Drei Landesverbände peilen neuen Taxi-Bundesverband an

Drei Taxi-Verbände, die zum Jahreswechsel aus dem Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. austreten, wollen noch vor Weihnachten einen eigenen Bundesverband gründen.

Thomas Kroker (v.l.), Michael Müller und Christian Linz (hier am 2. Oktober mit dessen Kompagnon Sinan Ünlühan in Nürnberg) sind mit den Kollegen vom Nordrhein übereingekommen, einen neuen Taxi-Bundesverband zu gründen. (Foto: Dietmar Fund)
Thomas Kroker (v.l.), Michael Müller und Christian Linz (hier am 2. Oktober mit dessen Kompagnon Sinan Ünlühan in Nürnberg) sind mit den Kollegen vom Nordrhein übereingekommen, einen neuen Taxi-Bundesverband zu gründen. (Foto: Dietmar Fund)
Dietmar Fund

Große Aufregung und zum Teil sogar persönliche Empörung hat ein Protokoll einer Besprechung ausgelöst, zu der sich am 24./25. November 2020 in Nürnberg Vertreter der aus dem Bundesverband austretenden Landesverbände aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen getroffen haben. Darin heißt es, die drei Verbände seien sich darin einig, dass eine neue „Vertretung auf Bundesebene“ benötigt werde. Ein Organisationmodell und einen Satzungsentwurf hat demnach der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen e.V. (GVN) vorgestellt. Vorsitzender seiner Fachvereinigung Taxi und Mietwagen ist Michael Müller, der zurückgetretene bisherige Präsident des Bundesverbandes Taxi und Mietwagen e.V.

Als „Arbeitstitel“ für den neuen Verband haben die drei Abtrünnigen die Bezeichnung „Taxi- und Mietwagenverband Deutschland e.V.“ und das Kürzel TMD gewählt. Die drei Gründungsmitglieder wollen je 25.000 Euro Startkapital als Einlage einbringen. Der neue Verband soll seinen Sitz ebenfalls in der Bundeshauptstadt Berlin haben.

Laut dem Protokoll hat Michael Müller seine Bereitschaft erklärt, für eine Legislaturperiode die ehrenamtliche Präsidentschaft zu übernehmen. Thomas Kroker als Geschäftsführer des Landesverbandes Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen sowie Markus Gossmann, der designierte Geschäftsführer der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein Taxi-Mietwagen e.V., könnten sich auch vorstellen, eine Funktion im Gründungs-Präsidium zu übernehmen.

Am 21. Dezember 2020 soll die Gründungssitzung stattfinden. Der neue Verband möchte nach außen kommunizieren, dass im Bundesverband Taxi und Mietwagen die Stimmen nicht gleichmäßig nach dem Prinzip „Ein Mann, eine Stimme“ gewichtet werden und dass er zentralen- und taxilastig ist. Damit vernachlässige er die Interessen der Mietwagenunternehmer sowie der Unternehmer, die freigestellte Schüler- und Behindertenverkehre durchführten, sagte Gunther Zimmermann auf Anfrage von taxi heute. Der scheidende Geschäftsführer der Fachvereinigung der Niedersachsen ist gerade dabei, seine Amtsgeschäfte an seine Nachfolgerin Emma-Marie Berndt zu übergeben. An dem Treffen im November hat er noch teilgenommen.

Emma-Marie Berndt hat das Ergebnisprotokoll unterzeichnet, das am 5. Dezember 2020 taxi heute per E-Mail zugespielt wurde. Seine Betreffzeile deutet an, dass die beabsichtigte Neugründung als Verrat Michael Müllers am Bundesverband Taxi und Mietwagen angesehen wird. Ihm wird angekreidet, dass er während noch laufender Gespräche innerhalb des Bundesverbandes Taxi und Mietwagen bereits die Gründung eines neuen Verbands vorbereitet habe.

Das Protokoll muss breit gestreut worden sein, denn am 8. Dezember traf es ein zweites Mal ein, dieses Mal abgeschickt von einem Bundesverband, der sich als Vertreter der Mietwagenunternehmer positioniert. Laut Jens Schmiljun, der bei Taxi Berlin für den Vertrieb und das Marketing verantwortlich ist, wurde das Protokoll auch vom Bundesverband Taxi und Mietwagen versandt.

Gunther Zimmermann sagte auf Anfrage von taxi heute, die Verbände würden die Veröffentlichung des Protokolls und seine Inhalte nicht kommentieren. Es werde nach der Gründungssitzung am 21. Dezember eine Stellungnahme geben. Die undichte Stelle sei ihnen bekannt.

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