Gebrauchte E-Autos: Ayvens ermittelt 95,5 Prozent Batteriegesundheit nach 55.000 Kilometern
Wie steht es um die Batterie eines Elektroautos nach mehreren Jahren im Leasingeinsatz? Eine Auswertung des Leasinganbieters Ayvens liefert dazu Daten aus dem deutschen Gebrauchtwagengeschäft. Seit 2025 hat das Unternehmen knapp 7.300 Elektro-Leasingrückläufer vor deren Verkauf an Privatkunden und Gebrauchtwagenhändler auf ihren Batteriezustand untersucht.
Das Ergebnis: Der durchschnittliche State of Health (SoH) der Antriebsbatterien beträgt 95,5 Prozent bei einer durchschnittlichen Laufleistung von rund 55.000 Kilometern. Damit liegt die verbleibende Batteriekapazität der untersuchten Fahrzeuge im Mittel 4,5 Prozentpunkte unter dem Neuzustand.
Nach Angaben von Ayvens bestätigen die Ergebnisse die Befürchtung eines deutlichen Kapazitätsverlusts nach den ersten Nutzungsjahren bei den untersuchten Leasingrückläufern nicht. Geschäftsführer Martin Kössler sieht darin ein Argument für die weitere Vermarktung gebrauchter Elektrofahrzeuge.
SoH-Zertifikat dokumentiert den Batteriezustand
Um den Zustand der Antriebsbatterien für Käufer nachvollziehbar zu machen, stattet Ayvens sämtliche zum Verkauf stehenden gebrauchten Elektroautos mit einem Batteriegesundheitszertifikat von AVILOO aus.
Das Zertifikat dokumentiert den State of Health und gibt die verbleibende Batteriekapazität im Vergleich zum Neuzustand in Prozent an.
Für den Gebrauchtwagenhandel ist diese Information relevant, da die Batterie zu den wesentlichen wertbestimmenden Komponenten eines Elektrofahrzeugs gehört. Ihr Zustand beeinflusst die Fahrzeugbewertung und kann sich auf den erzielbaren Wiederverkaufspreis auswirken.
Ein dokumentierter SoH-Wert ermöglicht es Händlern und Kaufinteressenten, den Batteriezustand bei der Bewertung eines Fahrzeugs zu berücksichtigen.
Ladeinfrastruktur, Wartungskosten und THG-Quote
Neben dem Batteriezustand nennt Ayvens weitere Faktoren, die für die Vermarktung gebrauchter Elektrofahrzeuge relevant sind. Dazu gehört der fortschreitende Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Auch die im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor geringeren Wartungskosten spielen nach Angaben des Unternehmens eine Rolle.
Hinzu kommt die Treibhausgasminderungsquote, kurz THG-Quote. Von deren Vermarktung können nicht nur Halter neuer, sondern auch Halter gebrauchter rein batterieelektrischer Fahrzeuge profitieren. Die möglichen Erlöse sind damit ein weiterer wirtschaftlicher Faktor bei der Nutzung eines gebrauchten Elektroautos.
Polestar 2 erstmals unter den drei meistverkauften Modellen
Auch in der Gebrauchtwagenstatistik von Ayvens sind batterieelektrische Fahrzeuge vertreten. Mit dem Polestar 2 erreicht 2026 erstmals ein reines Elektroauto einen Platz unter den drei meistverkauften Gebrauchtwagenmodellen des Unternehmens.
Der Polestar 2 belegt mit einem Anteil von neun Prozent Rang drei. Ein zweites batterieelektrisches Modell folgt mit dem Hyundai KONA EV auf Platz neun und einem Anteil von sechs Prozent.
An der Spitze stehen weiterhin Modelle mit Verbrennungs- beziehungsweise Plug-in-Hybridantrieb. Der Ford Kuga Plug-in-Hybrid führt die Rangliste mit 23 Prozent an, gefolgt vom Ford Focus mit 16 Prozent.
Mit dem Kia XCeed Plug-in-Hybrid auf Rang fünf ist ein weiteres extern aufladbares Hybridfahrzeug vertreten. Insgesamt befinden sich damit vier Modelle mit extern aufladbarem Antrieb unter den zehn meistverkauften Gebrauchtwagen bei Ayvens, darunter zwei reine Elektroautos und zwei Plug-in-Hybride.
Die Top 10 Gebrauchtwagen 2026
1. Ford Kuga Plug-in-Hybrid (23 %)
2. Ford Focus (16 %)
3. Polestar 2 (9 %)
4. Kia Ceed (9 %)
5. Kia XCeed Plug-in-Hybrid (8 %)
6. Mercedes-Benz C-Klasse (7 %)
7. Kia Sportage (7 %)
8. Ford Transit Custom (7 %)
9. Hyundai KONA EV (6 %)
10. Volkswagen Passat (6 %)
Was bedeutet das?
Die Auswertung von Ayvens liefert einen konkreten Anhaltspunkt dafür, dass die Batterien gebrauchter Elektroautos nach rund 55.000 Kilometern noch einen hohen Anteil ihrer ursprünglichen Kapazität aufweisen können. Für den Gebrauchtwagenhandel ist das relevant: Die Batterie gehört zu den wesentlichen Unsicherheitsfaktoren bei der Bewertung gebrauchter Elektrofahrzeuge. Ein dokumentierter Gesundheitszustand kann diese Unsicherheit reduzieren.
Allerdings lässt sich aus dem Durchschnittswert von 95,5 Prozent keine allgemeingültige Aussage über die Lebensdauer von Elektroauto-Batterien ableiten. Die Pressemeldung enthält weder Angaben zur Altersstruktur der Fahrzeuge noch zur Verteilung der SoH-Werte, zu den einzelnen Modellen oder zu deren Lade- und Nutzungsprofilen. Auch bleibt offen, wie sich der Batteriezustand bei deutlich höheren Laufleistungen entwickelt. Die Untersuchung beschreibt somit einen bestimmten Ausschnitt des Gebrauchtwagenbestands von Ayvens, nicht die gesamte Elektrofahrzeugflotte in Deutschland.
Ähnlich differenziert ist die Verkaufsstatistik zu betrachten. Der dritte Platz des Polestar 2 zeigt, dass batterieelektrische Fahrzeuge innerhalb des Ayvens-Angebots relevante Verkaufsanteile erreichen. Ein belastbarer Nachweis für eine allgemein steigende Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos ergibt sich daraus allein jedoch nicht. Dafür fehlen insbesondere Vorjahresvergleiche, absolute Verkaufszahlen und Angaben zur Zusammensetzung des angebotenen Fahrzeugbestands.
Für den Handel liegt die praktische Konsequenz deshalb weniger in einer pauschalen Entwarnung bei der Batteriealterung als in der Bedeutung nachvollziehbarer Zustandsprüfungen. Ein SoH-Zertifikat schafft eine zusätzliche Bewertungsgrundlage, ersetzt aber weder die Prüfung des Gesamtfahrzeugs noch eine marktgerechte Preisgestaltung.
Die Zahlen sprechen für eine weiterhin nutzbare Batteriekapazität der untersuchten Leasingrückläufer. Ob daraus höhere Restwerte, kürzere Standzeiten oder eine dauerhaft stärkere Nachfrage entstehen, lässt sich anhand der veröffentlichten Daten nicht beurteilen.
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