German Car of the Year Fahrbericht VW ID.3 – Endlich angekommen!

Der erste ID.3. Er wollte unbedingt anders sein. Futuristisch. Digital. Revolutionär. Heraus kam ein Auto, das oft wirkte wie ein Beta-Test mit Nummernschild. Jetzt kommt der Neo – und der ID.3 ist bei sich angekommen.

Gratulation mit Blümchen: Der ID.3 neo ist enlich ganz bei sich selbst angekommen. Die Front jetzt im ID. Polo-Style. Und: Made in Zwickau!!! | Foto: G. Soller
Gratulation mit Blümchen: Der ID.3 neo ist enlich ganz bei sich selbst angekommen. Die Front jetzt im ID. Polo-Style. Und: Made in Zwickau!!! | Foto: G. Soller
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Das Hotel Villa Alsfeld befindet sich im Herzen von Deutschland. Dort fand wieder „GTEST“ statt respektive die Fahrtests für den „German Car of the year“, kurz GCOTY. Und diese Villa nehmen wir jetzt mal als Bild für VW und das was die Marke darstellt: Geerdet, aber immer ein bisschen solider und wärmer als die Marktbegleiter der Mittelklasse. Dazu kamen solide Basiswerte: Gute Bedien- und Reparierbarkeit, Solidität und ja, immer auch ein bisschen „Gemütlichkeit“. Mit all dem brach der ID.3 ziemlich konsequent. Er ließ sich mäßig bedienen, hatte zahlreiche Software-Bugs und den Charme eines Roller-Möbelmarktes.

Mit dem Neom ist all das Geschichte: Optisch nahm ihm Chefdesigner Minst das playmobilhafte: Die Front wirkt cleaner, breiter und deutlich erwachsener. Das schwarze Plastik-Experiment ist Geschichte, die Lichtsignatur schärfer, die Linien ruhiger. Und der „Schwarzanteil“ wurde reduziert, das sorgt für Solidität und Vertrauen.

Wir öffnen die Tür und obwohl wir ja schon aus Hamburg wussten, was uns erwartet, sind wir wieder überrascht: Über die Wärme, die uns empfängt: Einladende Stoffe, physische Tasten inklusive vierer Fensterheberschalter, die ganze Materialqualität ist sichtbar besser und das ganze Cockpit wirkt nicht mehr wie die Lobby eines mittelpreisigen Coworking-Spaces. Selbst die Bedienung funktioniert endlich intuitiv. Ein erstaunlich unterschätzter Fortschritt.

Und dann fahren wir los und freuen uns einmal mehr über das immer schon gelungene Fahrwerk und den knackigen Heckantrieb. Kein nervöses Zerren der Vorderhufe, minimaler Wendekreis, da musste VW nicht viel tun. Und auch wenn wir die Anzeigen nicht auf „retro“ stellen, kommen Erinnerungen hoch an „gute alte zeiten“, als der Tester auf der Rückbank diverser Gölfe und Passate saß, gern in plüschig-warmer GL- oder grobgemusterter C-Ausstattung. Die Stoffe im ID.3 bringen beides zusammen: Robuste Verlässlichkeit und Eleganz. Es ist einfach so „volkswagig“ wie er es immer hätte sein sollen. Aber manchmal muss sich Fortschritt mit der Brechstange die Bahn brechen…

Das Topmodell (bis der GTI kommt) bringt aktuell auf 170 kW beziehungsweise 231 PS. Klingt erstmal nach typischem Elektroauto-Überfluss, fühlt sich auf der Straße aber erstaunlich präzise dosiert an. Und trotzdem ist immer genug Punch da, auch mal kleine Lücken zu nutzen. Aber auch das immer souverän, nie nervös.

Und die 79-kWh-Batterie macht ihn  langstreckentauglich. VW verspricht bis zu 629 beziehungsweise 630 Kilometer WLTP-Reichweite – und selbst wenn man auf der Autobahn realistischer denkt, bleibt genug Reserve übrig, um entspannt quer durch quer Deutschland zu fahren. Wir schafften locker 15 kWh/100 plus-minus x, womit immer noch gut 500 Kilometer übrig blieben.

Noch wichtiger: Das Laden klappt endlich auf Premium-Niveau. Mit bis zu 183 kW DC-Ladeleistung zieht der ID.3 Neo an Schnellladern genug Energie für den nächsten Autobahnabschnitt in einer Kaffeepause nach. 10 auf 80 Prozent dauern laut VW im Idealfall 26 bis 29 Minuten. Und wir wissen von VW-Mitarbeitern, dass man da immer eher den „Worst Case“ der Idealbedingung angibt. Das ist genau die Art von Alltagstauglichkeit, die Elektroautos brauchen. Nicht Marketing. Sondern Stressfreiheit.

VW hat den ID.3 Neo wieder zum „Volkswagen“ im besten Sinne gemacht. Mit Optimierungen bei Aerodynamik, Antrieb, Thermomanagement, intelligenterer Software und mehr: Gemütlich- und Wertigkeit. Das Ergebnis ist kein spektakulärer Tech-Zirkus. Sondern ein Auto, das einfach funktioniert und wieder ein „Volkswagen“ im besten ursprünglichen Sinne ist.

 

Technische Daten VW ID.3 Neo Style

Leistung: 170 kW / 231 PS, Heckantrieb

Batterie: 79 kWh netto

max. Drehmoment: 350 Nm

0–100 km/h: 7,1 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h

WLTP-Reichweite: 574 - 627 km

DC-Ladeleistung: bis zu 183 kW

AC-Ladeleistung: 11 kW

Ladezeit 10–80 %: ca. 26–29 Minuten

Bidirektionales Laden (V2L): verfügbar

Infotainment: 12,9-Zoll-Display

Cockpit: 10,2-Zoll-ID-Cockpit

Abmessungen L x B x H: 4.265 x 2.070 x 1.561 mm

Radstand: 2.769 mm

Kofferraumvolumen: 383 – 1.366 l

Leergewicht: 1.966 kg

Quelle: Eigene Testfahrten im Raum Alsfeld

 

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