Mobilität neu gedacht: Alternativer ÖPNV-Gipfel rückt Taxis und On-demand-Verkehre in den Fokus
Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Begriffe, die erstaunlich langlebig sind. Einer davon lautet „letzte Meile“. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie Fahrgäste vom Bahnhof nach Hause, vom Dorf in die Stadt oder nachts sicher zurückkommen. Die Antwort war oft dieselbe: Man müsse die letzte Meile lösen.
Vielleicht liegt das Problem aber schon in der Frage. Denn wer in diesen Tagen die Debatten über Mobilität verfolgt, erkennt: Die Zukunft entscheidet sich längst nicht mehr auf der letzten Meile. Sie entscheidet sich irgendwo zwischen Haltestelle und Ladesäule. Der Alternative ÖPNV-Gipfel des BVTM bringt Ende November in Berlin Menschen zusammen, die über genau diese Frage sprechen wollen. Denn: Mobilität besteht nicht aus einzelnen Verkehrsmitteln. Sie besteht aus Verbindungen.
Lange Zeit wurde über Busse, Bahnen, Taxis und On-demand-Verkehre gesprochen, als stünden sie in einem Wettbewerb. Dabei erleben Fahrgäste ihren Alltag ganz anders. Wer morgens zum Arzt muss, nachts von der Arbeit kommt oder auf dem Land ohne eigenes Auto unterwegs ist, interessiert sich selten für verkehrspolitische Zuständigkeiten. Die entscheidende Frage lautet schlicht: Komme ich von A nach B? Taxiunternehmer kennen diese Realität seit Jahrzehnten. Sie fahren dorthin, wo keine Linie mehr fährt, wo kein Fahrplan hilft und wo Mobilität nicht theoretisch, sondern ganz praktisch gebraucht wird.
Letzte Woche wurde auf der Urban Charge Conference in Köln über die Elektrifizierung von Flotten diskutiert. Dort zeigte sich ein interessantes Muster. Technisch scheint inzwischen vieles möglich. Ladeparks entstehen, Batterien werden leistungsfähiger, induktive Systeme versprechen neue Perspektiven. Die Zukunft fährt elektrisch – zumindest in den Präsentationen. In der Realität eines Taxiunternehmers stellt sich die Sache etwas nüchterner dar. Hier geht es weniger um Visionen als um Fragen wie: Wo lade ich mein Fahrzeug zwischen zwei Schichten? Welche Förderung gilt morgen noch? Und wie erkläre ich meiner Bank, dass die Kalkulation schon wieder nicht zur politischen Förderlandschaft passt?
Sowohl die Diskussion über einen modernen ÖPNV als auch die Debatte über die Flottenelektrifizierung kreisen letztlich um dieselbe Frage: Wird Politik Mobilität als System verstehen – oder weiterhin in einzelnen Zuständigkeiten denken? Das Taxi kennt die Antwort längst. Es fährt täglich dort, wo verschiedene Welten aufeinandertreffen: öffentlicher Verkehr und Individualverkehr, Stadt und Land, Wirtschaftlichkeit und Daseinsvorsorge.
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Thomas Kanzler
Chefedakteur taxi heute
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