Tempolimit-Debatte: Zahlen, Fakten und neue Umfragewerte

Von Brandenburg bis NRW: Allianz Direct hat umfangreiche Statistiken zu Verkehrsverstößen und Unfallzahlen auf Autobahnen analysiert und wirft ein neues Licht auf die Tempolimit-Debatte.

Autobahnen ohne Tempolimit prägen das deutsche Straßenbild – der Wunsch nach mehr Sicherheit und Klimaschutz bringt die Debatte in Schwung. | Foto: Christine Sponchia via Pixabay
Autobahnen ohne Tempolimit prägen das deutsche Straßenbild – der Wunsch nach mehr Sicherheit und Klimaschutz bringt die Debatte in Schwung. | Foto: Christine Sponchia via Pixabay

Deutschland ist das einzige europäische Land ohne generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen. Laut einer aktuellen Umfrage von Allianz Direct sprechen sich 71 % der Deutschen für ein Tempolimit aus, davon 39 % für 130 km/h und 32 % für 140-150 km/h. Auch unter ADAC-Mitgliedern ist die Zustimmung seit 2020 gestiegen und liegt Anfang 2024 bei 55 %.

Verkehrssicherheit: Überhöhte Geschwindigkeit als Hauptursache 

Im Jahr 2023 starben laut Statistischem Bundesamt in Deutschland 2.839 Menschen im Straßenverkehr, davon 842 infolge überhöhter Geschwindigkeit. Auf Autobahnen stieg die Zahl der Unfälle mit Personenschaden um 7,5 % auf 19.000. Dabei kamen 302 Menschen ums Leben. In 43 % der tödlichen Unfälle war zu schnelles Fahren die Hauptursache.

Regionale Unterschiede bei Geschwindigkeitsverstößen 

Laut einer Statistik der Allianz Direct Kfz-Versicherung verzeichnete Brandenburg 2023 mit 93,2 Punkten pro 1.000 Fahrer den höchsten Wert für Geschwindigkeitsverstöße, während Berlin mit einem Anteil von 22,82 % an Punkten für Tempoüberschreitungen am niedrigsten lag. Nordrhein-Westfalen führt die Statistik besonders schwerer Tempoüberschreitungen von über 70 km/h mit 714 Fällen an. Schleswig-Holstein registrierte 330 illegale Kraftfahrzeugrennen – mehr als Bayern mit 244 Fällen.

Eine Kartengrafik zeigt die Bundesländer mit den meisten Geschwindigkeitsüberschreitungen pro 1.000 registrierten Fahrern.

Eine Kartengrafik zeigt die Bundesländer mit den meisten Geschwindigkeitsüberschreitungen pro 1.000 registrierten Fahrern. | Bild: Allianz Direct

Blitzer und Durchschnittsgeschwindigkeiten 

Baden-Württemberg hat mit 1.056 stationären Blitzern die höchste Zahl an Messanlagen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (923) und Hessen (640). Brandenburg liegt trotz hoher Punktzahlen bei Geschwindigkeitsverstößen nur auf Platz 10 bei der Zahl der Blitzer. 

Eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Auf Abschnitten ohne Tempolimit fahren 83 % der Autofahrer im Schnitt langsamer als 130 km/h, nur 10,5 % erreichen 130-140 km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Autobahnen sank von 116,5 km/h (2021) auf 113,5 km/h (2023). Auf der A9 bei Niemegk fuhren Pkw im Schnitt 141,8 km/h (ohne Limit), auf der A10 mit Tempolimit 120 km/h lag der Schnitt bei 116,5 km/h. Mehr als 60 % der Pkw-Fahrer überschritten auf der A9 130 km/h, über 15 % fuhren sogar über 170 km/h.

Ein Säulendiagramm, das die Durchschnittsgeschwindigkeit verschiedener Fahrzeugtypen auf einer Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung (A9) und einer mit Tempolimit (A10) vergleicht.

Ein Säulendiagramm, das die Durchschnittsgeschwindigkeit verschiedener Fahrzeugtypen auf einer Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung (A9) und einer mit Tempolimit (A10) vergleicht. | Bild: Allianz Direct

Unfallstatistik: Weniger Tote mit Tempolimit 

Daten aus dem Unfallatlas zeigen: Auf Autobahnabschnitten mit Tempolimit ereigneten sich 0,95 tödliche Unfälle pro Milliarde gefahrener Kilometer, auf Abschnitten ohne Limit waren es 1,67 – also rund 75 % mehr. Eine Auswertung auf der A4 bei Dresden ergab nach Einführung eines 100 km/h-Limits eine Halbierung der Unfallzahlen.

Umwelt- und Klimaschutzpotenzial 

Laut Umweltbundesamt könnten durch ein Tempolimit von 120 km/h jährlich 4,7 Mio. Tonnen CO₂ eingespart werden. Umweltverbände, Polizeigewerkschaften und Verkehrsinitiativen fordern daher eine gesetzliche Geschwindigkeitsbegrenzung. 

Debatte bleibt umstritten 

Die Diskussion um ein Tempolimit bleibt politisch und gesellschaftlich kontrovers. Während Befürworter neben Sicherheitsaspekten auch Klima- und Umweltschutz anführen, verweisen Kritiker auf die hohe Sicherheit deutscher Autobahnen und die individuelle Freiheit. 

Die Allianz Direct Versicherung hat für die Analyse primäre Datensätze zu Blitzern und Verstößen sowie Quellen wie Statistisches Bundesamt, Unfallatlas und Umweltbundesamt ausgewertet. Der vollständige Bericht ist hier zu finden:

www.allianzdirect.de/kfz-versicherung/tempolimit-statistik-deutschland/

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