Plug-in-Hybride emittieren sechsmal so viel CO2 wie offiziell angegeben – Tendenz steigend

Die Differenz zwischen offiziellen Angaben und Realbetrieb kostete den Fahrer eines 2024 verkauften Plug-in-Hybriden im Schnitt 680 Euro zusätzlich pro Jahr für Sprit.

Eine T&E-Analyse der neusten verfügbaren Emissionsdaten zeigt, dass 2024 zugelassene Modelle im realen Fahrbetrieb etwa sechsmal so viel CO2 ausgestoßen haben wie offiziell angegeben. Die Differenz zwischen offiziellen Angaben und Realbetrieb kostete den Fahrer eines 2024 verkauften Plug-in-Hybriden im Schnitt 680 Euro zusätzlich pro Jahr für Sprit. (Foto: KI-generiert)
Eine T&E-Analyse der neusten verfügbaren Emissionsdaten zeigt, dass 2024 zugelassene Modelle im realen Fahrbetrieb etwa sechsmal so viel CO2 ausgestoßen haben wie offiziell angegeben. Die Differenz zwischen offiziellen Angaben und Realbetrieb kostete den Fahrer eines 2024 verkauften Plug-in-Hybriden im Schnitt 680 Euro zusätzlich pro Jahr für Sprit. (Foto: KI-generiert)
(erschienen bei busplaner von Claus Bünnagel)

Der Unterschied zwischen den offiziellen CO2-Angaben für Plug-in-Hybride und ihren tatsächlichen Emissionen im Realbetrieb nimmt weiter zu. Eine T&E-Analyse der neusten verfügbaren Emissionsdaten zeigt, dass 2024 zugelassene Modelle im realen Fahrbetrieb etwa sechsmal so viel CO2 ausgestoßen haben wie offiziell angegeben. 2023 war es noch fünfmal so viel. Die Differenz zwischen offiziellen Angaben und Realbetrieb kostete den Fahrer eines 2024 verkauften Plug-in-Hybriden im Schnitt 680 Euro zusätzlich pro Jahr für Sprit.

Nur 14 % Emissionsersparnis – statt offiziellen 83 %

T&Es Analyse der Daten der Europäischen Umweltagentur zeigt, dass die tatsächlichen Emissionen von Plug-in-Hybriden nur 14 % niedriger sind als die von herkömmlichen Verbrennern und Hybriden, obwohl offizielle Testwerte eine Reduzierung um 83 % angeben. Selbst wenn ein Fahrzeug im Batteriemodus fährt, läuft der Verbrennungsmotor bei etwa einem Drittel der gefahrenen Kilometer mit, so die Auswertung von T&E.

Die EU geht die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Emissionen und den offiziellen Werten an, indem sie den sogenannten Nutzfaktor anpasst. Dieser legt bei der Berechnung der offiziellen Plug-in-Hybrid-Emissionen den Anteil der elektrischen Fahrten fest. T&Es Analysen zeigen, dass die erste Anpassung im Jahr 2025/26 die Hersteller bereits dazu veranlasst hat, größere Batterien einzubauen und die elektrische Reichweite zu erhöhen. Dem Bericht zufolge gleicht die längere elektrische Reichweite drei Viertel des durch den Nutzfaktor bedingten Anstiegs der offiziellen CO2-Emissionen bei den überarbeiteten Modellen aus.

Emissionen unter 50 gCO2/km halten

Die Analyse zeigt auch, dass weitere Fortschritte bei Technologie und Design die Emissionen unter 50 gCO2/km halten könnten, sobald die EU-Emissionsvorschriften für Plug-in-Hybride weiter angepasst werden. Da die nächste Anpassung der Plug-in-Hybrid-Vorschriften im November 2026 in Kraft treten soll, fordert T&E die Bundesregierung nachdrücklich auf, diese beizubehalten, um die tatsächlichen Emissionen dieser Fahrzeuge besser zu erfassen. Diese Warnung erfolgt vor dem Hintergrund, dass Deutschland im Rahmen der aktuellen Verhandlungen mit Frankreich über ein umfassenderes Automobilpaket darauf drängt, die anstehende Anpassung des Nutzungsfaktors auszusetzen. 

Susanne Goetz, Senior Referentin E-Mobilität bei T&E Deutschland: „Die anstehende Korrektur einzufrieren käme einer Manipulation der Emissionsberechnung für Autos in Europa gleich. Sollte sich Deutschland durchsetzen, würden die Autohersteller weiterhin die elektrische Fahrleistung von Plug-in-Hybriden zu hoch angeben. Unterm Strich heißt das für die Verbraucher: höhere Kraftstoffkosten. Gleichzeitig wird so Europas Ölabhängigkeit unnötig verlängert. Die Korrektur des Nutzfaktors bewirkt mehr als nur die Berichtigung irreführender Emissionsangaben. Sie zwingt die Autohersteller dazu, die wirkliche Reichweite von Plug-in-Hybriden zu verbessern.“

VW führte die wirkungsvollsten Upgrades ein

T&E hat 20 der meistverkauften Modelle analysiert, auf die 51 % der Verkäufe im Jahr 2025 entfielen. Der VW-Konzern führte infolge der Nutzfaktorkorrektur im Jahr 2025 die wirkungsvollsten Upgrades ein. Durch Verbesserungen bei fünf VW-Modellen wurden 90 % des mit der Korrektur verbundenen Anstiegs der offiziellen Emissionen ausgeglichen. Beispielsweise hat sich die elektrische Reichweite des VW Tiguan von 55 km auf 119 km mehr als verdoppelt, wodurch die offiziellen Emissionen bei 36 gCO2/km gehalten werden konnten (verglichen mit 32 gCO2/km vor der Korrektur). Das hilft Fahrzeughaltern, Kraftstoff zu sparen, indem sie länger im Elektromodus fahren können.

Hersteller könnten ihre Fahrzeuge bei der nächsten Korrektur des Nutzfaktors durch eine höhere elektrische Reichweite, mehr Effizienz im Verbrennungsmodus, verbesserte Aerodynamik, leichtere Materialien und eine effizientere Energierückgewinnung weiter optimieren.

Tatsächliche Emissionen von Plug-in-Hybriden werden um 56 % unterschätzt

Ein Einfrieren der Vorschriften auf dem Niveau von 2025-2026 würde laut T&E dazu führen, dass die tatsächlichen Emissionen von Plug-in-Hybriden weiterhin um 56 % unterschätzt würden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Hersteller deutlich weniger E-Autos verkaufen müssen, um das CO2-Ziel für 2030 einzuhalten, so T&E.

Goetz sagt: „Ein Jahrzehnt nach dem Dieselskandal ist es unerhört, dass Europa erneut darüber debattiert, ob weiterhin irreführende Emissionswerte für Autos verwendet werden dürfen. In den laufenden Verhandlungen über die Flottengrenzwerte für Pkw stehen das Europäische Parlament und der Rat vor einer klaren Wahl: den Geldbeutel der Autofahrer schützen oder den Herstellern erlauben, die Verbraucher weiter in die Irre zu führen. Die Fahrer verdienen die Wahrheit und nicht noch einen faulen Kompromiss zum Schutz der Herstellergewinne, der letztendlich die Verbraucher Hunderte von Euro pro Jahr zusätzlich kostet.“

(Quelle: T&E)

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