Xpeng G6: Ende der Ladepause

Effizient, geräumig, elektrisch – und unglaublich schnell an der Ladesäule. Ein findiger Kieler Händler und der Umrüst-Spezialist Intax präsentieren den Xpeng G6 als Taxi. Was kann der Tesla-Model-Y-Konkurrent?

China-Stromer im Model Y – Format. Das Xpeng G6 – Taxi ist momentan noch ein Einzelstück des Autohauses Süverkrüp. Bild: T. Kanzler
China-Stromer im Model Y – Format. Das Xpeng G6 – Taxi ist momentan noch ein Einzelstück des Autohauses Süverkrüp. Bild: T. Kanzler
Thomas Kanzler
Xpeng G6 Performance Taxi-Test

Xpeng ist erst seit knapp zwei Jahren auf dem deutschen Markt vertreten. Die Chinesen haben bereits Tausende Fahrzeuge ausgeliefert und sind dabei, das kleine Händlernetz zu erweitern. So haben sich mittlerweile auch einige Mercedes-Benz-Autohäuser die chinesische Marke ins Haus geholt. Genau wie Mercedes-Benz-Spezialist Timur Hofmann vom Autohaus Süderkrüp in Hamburg und Kiel. Aus der Hansestadt haben wir uns das E-SUV-Coupé zu Testzwecken nach München geholt. „Unser“ Xpeng ist tatsächlich nagelneu – gerade 500 Kilometer hat der Taxi-Stromer auf dem digitalen Tacho. Der kürzlich überarbeitete G6 ermöglicht so schnelles Laden, dass Ladestopps kaum länger dauern als das „normale“ Tanken.

Laden als zentrales Argument

Für das Taxigewerbe steht beim G6 weniger die Frage nach Leistung oder Design im Mittelpunkt, sondern die Ladegeschwindigkeit. Schon die erste Version galt als schnell, doch das Facelift legt noch einmal deutlich nach. Dank 800-Volt-Technik mit einer maximalen Ladeleistung von bis zu 451 kWh setzt das Modell einen neuen technischen Maßstab. Hier muss man einfach konstatieren: Während europäische Anbieter erst aufschließen, treiben Hersteller aus China die Schnellladetechnologie mit hohem Tempo voran.

In der Praxis relativiert sich dieser Vorsprung jedoch durch die Infrastruktur. Ladesäulen mit entsprechender Leistung sind selten. Dennoch zeigt sich im Alltag, dass der G6 auch an 300-kW-Stationen seine Stärken ausspielt. Die Ladeleistung wird schnell erreicht und über längere Zeit gehalten. Unter optimalen Bedingungen lässt sich der rund 81 kWh große Akku in etwa zwölf Minuten von zehn auf 80 Prozent laden. Standzeiten lassen sich reduzieren und Einsatzzeiten besser planen. Gleichzeitig sorgt eine softwaregesteuerte Temperaturregelung dafür, dass die Batterie geschont wird. Xpeng gewährt acht Jahre Garantie – ein Signal, das Vertrauen schafft.

Dimensionen und Alltagstauglichkeit

Xpeng widmet dem Innenraum viel Aufmerksamkeit. So lässt sich beispielsweise die Neigung der Rückenlehne verstellen, um mehr Komfort zu bieten. Auch die Sitzposition ist ausgezeichnet. Selbst Reisende, die über 1,90 Meter groß sind, haben hinten noch genügend Platz für die Knie und sehr viel Kopffreiheit. Die Füße passen ohne Probleme unter den Sitz und die Sitzposition ist relativ aufrecht. Das ist ein klares Plus für den G6, da viele Elektroautos aufgrund der im Fahrzeugboden positionierten Batterien die Sitzbank so positionieren, dass die Knie zu weit nach oben ragen.

