Uber, Ausschreibungen und Krankenfahrten: Taxi-Gewerbe fordert faire Wettbewerbsbedingungen
Liebe Leserinnen und Leser,
früher schien die Welt des Taxigewerbes übersichtlich. Man diskutierte über neue Fahrzeugmodelle, über die beste Funktechnik oder darüber, warum der Kollege vom Nachbarstandplatz grundsätzlich mehr Fahrten bekam als man selbst. Heute befindet sich das Taxigewerbe in einer Phase, in der man sich die Frage stellt, ob die wirtschaftlichen Grundrechenarten noch funktionieren.
In Bad Kreuznach trafen sich die Mitglieder des Mobilitätsverbandes Molo, geladen waren Unternehmer und Behörden, um über faire Ausschreibungen, Krankenfahrten und den Wettbewerb mit Plattformanbietern zu diskutieren. Ein Thema zog sich dabei durch nahezu jeden Redebeitrag: Es ist deutlich einfacher, funktionierenden Wettbewerb kaputtzumachen, als ihn wiederherzustellen. Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn vielerorts wird über Mindestpreise diskutiert, obwohl man eigentlich darüber sprechen müsste, warum es überhaupt zu ruinösen Preisen kommen konnte. Es wird über Marktregulierung gesprochen, obwohl die bestehenden Regeln oft schon ausreichen würden – wenn sie konsequent angewendet würden. Und es wird über Versorgungssicherheit bei Krankenfahrten diskutiert, während gleichzeitig Vergütungen begrenzt werden sollen, obwohl die Kosten munter in die Gegenrichtung marschieren.
Passend dazu kommt noch eine Meldung aus Niedersachsen. Auch dort sorgt man sich um die immer höher werdenden Kosten, die auf das Taxigewerbe zukommen. Das Dramatische daran ist jedoch nicht nur der Preis an der Zapfsäule, sondern dass Taxibetriebe ihre Tarife nicht einfach am nächsten Morgen anpassen können. Der Bäcker erhöht die Brötchenpreise. Das Restaurant kalkuliert die Speisekarte neu. Der Handwerker passt seine Stundensätze an. Das Taxi wendet sich an die Behörden. Und wartet. Manchmal sehr lange, manchmal vergeblich.
Das Gewerbe soll mehr Mobilität leisten, mehr Krankenfahrten übernehmen, Teil des ÖPNV sein, die Verkehrswende unterstützen, elektrifizieren und gleichzeitig möglichst wenig kosten. Da braucht man keine außergewöhnlichen Mathematikkenntnisse, um zu merken, dass diese Rechnung so nicht aufgeht.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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