Mercedes-Benz stellt Concept EQT vor

Mit dem Concept EQT zeigten die Schwaben, wie sie das Thema Cityvan auf Basis des neuen Renault Kangoo weiterentwickeln.

Tatsächlich ziert das Glasdach des Concept EQT ein aufgedruckter "Sternenhimmel". | Foto: Mercedes-Benz
Tatsächlich ziert das Glasdach des Concept EQT ein aufgedruckter "Sternenhimmel". | Foto: Mercedes-Benz
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Das Thema Cityvan ist noch vergleichsweise jung bei Mercedes-Benz: Einst noch locker liiert mit der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz, griff man kurzerhand zum Kangoo, um daraus den Citan zu stricken. Der innen mit seiner schwarzen Hartplastikwüste schlimmer aussah als das Original und dessen Rundlichkeit wegen gleichem Rohbau nie ablegen konnte.

Jetzt wird alles anders: Im Bereich der Cityvans blieb Daimler dem einstigen Sparringspartner treu, stieg aber schon früher und nachdrücklicher in die Entwicklung mit ein. Was Renault nicht ungern nutzte, um den Kangoo kantiger und edler zu machen. Und nachdem man sich die Produktionsanlagen und Motorisierungen wieder teilen wird, wobei die Federführung ganz klar wieder in Frankreich liegt, kann man das Concept EQT schon ganz gut interpretieren. Denn ähnlich wie bei Vito und V-Klasse wird Daimler auch hier Personenbeförderung und Handwerk stärker trennen – den Neuen also auch als T-Klasse führen. Der elektrisch eben EQT heißen wird.

Die Langversion streckt sich auf fast fünf Meter

Bis auf EQS und EQE teilt er sich aber ein Problem mit allen weiteren Elektro-Mercedes: Auch er baut auf keiner reinen E-Plattform auf, da er auch mit Verbrennern angeboten werden wird. Das heißt: Es gibt dezente Einschränkungen bei der Raumausnutzung und beim Gewicht. Das merkt man in dieser Klasse aber nicht so, da Daimler vorsichtshalber gleich mal die Langversion des EQT zum „Concept“ verwandelt hat und die misst 4.945 mal 1.863 mal 1.826 Millimeter. In deren zweiter Reihe gibt es massig Platz und auch in Reihe drei finden zur Not noch Zwei-Meter-Hünen Platz.

Außen ist der EQT dieses Mal ein klarer Daimler, was sich auch innen nahtlos fortsetzt, selbst wenn man sich das weiße Leder und das Glasdach wegdenkt: Hier folgt das Concept EQT klar dem edlen Mercedes-Benz-Style der übrigen Pkw und tatsächlich schafft das Design-Team um Gordon Wagener auch hier den Unterschied, den EQT merklich über Caddy, Kangoo und Co. anzusiedeln. „Renault“ ist nur die Dachgalerie und der untere Teil der Mittelkonsole zwischen den Sitzen.

Der EQT respektive die T-Klasse wird der preiswerteste Mercedes-Benz-Pkw werden. Wie edel das in Serie (fast) aussehen kann, zeigt das Concept EQT, dass man in der Tat „auf Anhieb als Mitglied der Mercedes-EQ Familie“ erkennt. Wobei das Designteam bei der Studie noch eine Schippe draufgepackt hat, in Form einer „Black-Panel-Front mit LED-Frontscheinwerfern“ die „nahtlos aus der Motorhaube“ fließt und mit einem Sternenpattern „erstrahlt“. Ähnlich wie DS ein Logo entdeckt jetzt auch Renault die Raute als Muster und Mercedes-Benz den Stern als Gestaltungsmuster: „Sterne mit 3D-Effekt ziehen sich in unterschiedlicher Größe von der Front über die 21 Zoll großen, glanzgedrehten Leichtmetallräder und das Panoramadach bis zum E-Longboard im Heck“ heißt es da schwülstig im Pressetext. Hinzu kommt ein Leuchtband, das die LED-Scheinwerfer sowie die LED-Heckleuchten miteinander verbindet. Am Heck wird das leider eher nicht Serie.

 

Außen und innen fügt sich der EQT in die Mercedes-Familie ein

 

Tatsächlich ist das aber ganz gut gelungen: Das Concept EQT lässt vermuten, dass die einfachste T-Klasse optisch gelungener sein dürfte als der teuerste aktuelle Citan. Innen bezog man die Sitze mit weißem Nappaleder, dazu kommen die Applikationen aus geflochtenem Leder am Sitzspiegel, die aus eingearbeitetem recyceltem Leder bestehen. Schick ist wirklich auch die Instrumententafel mit einem Oberteil, das als Flügelprofil geformt ist. Einfach nur praktisch: Oberhalb des Kombiinstruments befindet sich ein praktisches, halbgeschlossenes Ablagefach für den schnellen Zugriff auf wichtige Utensilien oder Dokumente. Zusätzlich unterstreichen runde Lüftungsdüsen in Hochglanzschwarz, galvanisierte Zierteile und das Multifunktionslenkrad mit Touch Control Buttons die hochwertige und moderne Anmutung. Für stilvolle Atmosphäre sorgt zudem das Ambientelicht an Mittelkonsole, Türen und im Fußraum. Auch davon wird viel in die Serie gehen, ebenso wie die an einem Stück umlegbare Rücksitzbank. Einzelne Stühlchen umständlich aus- und einbauen wie im EQV, das mögen die Kunden eh nicht so gern…

Ein Riesenvorteil gegenüber Renault wird das Infotainmentsystem MBUX sein. Das System lässt sich komfortabel über das freistehende Zentraldisplay mit Touchfunktion, die Touch Control Buttons am Lenkrad und optional über den Sprachassistenten „Hey Mercedes“ bedienen. Auch hier setzt Mercedes-Benz auf Lernfähigkeit dank künstlicher Intelligenz.