Die Maße des Xpeng G6 orientieren sich ziemlich genau an denen des Tesla Model Y. Das chinesische SUV ist 4,75 Meter lang, 1,92 Meter breit und 1,65 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,89 Meter. Die Kofferraumkapazität ist mit 571 Litern konkurrenzfähig. Werden die Rücksitze umgelegt und das SUV bis zur Dachkante beladen, erhöht sich das Volumen auf 1.374 Liter. Die hintere Klappe öffnet immer elektrisch und gibt den Blick frei auf einen sauber ausgekleideten Kofferraum. Die Ladekante ist nicht zu hoch und mit Kunststoff gegen Verkratzen ausgestattet. Unter dem Ladeboden befindet sich ein größeres Fach, in dem beispielsweise das Ladekabel und das Warndreieck Platz finden.

Im Zuge des Facelifts wurde der Innenraum weiter aufgewertet. Neue Materialien, eine zusätzliche Ambientebeleuchtung und überarbeitete Bedienelemente sollen den Komfort erhöhen. Besonders auffällig ist die serienmäßige Massagefunktion der Vordersitze, die sich vor allem auf langen Fahrten als angenehm erweist. Auch im Detail zeigt sich der Anspruch, die Bedienung zu vereinfachen. Lüftungsdüsen lassen sich wieder manuell justieren, was im Alltag praktischer ist als rein digitale Lösungen. Nur den digitalen Rückspiegel empfanden wir immer noch als etwas gewöhnungsbedürftig.

Digitalisierung und Effizienz

Im Innenraum setzt der G6 konsequent auf ein digitales Bedienkonzept. Ein zentraler Bildschirm mit einer Diagonale von knapp 16 Zoll übernimmt die Steuerung vieler Funktionen und wird durch Sprachbedienung und App-Anbindung ergänzt. Einstellungen lassen sich aus der Ferne anpassen und die Klimatisierung sowie weitere Fahrzeugfunktionen können vorab gesteuert werden. Dabei lässt sich der Xpeng im Vergleich zu Tesla doch um einiges intuitiver bedienen.

In der von uns gefahrenen Performance-Version beschleunigt das Fahrzeug in 4,1 Sekunden auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 202 km/h. Werte, die im Taxi-Alltag kaum entscheidend sind, aber die Leistungsfähigkeit des Antriebs unterstreichen. Bei der Abstimmung hat Xpeng nachgebessert. Während frühere Modelle teils als straff galten, orientiert sich das Facelift stärker an europäischen Erwartungen. Das Fahrwerk wirkt ausgewogener, die Geräuschdämmung verbessert, die Lenkung präziser. Der Verbrauch hängt stark vom Einsatzprofil ab. Auf längeren Strecken mit höherem Tempo wurden Werte um 22 kWh pro 100 Kilometer gemessen. Im Stadtverkehr sind deutlich niedrigere Verbräuche möglich. Für Taxiunternehmen bedeutet das: Die Wirtschaftlichkeit variiert, bleibt aber im Rahmen dessen, was derzeit im Elektrosegment üblich ist.

Die Entwicklung des Projekts verlief laut Intax besonders praxisnah. Der erste Impuls kam direkt vom Hersteller. Im weiteren Verlauf war der Händler Süverkrüp sehr eng eingebunden und hat den Prozess in wichtigen Punkten unterstützt. Anstelle langer Aufpreislisten bietet Xpeng ein weitgehend fest definiertes Ausstattungspaket. Kunden können im Wesentlichen die Farbe sowie einzelne Optionen, wie etwa eine Anhängerkupplung, wählen.

Ab 43.600 Euro

Der G6 ist ab rund 43.600 Euro erhältlich, die Performance-Version ab 51.600 Euro – dazu kommt noch die Umrüstung beim Taxi-Spezialisten Intax. Damit positioniert sich das Modell deutlich unter vielen vergleichbaren europäischen Angeboten. Auch bei einer nüchternen Berechnung im Zusammenspiel von Ladeinfrastruktur, Software und Betriebskosten konnte der G6 uns überzeugen, denn: Mit dem Xpeng G6 kann der Taxiunternehmer die Ladezeiten im eng getakteten Alltag auf eine Espresso-Pause reduzieren. tk

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Artikel Xpeng G6: Ende der Ladepause
Seite 24 bis 25 | Rubrik Taxis & Mietwagen
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