Uber-Bezahlungsalgorithmus sorgt für Unmut - Fahrer vor Klage gegen den Plattformbetreiber

Der Streit um die Bezahlung der Uber-Fahrer spitzt sich zu. In Großbritannien und mehreren europäischen Ländern wollen Fahrer Uber wegen unfairer, algorithmisch bestimmter Bezahlung verklagen und verlangen eine Entschädigung wegen entgangener Einnahmen und Verletzung des Datenschutzes.

Ein Algorithmus steuert die Bezahlung der Uber-Fahrer - für die Fahrer ist das System äußerst undurchsichtig.| Foto: Uber
Ein Algorithmus steuert die Bezahlung der Uber-Fahrer - für die Fahrer ist das System äußerst undurchsichtig.| Foto: Uber

Die Organisation Worker Info Exchange International (WIE International) hat dem Unternehmen ein sogenanntes Letter Before Action zugestellt – die formale Vorstufe zu einer Klage. Darin fordert die Stiftung, dass Uber sein dynamisches Vergütungssystem stoppt und betroffene Fahrer entschädigt.

Das Schreiben ging an Uber BV in Amsterdam und Uber Technologies in den USA. WIE International wirft dem Konzern Verstöße gegen europäische Datenschutzregeln vor. Konkret geht es um automatisierte Entscheidungen, mit denen Uber seit 2020 die Vergütung seiner Fahrer in Echtzeit festlegt. Das System trägt den Namen Up Front Pricing und ersetzt feste Tarife durch variable Preise, die von Algorithmen berechnet werden.

Einkommen gesunken, Kontrolle geschrumpft

Die Debatte entzündet sich an der Frage, ob das System die Fahrer benachteiligt. Studien liefern dafür Anhaltspunkte. Eine Untersuchung der Universität Oxford und WIE International aus diesem Jahr zeigt, dass 82 Prozent der britischen Uber-Fahrer seit der Einführung des dynamischen Systems weniger pro Stunde verdienen. Die von ihnen an Uber abgeführte Provision übersteigt mittlerweile oft die Hälfte des Fahrpreises – früher lag sie bei 25 Prozent. Zugleich habe sich die Kontrolle der Fahrer darüber, wann und wo sie arbeiten, verringert. WIE International schätzt den durchschnittlichen Einkommensverlust auf 8 bis 16 Prozent im vergangenen Jahr.

Die Organisation sieht darin ein Vergütungsmodell, das Tarife personalisiert, aber wenig über die Kriterien preisgibt. Vollzeitfahrer würden dadurch in manchen Schichten nach Abzug der Kosten weit unter dem Mindestlohn liegen.

Amsterdam könnte zum Schauplatz werden

Sollte Uber die Forderungen nicht erfüllen, will WIE International eine Sammelklage beim Bezirksgericht Amsterdam einreichen. Grundlage wäre das niederländische Gesetz über kollektiven Rechtsschutz. Fahrer aus Großbritannien, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern könnten sich anschließen. WIE International prüft derzeit die Vergütungssysteme in weiteren Staaten, sodass der Fall ausgeweitet werden könnte.

Die Vorwürfe sind deutlich: Das Unternehmen nutze personenbezogene Daten und Profiling, um Algorithmen zu trainieren, ohne die Zustimmung der Fahrer einzuholen. Zudem seien zwischen August 2021 und November 2023 Fahrerdaten rechtswidrig in die USA übertragen worden. Damit seien sie potenziell dem Zugriff amerikanischer Behörden ausgesetzt gewesen.

James Farrar, Direktor von Worker Info Exchange, kritisiert die Praxis scharf. Uber habe künstliche Intelligenz eingesetzt, „um invasive Systeme zur Festlegung der Vergütung einzuführen“, die den Lebensunterhalt vieler Fahrer beeinträchtigt hätten. Die Klage solle nicht nur finanzielle Einbußen ausgleichen, sondern zu transparenten Arbeitsbedingungen beitragen.

Kostenrisiko abgefedert

WIE International organisiert gemeinsam mit Gewerkschaften die Teilnahme an der möglichen Sammelklage. Finanziert würde das Verfahren durch Innsworth Capital, einen unabhängigen Prozessfinanzierer. Für die Fahrer ist damit ausgeschlossen, dass Kosten entstehen, bevor ein Gericht eine Entschädigung zuspricht.

Wer hinter der Initiative steht

WIE International ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in den Niederlanden. Sie setzt sich für einen verantwortlichen Umgang mit Daten und künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz ein und vertritt Beschäftigte verschiedener Plattformen in Fragen des Datenschutzes.

Ob Uber die Forderungen erfüllt oder die Auseinandersetzung vor Gericht landet, ist offen. Sicher ist lediglich, dass der Streit um algorithmische Kontrolle und faire Bezahlung im Plattformsektor eine neue Dimension erreicht.

 

 

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