Ernsthaft Elon? Tesla entlässt Supercharger-Team

Teslas Aktienkurs sinkt, die Kosten müssen runter. Deshalb müssen mehr als zehn Prozent der 140.000 Beschäftigten gehen. Darunter auch das gesamte Supercharger-Team inklusive der Führung.

teslas Supercharger ist ein USP der Marke - jetzt will Musk ausgerechnet dort sparen. | Foto: G. Soller
teslas Supercharger ist ein USP der Marke - jetzt will Musk ausgerechnet dort sparen. | Foto: G. Soller
Thomas Kanzler
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Tesla musste für das erste Quartal seinen ersten Umsatzrückgang seit der Corona-Pandemie melden und kämpft unter anderem mit der allgemeinen Abschwächung des Marktes für Elektroautos und mit stärkerer Konkurrenz. Der Aktienkurs ist Anfang 2024 um fast 30 Prozent gefallen. Jetzt steuert Musk hart gegen: Laut der Plattform „The Information“ verfasste Elon Musk eine Email, in der er schreibt, dass fast alle 500 Mitarbeiter des Ladeteams entlassen werden, darunter auch Rebecca Tinucci, bisher als Senior Director of EV Charging tätig. Tinucci soll für den Aufbau des Schnellladenetzwerkes verantwortlich gewesen sein und gilt darüber hinaus auch als treibende Kraft hinter der breiten Adaption des NACS-Steckers durch andere Hersteller.

Kurswechsel, aber warum?

Der Kurswechsel ist umso ungewöhnlicher, als Teslas Supercharger als besonders schnell, gut verfügbar und zuverlässig gelten. Diese Verfügbarkeit gehörte zu den großen USPs der Marke. Zumal Tesla zudem in jüngster Zeit eine ganze Reihe von Allianzen mit Wettbewerbern wie Ford, GM oder Mercedes-Benz schloss, die deren Elektrofahrzeugen in den USA Zugang zu den Supercharger-Stationen bietet. Was Tesla auch half, seine Ladesäulen als „Branchenstandard“ zu etablieren.

Musk bestätigte auf seiner Plattform X, das Supercharger-Netz künftig weniger schnell ausweiten zu wollen als bisher geplant. Der Schwerpunkt liege künftig stärker auf der Expansion bestehender Standorte sowie deren Zuverlässigkeit. Eine Begründung für den Strategiewechsel nannte er nicht.

Musk schlägt härtere Töne an – und verliert abermals viel Personal

In seiner Nachricht schlug Musk laut „The Information“ generell härtere Töne an: Tesla müsse im allgemeinen „absolut hardcore“ sein, und viele Manager würden das seiner Meinung nach noch nicht ernst nehmen. Er drohte laut The information damit, das er Führungskräfte zum Rücktritt aufzufordere, in deren Team mindestens drei Personen „nicht offensichtlich den Exzellenz-, Notwendigkeits- und Vertrauenswürdigkeitstest“ bestehen. Ähnlich agierte er einst bei Twitter: Dort forderte damals die Belegschaft auf, in einem digitalen Formular per Mausklick zu erklären, ab sofort „extrem hardcore“ zu arbeiten. Wer sich weigere, müsse gehen.

Bitter: Neben der Supercharger-Sparte will Musk auch die Abteilung „Public Policy“ auflösen, die unter anderem für die Kommunikation mit Politikern und Behörden managt. Deren Chef Rohan Patel reichte schon vor Anfang April seinen Rücktritt ein. Auch einige andere Führungskräfte verlassen das Unternehmen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll sich darunter auch die bisherige Personalchefin Allie Arebalo befinden.

Aktuell macht Tesla keinen guten Eindruck: Musk reißt mit dem Supercharger-Netzwerk, das für Tesla durchaus defizitär sein könnte, einen großen USP der Marke ein. Auch dass der die Kommunikation weiter reduziert, wirft kein gutes Licht auf das Unternehmen. Wenn solche Meldungen anhalten, könnte Teslas Stern so schnell wieder verglühen, wie er aufstieg.

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