Europäische Taximesse 2026 in Köln: 93 Aussteller, Branchenpolitik und ein BYD als Hauptgewinn
Liebe Leserinnen und Leser,
manchmal liegen die großen Zukunftsfragen einer Branche erstaunlich nah beieinander. Auf der einen Seite die Europäische Taximesse in Köln, die Anfang November mit 93 Ausstellern, politischen Debatten und einem BYD als Hauptgewinn so groß wird wie nie zuvor. Auf der anderen Seite ein Robotaxi in China, das einem Fahrgast drei Finger in der Tür einklemmt und anschließend offenbar nicht so recht weiß, wie es mit der Situation umgehen soll. Man könnte sagen: Hier trifft die Zukunftsvision auf die Realität.
Das Programm der Taximesse zeigt, dass sich das Gewerbe mitten in einer Phase des Umbruchs befindet: Elektromobilität, Wasserstoff, E-Fuels, Digitalisierung, Plattformökonomie, ÖPNV-Integration, Inklusion, Mietwagenkontrollen – die Themenliste ist lang. Kaum eine Branche diskutiert derzeit so intensiv über ihre eigene Zukunft wie das Taxi- und Mietwagengewerbe. Gerade deshalb ist die Messe weit mehr als eine Produktschau. Natürlich werden viele Besucher die neuesten Fahrzeuge begutachten und sich nach Taxametern und Softwarelösungen umsehen, doch die eigentliche Bedeutung der Veranstaltung liegt woanders: Menschen treffen Menschen. Unternehmer sprechen mit Unternehmern. Politiker hören Betroffenen zu. Erfahrungen werden ausgetauscht, Probleme benannt und Ideen weiterentwickelt.
Genau dieser menschliche Faktor wird häufig unterschätzt. Besonders dann, wenn von autonomem Fahren die Rede ist. Der Vorfall in Shenzhen wirkt auf den ersten Blick beinahe banal: Ein Fahrgast klemmt sich die Finger ein – so etwas passiert. Bemerkenswert ist jedoch, was anschließend geschieht: Das hochmoderne Robotaxi analysiert vermutlich Verkehrsschilder, Fahrspuren und Fußgängerströme in Echtzeit. Doch ausgerechnet bei einem sehr menschlichen Alltagsproblem entsteht Ratlosigkeit. Menschen vor Ort versuchen zu helfen. Das Fahrzeug bleibt zunächst Teil des Problems statt Teil der Lösung.
Natürlich wäre es unfair, aus einem einzelnen Vorfall weitreichende Schlüsse über die gesamte Technologie abzuleiten. Jede Innovation erlebt Kinderkrankheiten. Trotzdem erinnert der Fall daran, worin die eigentliche Stärke des Taxigewerbes seit Jahrzehnten besteht. Ein Taxifahrer transportiert nicht nur Fahrgäste von A nach B, er hilft beim Einsteigen, erkennt Unsicherheiten, reagiert auf Missverständnisse und löst kleine Probleme oft, bevor sie überhaupt zu Problemen werden. Viele dieser Tätigkeiten tauchen in keiner App auf und lassen sich nur schwer in Algorithmen übersetzen. Sie gehören trotzdem zum Kern der Dienstleistung.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, zwischen all den Diskussionen über künstliche Intelligenz, Sensorik und autonome Systeme gelegentlich an eine einfache Wahrheit zu erinnern: Mobilität ist am Ende immer auch eine Frage menschlicher Nähe.
Und falls Sie am Ende der Messe tatsächlich den BYD gewinnen sollten: Achten Sie beim Einsteigen sicherheitshalber trotzdem auf Ihre Finger.
Thomas Kanzler
Chefedakteur taxi heute
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