Brief des TMV an den Verkehrsminister: Die „Kleine Fachkunde“ - ein bürokratisches Phantom

Es war einmal eine Reform mit Ansage. Vor vier Jahren trat die Novelle des Personenbeförderungsgesetzes in Kraft – und mit ihr verschwand die klassische Ortskundeprüfung für Mietwagenfahrer. Dafür sollte eine neue Hürde geschaffen werden: die sogenannte „Kleine Fachkunde“.

Patrick Meinhardt vom TMV (li:) traf Verkehrsminister Patrick Schnieder.| Foto: TMV
Patrick Meinhardt vom TMV (li:) traf Verkehrsminister Patrick Schnieder.| Foto: TMV

Ein niederschwelliges Prüfverfahren, das Fahrer auf ihre grundlegenden Kenntnisse über rechtliche Vorschriften, Sicherheit und Kundenkommunikation vorbereiten sollte. Nach Ansicht des Taxi- und Mietwagenverbandes (TMV) ist davon wenig geblieben. Die Prüfung sei bis heute nicht eingeführt worden. Auch das Konzept sei nicht umgesetzt und die Kommunikation zum Thema sei praktisch zum Erliegen gekommen. Was einmal als Qualitätssicherung gedacht war, sei nach Ansicht des Verbandes inzwischen zum Symbol einer verkorksten Umsetzungspolitik geworden.

Ein offener Brief des TMV bringt die Frustration nun auf den Punkt. Adressat ist der neue Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Die Kritik ist deutlich, der Ton ungewöhnlich direkt. Dabei geht es um ein Thema, das laut TMV viele Taxiunternehmer im Alltag längst selbst gelöst hätten: Die "Taxifahrer-Prüfung".

Vier Jahre "Warteschleife"

Statt einer bundeseinheitlichen Qualifizierung hätten sich viele Unternehmen in Eigenregie um die Ausbildung ihrer Fahrer gekümmert – ob durch die Taxizentralen in den Städten oder durch erfahrene Unternehmer auf dem Land. Die Vorstellung, nun nach Jahren der Eigeninitiative mit einer neuen, kostenpflichtigen Prüfung konfrontiert zu werden, die wichtige Aspekte wie Kundenorientierung gar nicht berücksichtige, wirkt aus Sicht des Verbandes nicht nur weltfremd, sondern auch respektlos.

„Praxisfern, bürokratisch, überholt“, heißt es in dem Schreiben des Hauptgeschäftsführers des TMV, Patrick Meinhardt. Dabei moniert der Taxiverband nicht nur das Verfahren an sich, sondern vor allem die Art, wie es zustande kommen soll: ohne Rückkopplung, ohne Transparenz – und ohne Blick auf die Realität in den Betrieben.

Ein System im Leerlauf

Tatsächlich stellt der TMV die Frage, welche Funktion die „Kleine Fachkunde“ heute noch erfüllen kann. Das Ziel – ein Mindestmaß an Wissen im Sinne der Fahrgastsicherheit – sei im Grundsatz unstrittig. Doch wenn dieses Ziel in vier Jahren nicht einmal ansatzweise in eine funktionierende Prüfstruktur überführt wurde, verliere das Instrument seine Legitimation.

Dabei sei die ursprüngliche Idee einer digitalen Prüfung aus datenschutzrechtlichen Gründen verworfen. Ein Argument, das, so Patrick Meinhardt, vielen im Gewerbe nicht einleuchte – zu sehr erinnern sie sich an coronabedingte digitale Prüfungen an Hochschulen und Behörden, die genau solche Lösungen durchaus praktikabel umgesetzt haben.

Die Branche habe geliefert – die Politik nicht

Dass sich das Gewerbe in der Zwischenzeit selbst organisiert habe, sei laut Meinhardt keine Randnotiz. Es zeige, dass eine praxisnahe Lösung längst existiere – wenn auch ohne amtlichen Stempel. Der offene Brief des Hauptgeschäftsführers des TMV fordert nun eine realistische Neubewertung: Ob es wirklich sinnvoll sei, ein bürokratisches System einzuführen, das möglicherweise schlechter funktioniere als die Lösungen, die bereits heute vor Ort gelebt werden.

Ein Wunsch äußert Meinhardt zum Schluss: ein offener Austausch mit dem neuen Ministerium – nicht irgendwann, sondern bald.

Während sich die Politik im Kreislauf aus Entwürfen und Datenschutzbedenken verliert, tickt die Uhr in den Zentralen und Fuhrparks weiter. Dort, wo Fahrgäste einsteigen, Mitarbeiter geschult werden und das Gewerbe seinen Alltag bestreitet – wenn es nach dem TMV geht ohne „Kleiner Fachkunde“.

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