hamburgs Taxengewerbe steht nach acht Jahren unter starkem Wandel: Pandemische Einbrüche, steigende Fahrzeugzahlen, Tarifanpassungen und digitale Vermittlung verändern die Betriebsrealität. Die Touren pro Taxi und die Auslastung haben sich noch nicht erholt, während die Umsätze je Fahrt, Kilometer und Schicht durch Tarifanpassungen gestiegen sind. Die Einführung von Festpreistouren markiert einen neuen Ansatz, um Transparenz und Effizienz zu steigern.
Die Daten zeigen ein Taxigewerbe, das sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen muss und dessen wirtschaftliche Stabilität weiterhin eng mit dem Gleichgewicht von Angebot, Nachfrage und Tarifpolitik verbunden ist. Das Taxi-Gewerbe in Hamburg ist dabei in der außergewöhnlichen Lage, dank der umsichtigen Politik und Verwaltung der Stadt weitgehend von Plattformbetreibern verschont zu sein.
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