Und natürlich findet sich im hochauflösenden Display des Infotainmentsystems im Hauptmenü eine EQ Kachel als zentraler Zugriffspunkt zu den spezifischen Anzeigen und Einstellungen. Dazu gehören unter anderem Ladestrom, Abfahrtzeit, Energiefluss und Verbrauchshistogramm. Darüber hinaus lassen sich über das Media-Display auch die Navigation und Fahrprogramme bedienen. In Verbindung mit Mercedes me connect werden auch EV-spezifische Navigationsdienste und -Funktionen angeboten werden wie beispielsweise die Anzeige von Ladestationen, die elektrische Reichweite und optimierte Routenplanung unter Berücksichtigung des Ladestands, Wetter oder die Verkehrssituation.

Was in er Praxis durchaus in die Hose gehen kann: bei der Anfahrt zum EQT mit dem EQV hatte der einprogrammiert, dass der Fahrer immer 50 Prozent Restladestand am Ziel haben soll und dass er im Idealfall immer schnell per DC laden möchte. Schade, dass man sich erstmal mit den Tiefen des Menüs beschäftigen muss, um das wieder rausprogrammiert zu bekommen – auch drei daimler-affine Kollegen am Telefon hatten so ganz spontan erstmal keine Idee. Lässt man diese Programmierung, führt einen der EQT auch drei Kilometer vor dem Ziel noch weit weg in ein entferntes Industriegebiet: Während der EQT in Mannheim wartete, bestand der EQV mit einem ortsunkundigen und am Ende massiv entnervten Fahrer im Viernheimer Industriegebiet auf einer Schnellladung bis zu 50 Prozent Akkustand. MBUX kann also auch herrlich Probleme machen, wo eigentlich gar keine wären…

Ich seh´ den Sternenhimmel….

Viel praktischer sind die auf beiden Seiten besonders weit öffnenden Schiebetüren, damit die beiden vollwertigen Einzelsitze in der dritten Reihe einigermaßen bequem zu erreichen sind. Ebenfalls schlau: In der zweiten Sitzreihe lassen sich drei Kindersitze nebeneinander montieren. Ein Panoramadach mit hier aufgelasertem Sternenhimmel sorgt für einen lichtdurchfluteten Innenraum. Ein Trick ist hier übrigens dessen Flaschenform, die von vorne nach hinten schmaler wird – so entsteht zudem optische Länge. Das steile Heck mit komfortabler, aufrechter Heckklappe und Fenster ermöglicht einen besonders geräumigen Laderaum. Wer mehr Platz braucht, kann die Sitze in der dritten Reihe umklappen oder entfernen. So finden Kinderwagen, Hundetransportbox und anderes Freizeitequipment ausreichend Platz.

Die neue T-Klasse, die 2022 auf den Markt kommen wird, ergänzt das Portfolio im Segment der Small Vans neben dem gewerblich positionierten Citan, der in diesem Jahr inklusive einer vollelektrischen Variante seine Premiere feiern wird. Die vollelektrische Version für Privatkunden folgt im Laufe des Jahres 2022. Nicht übernehmen wird man von Renault die bei den Lieferwagen doppelt so breit wie bisher ausfallende seitliche Ladeöffnung ohne konventionelle B-Säule, die das Beladen sehr einfach machen soll.

Antrieb und Akkukapazität? Eher bescheiden

Aber sonst dürfen wir schon mal ein bisschen nach Frankreich schielen: Als Motorisierungen für den neuen Kangoo Rapid stehen zum Marktstart drei Turbodiesel- und zwei Turbobenzinaggregate zur Wahl, die Mercedes-Benz übernehmen dürfte respektive mitentwickelt hat. Für den Kangoo Rapid E-Tech Electric stellen die Franzosen einen eher dezenten 75 kW (102 PS) starken Elektromotor in Aussicht, der seine Energie aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit 44 kWh Kapazität bezieht. Je nach Voraussetzungen soll damit eine Reichweite von rund 265 Kilometern möglich sein – eher knapp vor allem im Vergleich zum EQV, der locker echte 300 Kilometer bietet.

Aber auch beim EQC definiert Daimler „Reichweite“ ja eher als „Reichnähe“. Große Touren von 150 Kilometern ohne Laden sind damit leider eher nicht drin. Der Fahrer soll zwischen sechs Fahrprogrammen wählen können, darunter ein Eco-Modus zur Reichweitenoptimierung, der die Leistungsabgabe des Elektromotors auf 55 kW (75 PS) beschränkt. Was für einen fast fünf Meter-Kasten mit hohem Leergewicht eher dem Leistungsniveau eines Düsseldorfer Transporters aus den frühen 1970er-Jahren entspräche. Dafür kann per Gleichstrom mit bis zu 75 kW nahgeladen werden, womit binnen 40 Minuten wieder 80 Prozent Akkustand erreicht sein sollen. An einer Wechselstrom-Station mit 22 kW Ladeleistung soll das Akkupaket in zwei Stunden komplett voll sein. Mit 11 kW dauert es viereinhalb Stunden, mit 7,4 kW laut Renault rund sieben Stunden.

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