Sofia Taxi Union droht mit Protesten wegen stagnierender Tarife
Die Nationale Taxiunion hat bei der Gemeinde Sofia einen Antrag auf Erhöhung der Taxitarife in der Hauptstadt eingereicht. Die Fahrer wollen den Mindesttagestarif auf 1,74 Lew pro Kilometer und den Nachttarif auf 2 Lew [ca. 1 EUR, Anm.d.Red.] pro Kilometer anheben – eine Erhöhung um etwa 30 %. Die Gewerkschaft argumentiert, dass die Tarife seit drei Jahren nicht erhöht wurden, während der Mindestlohn, der zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge herangezogen wird, seit 2022 um 52 % gestiegen sei und die Abschreibungskosten für Fahrzeuge um etwa 40 % zugenommen hätten. Die Fahrer warnen, dass sie bereit seien, Proteste zu organisieren, falls ihre Forderungen nicht erfüllt werden. (Oktober 2025, Quelle: kinsights.capital.bg/politics_and_society/2025/10/15/4841039_the_day_in_3_news_bulgarian_companies_return_to_growth/)
Über die Hintergründe der Forderungen nach Taxi-Tariferhöhungen berichtet novinite.com wie folgt:
- Stark gestiegene Betriebskosten: Laut Branchenberechnungen sind verschiedene Kostenbestandteile für den Taxibetrieb um 20 % bis 600 % gestiegen (z. B. Wartung, Ersatzteile, Versicherungen, Abgaben).
- Seit 2022 unveränderte Tarife: Die Taxipreise in Sofia wurden seit drei Jahren nicht angepasst, obwohl das Gesetz eine jährliche Überprüfung der Mindest- und Höchsttarife durch die Kommunen vorschreibt.
- Rechtliche Untätigkeit der Stadtverwaltung: Die Nationale Taxiunion hat drei Jahre in Folge Tarifänderungen beantragt, doch der Gemeinderat hat nicht reagiert, was laut Verband einen Verstoß gegen gesetzliche Vorgaben darstellt.
- Zusätzliche Belastung durch Euro-Umstellung: Die bevorstehende Einführung der Doppelwährungsanzeige (Lew + Euro) und die nötige Umkonfiguration von über 20.000 Taxametern erhöhen den administrativen und finanziellen Aufwand.
Die Kombination aus steigenden Kosten und fehlenden Tarif-Anpassungen führe laut Taxi-Fahrern dazu, dass die Aufrechterhaltung eines wirtschaftlich tragfähigen, sicheren und qualitativ hochwertigen Taxibetriebs zunehmend schwieriger wird. (Oktober 2025, novinite.com/articles/234854/)
Neue Tarifregel in Sofia: Taxipreise steigen um fast 19 % ab 2026
Ab dem nächsten Jahr werden die Taxitarife in Sofia um 18,6 % steigen. Die Erhöhung basiere auf einer neuen Methodologie, welche der Stadtrat anwendet, um die Taxitarife anzupassen, nachdem die Nationale Taxiunion einen formellen Antrag stellte, die Tarife in der Hauptstadt zu erhöhen. Diese Preiserhöhung wird durch die Anhebung der Mindesttarife umgesetzt – ein Schritt, der den Wettbewerb im Niedrigpreissegment einschränken soll und zu weit verbreiteten Tarifsteigerungen führt. Einige Experten argumentieren, dass ein marktorientierter Ansatz, der die Mindesttarife abschafft und den Wettbewerb die Preise bestimmen lässt, eine wirksamere Lösung wäre. (Oktober 2025, Quelle: kinsights.capital.bg/politics_and_society/2025/10/24/4844298_the_week_sofia_airport_expands_taxi_fares_rise_economy/)
Bulgarien verlängert Frist für doppelte Taxi-Fahrpreisanzeige bis Oktober 2025
Die bulgarische Regierung hat die Frist für die Anzeige von Taxitarifen in Lew und Euro auf Ende Oktober 2025 verschoben. Hersteller und Taxiunternehmen hatten gewarnt, dass die Aktualisierung von über 20.000 Taxametern bis zur ursprünglichen Frist Anfang August nicht machbar sei. [Grund für die Umstellung: Der Euro wird ab Januar 2026 offizielle Währung in Bulgarien und ersetzt den bulgarischen Lew im Wechselkurs von 1 EUR = 1,95583 BGN. Jedoch bleibt die bisherige Währung während einer Übergansphase weiterhin akzeptiert, so ergibt sich die Pflicht zur Doppelauszeichnung der Preise. Anm.d.Red.] (August 2025, Quelle: https://www.fiscal-requirements.com/news/4238)
Anm.d.Red.: Uber ist seit 2015 in Bulgarien faktisch verboten.
Nach Ubers Bulgarien-Expansion 2014 äußerte eine bedeutende Gewerkschaftsorganisation – Union Taxi – Bedenken wegen unlauteren Wettbewerbs und forderte die bulgarische Kommission zum Schutz des Wettbewerbs (CPC, nationale Wettbewerbsaufsichtsbehörde) auf, den Fahrdienst vollständig zu verbieten. Uber wurde gemeinsam von mehreren Fahrergewerkschaften beschuldigt, legitimen Taxiunternehmen finanzielle Verluste zuzufügen, indem das Unternehmen Kunden „stahl“ und unangemessene Taktiken anwandte. Nach mehreren solcher Anträge der Gewerkschaftskonföderation wurde Uber 2015 von der CPC faktisch verboten, woraufhin sich Uber aus dem bulgarischen Markt zurückzog. Dieses Uber-Verbot ist in Bulgarien bis heute in Kraft.
Darüber hinaus führte das Verbot zu neuen gesetzlichen Regelungen, die Taxiunternehmen verpflichteten, ihren Fahrern Arbeitsverträge und Sozialversicherung bereitzustellen, ihren Umsatz zu deklarieren und Lohnsteuern zu zahlen. Die neuen Anforderungen stießen auf Widerstand seitens der Taxiunternehmen, da diese zuvor auch mit selbstständigen Fahrern arbeiteten. (Quelle: European Trade Union Confederation, etuc.org/sites/default/files/page/file/2023-05/ETUC_country%20report_Bulgaria-EN.pdf#page=5)
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