Volles Haus bei der Bielefelder IHK

Eine Informationsveranstaltung der IHK Ostwestfalen stieß bei den dortigen Taxiunternehmern auf reges Interesse: Knapp 120 Zuhörer waren erschienen, um den Vorträgen verschiedener Experten zuzuhören.
Redaktion (allg.)

Eigentlich passen in den großen Vortragssaal der Bielefelder IHK nur knapp 100 Personen, doch mit zusätzlichen Stühlen an den Fenstern und den Wänden brachte man auch noch die zusätzlichen 20 Zuhörer unter, so dass letztendlich 120 Personen den Raum füllten, darunter auch einige Vertreter der Genehmigungsbehörden, der Finanzkontrolle Schwarzarbeit und weiterer Industrie- und Handelskammern.


Ihnen allen wurden Fachvorträge unter dem Motto „Mit neuen Strategien das Überleben sichern“ präsentiert. Volker Uflacker von der IHK Ostwestfalen hatte die Informationsveranstaltung organisiert und das Thema sowie einige Referenten von einem taxi heute-Seminar im Mai in Fulda übernommen.


Thematisiert wurde die Problematik einer Bezahlung nach Stundenlohn, die nicht nur politisch bald Realität sein könnte, sondern auch durch eine geänderte Auslegung des § 3 des Fahrpersonalgesetzes verpflichtend werden könnte. Rechtsanwalt Benjamin Sokolovic machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass eine ausschließliche Entlohnung des Fahrers nach Umsatzprozenten eventuell künftig nicht mehr geduldet wird. Alternativ könnte beispielsweise ein niedrigerer Grundlohn angesetzt werden, der dann durch Prämien für unfallfreies oder spritarmes Fahren aufgestockt wird.


Um die Fahrer auf eine solche Änderung bei der Entlohnung einzustimmen, sei eine Emotionalisierung der Angestellten nötig, ergänzte Jürgen Kruse vom Hamburger Unternehmen Prima Clima Mobil, bei dem die Taxifahrer schon seit einigen Monaten nach Stundenlohn vergütet werden. Man habe das Personal in erster Linie für eine klare Firmenphilosophie (in diesem Fall das Umwelttaxi) begeistert. Die dadurch gewonnene Stammkundschaft könne man sogar über die Smartphone-basierte Vermittlungsplattform von „Taxi.de“ eigenständig disponieren. Alex Brandenstein, Chef von taxi.de, bezeichnete diese Möglichkeit in seinem Vortrag als „Segen des Smartphones“, warnte aber zugleich vor dem Fluch: Google sei bereits dabei, über Beteiligungen am Chauffeurdienst „Uber“ in Höhe von dreistelligen Millionenbeträgen in den Personenbeförderungsbereich einzusteigen. Uber nutzt zur Auftragsvermittlung ebenfalls Smartphone-Applikationen.


Über Fluch und Segen berichtete auch Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands BZP, in seinem Vortrag zum Fiskaltaxameter. Sollte die vom Bundesministerium der Finanzen geforderte manipulationssichere Aufzeichnungspflicht zum 1.1.2017 ohne weitere Überarbeitungen und Konkretisierungen verbindlich werden, drohe eine Abwanderung in den Mietwagensektor, solange die dortigen Wegstreckenzähler nicht ebenfalls den technischen Anforderungen unterliegen.


Letztendlich sei eine manipulationssichere Auslese der Taxameterdaten eine Idee aus Hamburg gewesen, berichtete Dirk Ritter von der Hamburger Genehmigungsbehörde. Ritter fasste die Kernpunkte des in seiner Stadt seit 2004 praktizierten Genehmigungsverfahrens noch einmal zusammen. Taxikonzessionen bekommen nur diejenigen Unternehmer zugesprochen bzw. verlängert, die eine plausible Betriebsführung nachweisen. Lassen Umsätze, Fahrerentlohnungen und Kilometerstände auf Manipulationen schließen, sei dadurch die persönliche Zuverlässigkeit des Unternehmers in Frage zu stellen, was in etlichen Hamburger Fällen zum Entzug bereits bestehender Konzessionen geführt hat.


Eine andere Art von Stilllegung hat Peter Köhl hinter sich. Der Münchner Unternehmer berichtet in seinem Vortrag von seiner Fahrzeugflotte, die seit 2007 von damals 52 Dieseltaxis auf mittlerweile 48 Hybrid-Fahrzeuge ausgetauscht wurde. Köhl konnte damit nicht nur eine riesige Menge an CO2 einsparen, sondern auch den Spritverbrauch um rund die Hälfte reduzieren. Mittlerweile sei es sogar möglich, durch den Einsatz der Spritverbrauchsmessung „Fuel Spy“ die Verbräuche unmanipulierbar für jeden einzelnen Fahrer auszuwerten.


Hinweis der Redaktion: Ein weitergehender Bericht zur Informationsveranstaltung der IHK Bielefeld wird in der Novemberausgabe von taxi heute erscheinen. Erscheinungstag ist der 30.10.      
 

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