Thema des Monats

Billiger tanken beim Discounter?

Thema des Monats Januar 2011

Nicht nur Taxiunternehmer ärgern sich über das aktuelle Rekordhoch bei den Diesel- und Benzinpreisen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle weiß um den Frust bei den Autofahrern und hat auch schon einen Ausweg aus der Spritkosten-Spirale parat. Auf sehr viel Anerkennung stößt der allerdings nicht.


Wie der ADAC anhand seiner aktuellen Untersuchung der Kraftstoffpreise an Markentankstellen in 20 deutschen Städten belegt, kostet Superbenzin bundesweit mehr als 1,50 Euro je Liter. Auch Diesel ist deutlich teurer geworden und derzeit in keiner der untersuchten Städte für weniger als 1,35 Euro je Liter zu bekommen. Den unrühmlichen Titel als teuerste Stadt teilen sich demnach München, Bielefeld, Bremen, Erfurt, Essen, Freiburg, Koblenz und Saarbrücken mit 1,519 Euro. Teuerste Diesel-Städte sind Bielefeld, Erfurt und Saarbrücken mit 1,369 Euro. Laut ADAC sind die aktuellen Kraftstoffpreise angesichts des Rohölpreises und des Dollar-Euro-Wechselkurses in dieser Höhe nicht zu rechtfertigen.


Auch innerhalb von Ortschaften gibt es laut ADAC teils erhebliche Differenzen zwischen den Anbietern, weshalb der Automobilclub auch nicht müde wird, die Autofahrer zu ermuntern, stets konsequent die billigste Tankmöglichkeit in der Umgebung anzufahren. Denn freie Tankstellen bieten den Sprit mitunter um den einen oder anderen Cent pro Liter günstiger an.


Um jedoch eine spürbare Senkung der Kosten an der Zapfsäule zu erreichen, könnte nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) unser Nachbarland Österreich als Vorbild dienen. Dort kann der Tank bei der Aldi Süd-Tochter „Hofer“ seit Juni 2009 teilweise deutlich billiger aufgefüllt werden als bei den marktbeherrschenden Markentankstellen. Während einer Sonderaktion an Weihnachten zum Beispiel zahlten Autofahrer bei „Hofer“ in Osttirol für Diesel und Benzin lediglich 99 Cent pro Liter.


Nach Ansicht von FDP-Minister Brüderle sollte künftig auch in Deutschland Sprit beim Discounter verkauft werden. "Preise bilden sich am besten immer noch durch Wettbewerb. Wenn das Angebot steigt, sinkt der Preis", sagte Brüderle der "Bild"-Zeitung. Bei den angesprochenen Discountern ist man von seinem Vorschlag aber offenbar nicht sonderlich angetan. "Als Unternehmen mit dem Kerngeschäft Lebensmitteleinzelhandel stellen wir derzeit keine konkreten Überlegungen an, Benzin anzubieten", hieß es bei der Lidl. Dem größten Discounter Aldi war der Vorschlag bislang noch keinerlei Stellungnahme wert.


Denn wahrscheinlich könnten Benzin und Diesel beim Discounter auf Dauer auch nicht  wesentlich billiger angeboten werden als bei Aral & Co. Schließlich wären auch Aldi und Lidl an die Rohölpreise gebunden. Für das Geschäft mit dem Benzin bleibt laut Experten gerade einmal eine Marge von etwa 12 Cent pro Liter, wenn der Rohölpreis und die Steuern vom Endpreis abzogen sind. Davon müssen Transport und Tankstelle betrieben werden. Bei der österreichischen Aldi-Tochter „Hofer“ umgeht man zumindest letzteres, indem auf den obligatorischen Shop und auf Personal verzichtet wird. Kunden bezahlen ihren getankten Sprit stattdessen per EC- bzw. Kreditkarte.


Alles in allem bliebe aber wohl auch den deutschen Discountern relativ wenig Spielraum für deutliche Preissenkungen. Das sieht auch der Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (Uniti) so. Die Konkurrenzsituation sei in Deutschland schon jetzt ausgeprägter als in den anderen europäischen Ländern. Was den Spritpreis hierzulande nach oben treibe, sei nicht der fehlende Wettbewerb, sondern die hohe Nachfrage, der ungünstige Dollar-Euro-Wechselkurs und vor allem die hohen Steuern, so Uniti- Hauptgeschäftsführer Elmar Kühn.


Womit wir wieder bei Herrn Brüderle wären. Dass sich der Bundeswirtschaftsminister um die hohen Spritpreise sorgt, ist ja aller Ehren wert. Statt sich jedoch an Aldi, Lidl & Co. zu wenden, wäre der Appell bei seinen Parteikollegen und denen des Koalitionspartners CDU/CSU deutlich besser aufgehoben.


Denn die schwarz-gelbe Bundesregierung könnte selbst für eine wesentlich größere Senkung der Spritpreise sorgen. Schließlich fließen rund 65 Cent jedes Liters Benzin und 47 Cent jedes Liters Diesels direkt in die Staatskasse. Auf einen Vorschlag eines regierenden Politikers, die Mineralölsteuersätze zu senken, werden Taxiunternehmer aber vermutlich auch in Zukunft vergeblich warten müssen…

(sk)