CDU-Wirtschaftsrat plant Kürzung der Fahrtkostenübernahme durch die GKV – BVTM warnt vor sozialen Folgen
Guten Tag,
ohne Taxi läuft nichts – weder Verkehrswende noch Chemotherapie
Es gibt Wochen, da kann man sich als Taxiunternehmer ein wenig wie ein Jongleur im Straßenverkehr fühlen: In der einen Hand die Tankquittung, in der anderen die Ladesäule, und über allem kreist die Politik mit neuen Regeln und noch neueren Forderungen. Zwei Meldungen aus den vergangenen Tagen zeigen, wie sehr das Gewerbe derzeit zwischen den Rädern steckt – und wie unterschiedlich die Antworten darauf ausfallen.
Zunächst das Schreiben des Taxi- und Mietwagenverbands (TMV) an den Bundesverkehrsminister. Die Botschaft ist klar: Das Verbrenner-Aus sei bitte noch einmal zu überdenken. Reichweite, Infrastruktur, Anschaffungskosten – die Liste der Argumente liest sich wie ein Fahrtenbuch voller Hindernisse. Man kann den Einwand verstehen: Wer heute auf dem Land unterwegs ist, findet oft mehr Kühe als Ladesäulen. Und ein Taxi, das lädt, verdient in dieser Zeit kein Geld.
Interessant ist aber vor allem, dass der Bundesverband Taxi und Mietwagen (BVTM) sich anders positioniert. Dort lautet die Parole: Verlässlichkeit bitte, auch wenn es unbequem ist. Planungssicherheit sei wichtiger als ein ständiges Hin und Her. Für die Branche ist das nicht nur ein internes Scharmützel, sondern Ausdruck einer echten Zwickmühle: Zwischen der Angst vor teuren Investitionen und dem Wunsch nach klaren politischen Vorgaben.
Kaum hat man diesen Disput verdaut, flattert die nächste Nachricht herein: Der CDU-Wirtschaftsrat will die Übernahme von Fahrtkosten durch die Krankenkassen beschneiden. Ausgerechnet dort, wo viele Taxis tagtäglich einen unverzichtbaren Dienst leisten – Menschen zur Dialyse, zur Chemotherapie oder zur Bestrahlung zu bringen. Der BVTM reagiert entsprechend scharf. Mit gutem Grund: Wer glaubt, es handele sich um „Luxusfahrten“, verkennt die Realität. Für chronisch Kranke ist das Taxi kein bequemer Zusatz, sondern ein Stück medizinischer Infrastruktur.
Die beiden Debatten zeigen, worin die Herausforderung liegt: Das Gewerbe ist viel mehr als der stille Begleiter im nächtlichen Stadtverkehr. Es ist Teil der Verkehrswende, Teil der Gesundheitsversorgung, Teil des öffentlichen Lebens. Ohne das Taxi wird es auch in Zukunft nicht gehen – ganz egal, ob mit Diesel, Strom oder irgendeiner dritten Variante, die noch erfunden werden muss.
Thomas Kanzler
Chefredakteur taxi heute
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