Bolt startet „Frauen für Frauen“ in Berlin – Sicherheitsversprechen statt klarer Taxi-Standards?
In großen deutschen Städten bekommen Frauen mehr Möglichkeiten, sich bei der Buchung einer Taxifahrt vorab für eine Fahrerin am Steuer zu entscheiden. Der Fahrdienstvermittler Bolt führt die Kategorie «Frauen für Frauen» jetzt neu in Berlin ein, weitere Städte sollen folgen, wie das Unternehmen mitteilte. "«Frauen für Frauen" ist ein Angebot, das Sicherheit und Komfort in den Mittelpunkt stellt", sagte Christoph Hahn, General Manager Bolt Deutschland.
Der Konkurrent Uber bietet solche Fahrten schon seit Mai in Berlin, Frankfurt und München an. Wie das Unternehmen mitteilte, gibt es das Angebot ab sofort auch in Köln und Düsseldorf. Die Resonanz in den drei Pilotstädten sei enorm gewesen.
"Nutzerinnen und Fahrerinnen haben uns bestätigt: Diese Option bringt echten Mehrwert", sagt Christoph Weigler, Deutschland-Chef von Uber.
Uber: Längere Wartezeiten bei Angebot für Frauen
Wer sich für die Option entscheidet, muss allerdings mit längeren Wartezeiten rechnen, auch wenn Uber in Berlin, Frankfurt und München seit Beginn des Angebots die Zahl der Fahrerinnen eigenen Angaben zufolge um zwei Drittel steigern konnte. Wie lang die Wartezeiten im Vergleich zu anderen Kunden genau sind, sagte eine Uber-Sprecherin nicht. Zu Beginn des Programms waren die Wartezeiten dem Unternehmen zufolge doppelt so lang wie die durchschnittliche Wartezeit aller Kunden in Berlin, München und Frankfurt.
Bolt fordert für Identifizierung Selfie und Foto des Ausweises
Um bei Bolt die neue Funktion nutzen zu können, müssen Kundinnen einmalig ihre Identität bestätigen. Dazu müssen in der App ein Bild eines Ausweisdokuments und ein Selfie hochgeladen werden. Bei Uber müssen die Kundinnen in ihrem Profil als Geschlecht weiblich angeben, die Prüfung läuft einer Sprecherin zufolge dann «automatisiert». Sie verwies zudem darauf, dass Fahrerinnen jederzeit die Mitnahme eines Fahrgastes verweigern können, wenn der nicht wie angekündigt eine Frau ist.
Aus der Sicht der Tax--Branche
Aus Sicht der Taxi-Branche wirkt das Angebot allerdings auch wie ein PR-Instrument, das ein strukturelles Problem elegant umgeht: Die Plattformen versprechen mehr Sicherheit, ohne sich den Pflichten zu stellen, die im Taxigewerbe seit Jahrzehnten gelten. Taxiunternehmen arbeiten mit konzessionierten Fahrzeugen, geprüften Fahrern, Ortskunde- und Zuverlässigkeitsanforderungen, klaren Tarifen und einer Beförderungspflicht, die gerade nachts und in Randlagen den Unterschied macht.
Wenn Vermittler nun mit einer „Frauen für Frauen“-Kategorie werben, stellen sich zwei Fragen: Warum ist ein solches Zusatzmerkmal überhaupt nötig – und warum wird es als Innovation verkauft, statt als Hinweis darauf, dass sich viele Kundinnen im Plattformbetrieb offenbar weniger geschützt fühlen? Zudem bleibt offen, wer die Verantwortung trägt, wenn die Identitätsprüfung scheitert oder Konflikte entstehen.
Möglicherweise wird hier ein Sicherheitsversprechen vermarktet, das im Alltag vor allem von knappen Kapazitäten, unklaren Standards und einem Geschäftsmodell abhängt, das Regulierung eher als Hindernis denn als Schutz versteht.
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