Markt im Wandel – Verbrenner im Minus, BEV im Plus

Der Automarkt in Deutschland hat zur Jahresmitte eine gemischte Bilanz gezogen: Während der Gebrauchtwagenmarkt mit 3,3 Millionen Einheiten stabil blieb, verzeichneten die Neuzulassungen ein spürbares Minus – minus 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber: die E-Mobilität legt zaghaft zu.

Das Kraftfahrt Bundesamt zählt die Hybrid-Fahrzeuge zu den E-Autos - so erscheint der Anteil an Stromern in der Statistik erst einmal sehr hoch.| Foto: DAT
Das Kraftfahrt Bundesamt zählt die Hybrid-Fahrzeuge zu den E-Autos - so erscheint der Anteil an Stromern in der Statistik erst einmal sehr hoch.| Foto: DAT

Die große Wende bleibt aus, die Zeichen des Wandels sind dennoch deutlich. Der Im Juni lagen nahezu alle Fahrzeugkategorien zweistellig im Rückstand, die Lkw-Zulassungen etwa sanken um ein Drittel. Ein Dämpfer für eine Branche, die ohnehin in der Umbruchphase steckt. Doch hinter den nüchternen Zahlen verbirgt sich eine Entwicklung, die sich zunehmend als das „neue Normal“ des Marktes herauskristallisiert – getragen von vorsichtiger Nachfrage, wachsender E-Mobilität und einer realistischeren Sicht auf den Mix der Antriebstechnologien.

Elektromobilität - immer noch eher gewerblich

Besonders auffällig ist die Stabilisierung im Verhältnis von privaten zu gewerblichen Zulassungen von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV). Während die privaten Kunden sich 2024 stark zurückhielten, zeigen die ersten sechs Monate des laufenden Jahres eine leichte Erholung: Rund 82.000 privat neu zugelassene BEV stehen über 103.000 Besitzumschreibungen gegenüber. Der Gebrauchtmarkt bleibt also attraktiv, doch der Neuwagenbereich holt langsam auf.

Gewerblich zugelassene BEV machen weiterhin rund zwei Drittel der Neuzulassungen aus – ein Verhältnis, das sich seit Jahresbeginn gefestigt hat. Der Plug-in-Hybrid (PHEV) bleibt vor allem wegen steuerlicher Vorteile ein Favorit im Firmenfuhrpark, auch wenn die Zahl reiner E-Autos inzwischen im Monatsdurchschnitt doppelt so hoch liegt.

Ein realistischer Blick auf den Verbrenner

Die offizielle Statistik der Antriebsarten des Kraftfahrt-Bundesamtes rechnet Mildhybride zu den elektrifizierten Fahrzeugen – ein Detail, das die Marktbetrachtung verzerrt. Korrekt zugeordnet, zeigt sich ein anderes Bild: Benziner bleiben mit 46 Prozent Marktanteil klar führend, Diesel liegen bei 21 Prozent. Die Gruppe der „alternativen Antriebe“ – BEV, PHEV, Gas, Wasserstoff – kommt auf 33 Prozent, wobei BEV mit 18 Prozent den größten Anteil stellen.

Diese nüchterne Betrachtung entzaubert zwar manche Erwartung, spiegelt aber eher die tatsächlichen Verhältnisse wider – und hilft, die Debatte über den Antrieb der Zukunft geerdet zu führen.

Restwertprobleme bei E-Autos bleiben

Ein Thema, das Hersteller wie Händler gleichermaßen beschäftigt, bleibt der Wiederverkaufswert von Elektrofahrzeugen. Während dreijährige Benziner derzeit noch rund 64 Prozent ihres Neupreises erzielen, liegen vergleichbare BEV nur bei etwa 50 Prozent – trotz höherem Listenpreis zum Zeitpunkt der Erstzulassung. Auch Diesel schneiden mit rund 62 Prozent besser ab. Zwar sinken die Restwerte bei allen Antrieben leicht, doch der Abstand bleibt deutlich und stellt insbesondere private Käufer vor eine Abwägung.

Die Zahlen des ersten Halbjahres lassen sich auf zweierlei Weise lesen: als Ausdruck einer konjunkturellen Schwäche – oder als langsame Stabilisierung in einem Markt, der sich neu sortieren muss. Die Zeiten staatlicher Kaufanreize sind vorbei, die Technologieentscheidung liegt zunehmend beim Kunden. Der Markt verändert sich. Nicht mit großen Sprüngen, aber in einer Richtung, die sich als nachhaltiger herausstellen könnte.

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