Mehr Fahrgäste, mehr Umsatz: Flexible Taxipreise bewähren sich in Hamburg
Liebe Leserinnen und Leser,
im Taxigewerbe muss gerechnet werden: mit Kilometern, Standzeiten, Spritkosten und neuerdings natürlich auch mit Ladezeiten. Doch zwei aktuelle Entwicklungen zeigen: Die entscheidenden Zahlen stehen nicht immer auf dem Taxameter. Manchmal geht es auch um die Frage, wem man eigentlich noch vertrauen kann – und wer künftig den Preis bestimmt.
Im Rhein-Main-Gebiet schließen sich vier Taxizentralen zusammen. Frankfurt, Hanau, Offenbach und Rüsselsheim wollen gemeinsam größer, digitaler und schlagkräftiger werden. Das klingt vernünftig. Gemeinsame Technik und eine größere Reichweite können helfen, Aufträge besser zu verteilen und Leerfahrten zu vermeiden. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Frankfurter Zentrale steht inzwischen unter dem Einfluss der SafeDriver Group, die zugleich als Generalunternehmer für Uber arbeitet. Ausgerechnet ein Unternehmen aus dem Umfeld eines wichtigen Konkurrenten soll also dabei helfen, die Interessen des Taxigewerbes zu bündeln. Das muss nicht schiefgehen. Aber es verlangt nach Transparenz. Denn wenn es um Aufträge, Kundendaten und Vermittlungsgebühren geht, sollten Taxiunternehmer nicht erst im Rückspiegel erkennen, wer eigentlich am Steuer sitzt.
Wie viel wirtschaftlicher Spielraum im Gewerbe steckt, zeigt der Blick nach Hamburg. Dort hat ein Modellversuch mit flexiblen Taxipreisen die Nachfrage und die Umsätze steigen lassen. Laut wissenschaftlicher Evaluation erhöhte sich die Zahl der Fahrten bei einem Festpreis zunächst um fünf Prozent, der Umsatz um neun Prozent. Mit einem Preiskorridor, der auch Rabatte erlaubte, lag die Zahl der Fahrten schließlich 24 Prozent über dem Vergleichswert der Taxameter-Abrechnung. Hochgerechnet sieht die Studie ein mögliches jährliches Umsatzplus von 46 Millionen Euro gegenüber dem bisherigen Taxameter-Modell. Es ist ein Hinweis darauf, dass ein günstigerer Fahrpreis nicht automatisch weniger Verdienst bedeutet. Wer mehr Fahrgäste gewinnt und weniger Kilometer ohne Passagiere zurücklegt, kann am Ende besser dastehen. Allerdings sind Hochrechnungen keine garantierten Einnahmen. Entscheidend wird sein, wie sich Rabatte, Kosten und Erlöse im Alltag der Betriebe auswirken.
Größere Zentralen und flexiblere Preise können hilfreich sein, doch weder Digitalisierung noch Rabattaktionen können eine klare Interessenvertretung und eine solide Kalkulation ersetzen. Denn am Ende gilt: Das Taxigewerbe muss Verantwortung und Kontrolle über das eigene Geschäft behalten.
Thomas Kanzler
Chefedakteur taxi heute
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