Kassen verweigern Dialog: Diskussion mit leerem Stuhl

Die Entgelte für Krankenfahrten sind im Taxi- und Mietwagengewerbe zu niedrig. Dabei gibt es viele Gründe und Möglichkeiten, höhere Tarife durchzusetzen. Dies wurde bei einem Seminar zum Thema Krankenfahrten deutlich, bei dem trotz Einladung nicht ein einziger Vertreter der Krankenkassen auftauchte.
Redaktion (allg.)

Rund 50 Taxi- und Mietwagenunternehmer sowie Vertreter diverser Abrechnungsdienstleister trafen sich vergangenes Wochenende zum von taxi heute organisierten Seminar „Hohes Niveau, niedrige Kosten – Krankenfahrten auf dem Rücken der Taxifahrer“. Dabei wurde sowohl während einer Podiumsdiskussion als auch bei den verschiedenen Fachvorträgen der Referenten deutlich, dass höhere Tarife keine Frage der Moral sind, sondern aus Sicht des Gewerbes absolute wirtschaftliche Notwendigkeit.


Gisela Spitzlei beispielsweise vom gleichnamigen Abrechnungsdienst und Vorsitzende des BZP-Ausschusses Krankenfahrten machte anhand eines Rückblick auf die letzten 30 Jahre eindrucksvoll deutlich, dass Taxiunternehmer bei den Fahrpreisen keineswegs Preistreiber gewesen seien, sondern den Kassen sogar beim Sparen geholfen hätten. 


BZP-Präsident Michael Müller stellte in seinem Vortrag den Faktor Zeit in den Vordergrund. Im Gegensatz zu einer klassischen Einsteigerfahrt beginne eine Krankenbeförderung schon mit der Abholung an der Haustüre und ende erst mit der Übergabe des Patienten bei der Dialyse- oder Bestrahlungsstation. Ein solcher Zeitaufwand müsse – ebenso wie der erhöhte Verwaltungsaufwand hinsichtlich der Abrechnung – künftig bei der Preisvereinbarung einbezogen werden. Es sei eine große Herausforderung, dies den Krankenkassen bei den kommenden Verhandlungen klarzumachen und ins Bewusstsein zu rufen.


Das Taxigewerbe tut im Bereich Krankenfahrten viel Gutes, wird dafür aber nicht entsprechend honoriert. Vielleicht auch deshalb, weil man zu wenig darüber spricht. Michael Dormann von der PR-Agentur „henneundei“ hatte in seinen Vortrag zum Thema Marketing und Selbstdarstellung neben dem theoretischen Grundgerüst auch ein paar praktische Tipps vorgestellt, wie man mit kleinen Kampagnen große öffentliche Wirkung erzielen könnte.


Kleines Gebiet, große Wirkung gilt auch für das Beispiel einer regional aktiven Interessengemeinschaft aus dem Ortenaukreis im Schwarzwald. Dessen Vertreter Markus Schmid appellierte an die Anwesenden, dass gewerbepolitisches Engagement und die Durchsetzung der eigenen regionalen Interessen durch Eigeninitiative möglich ist. Dazu muss man sich weder mit bürokratischen Hürden einer Vereinsgründung auseinandersetzen noch gegen den eigenen Landesverband arbeiten. Im Gegenteil, solche Basisinitiativen unterstützen die Verbände bei ihren zukünftigen Verhandlungen. In Baden-Württemberg konnte kürzlich ein Rahmenvertrag abgeschlossen werden, der eine um 10 Cent höhere Kilometervergütung beinhaltet als jener aus dem Jahr 2006. 


Unterstützung beim Kampf für faire Entgelte bekommt das Taxigewerbe auch seitens der Industrie- und Handelskammer. Gerhard Wieland, Referatsleiter bei der IHK für München und Oberbayern, erläuterte bei seinem Vortrag die Entstehungsgeschichte einer IHK-Ratgeberlektüre „Empfehlung für eine Sondervereinbarung in der Krankenbeförderung“. Dort, wo Krankenfahrten innerhalb des Pflichtfahrgebiets stattfinden, müsse auch der geltende Taxitarif zur Anwendung kommen, sagte Wieland.


Gerne hätten zu all diesen Themen sowohl die Referenten als auch die Teilnehmer mit den Verantwortlichen der Krankenkassen diskutiert, doch die von taxi heute ausgesprochene Einladung nahm keine Krankenkasse an. Demzufolge blieb während der Podiumsdiskussion zu Seminarbeginn auch ein Stuhl leer. Man hätte gerne MIT ihnen diskutiert anstatt ÜBER sie, zeigte Jürgen Hartmann von taxi heute wenig Verständnis für die Ignoranz der Kassenvertreter. Der leere Stuhl symbolisiere, dass in dieser Runde ein wichtiger Gesprächspartner fehle.


Über das Ergebnis der Podiumsdiskussion und die an dieser Stelle nur in aller Kürze zusammengefassten Inhalte der Fachvorträge berichtet taxi heute in seiner Ende Oktober 2013 erscheinenden Printausgabe.
 

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