BEM im vorläufigen Insolvenzverfahren: Ein Verband in der Krise
Nun steht er selbst an einem Wendepunkt. Wie das Amtsgericht Charlottenburg mitteilte, wurde am 22. Mai 2025 ein vorläufiges Insolvenzverfahren gegen den Verein eröffnet. Der Antrag ging Anfang Mai ein, nun ist der Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt.
Laut Vorstand war der Schritt rechtlich unumgänglich. Die Finanzplanung hatte eine bilanzielle Überschuldung und eine negative Fortführungsprognose ergeben – eine Kombination, die gesetzlich zum Insolvenzantrag verpflichtet. „Wir bedauern die Einleitung des Insolvenzverfahrens, denn es markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in der Geschichte unseres Verbands“, heißt es in einer Stellungnahme des Vorstands.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Der BEM hatte sich ambitionierte Ziele gesetzt: die Dekarbonisierung des Verkehrssektors, der Aufbau flächendeckender Ladeinfrastruktur, die Kopplung von Energie- und Mobilitätswende sowie die Förderung technologieoffener, sektorenübergreifender Lösungen. Besonders in politischen Gremien – etwa bei der Diskussion um das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) oder die Ladesäulenverordnung – trat der Verband als Impulsgeber auf.
Sein Netzwerk war breit aufgestellt: Mehr als 300 institutionelle Mitglieder, darunter etablierte Unternehmen wie The Mobility House, MENNEKES oder Chargebyte, aber auch zahlreiche Start-ups, Hochschulen, Stadtwerke und Einzelpersonen unterstützten die Arbeit des BEM. In der täglichen Verbandsarbeit zeigte sich jedoch, dass politischer Gestaltungsanspruch und wirtschaftliche Realität nicht immer deckungsgleich verlaufen.
Ursachen für die Insolvenz
Die Krise des Verbands ist nicht monokausal. Zum einen trafen ihn die konjunkturellen Schwierigkeiten im E-Mobilitätssektor selbst: Investitionen gingen zurück, viele Unternehmen fuhren angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten ihre Engagements zurück – das schlug sich auch auf Mitgliedsbeiträge und finanzielle Unterstützung nieder. Zum anderen gab es vereinsinterne Spannungen, die zu Irritationen in der Mitgliedschaft führten. Austritte, Beitragsverzögerungen und Lagerbildungen waren die Folge. Die Struktur eines politisch tätigen Interessenverbands wurde durch interne Unsicherheit zunehmend belastet.
Folgen für die Branche
Dass ein Verband wie der BEM in finanzielle Schieflage gerät, ist auch ein Signal an die E-Mobilitätsbranche insgesamt. Die politischen Ziele bleiben ambitioniert – eine sektorenübergreifende Transformation lässt sich jedoch kaum ohne stabile intermediäre Akteure gestalten. Die Insolvenz wirft Fragen auf: Wer vertritt künftig die vielschichtigen Interessen von Ladeinfrastruktur, Energieanbietern, Fahrzeugentwicklern und Kommunen? Wie organisiert sich politische Einflussnahme ohne zentrale Plattform?
Ein Verband mit offener Zukunft
Ob und in welcher Form der BEM nach dem vorläufigen Insolvenzverfahren fortbestehen kann, ist derzeit offen. Insolvenzverwalter Voigt-Salus wird nun prüfen, ob eine Sanierung oder ein Neustart möglich ist. In jedem Fall zeigt der Fall exemplarisch, dass auch Organisationen, die für Zukunftsthemen stehen, nicht von wirtschaftlichen Grundprinzipien befreit sind. Wer Wandel gestalten will, braucht nicht nur Visionen, sondern auch belastbare Strukturen – intern wie extern.
Für das Taxi- und Mietwagengewerbe, das zunehmend selbst von E-Mobilität betroffen ist, bleibt die Frage, ob ein künftig handlungsfähiger BEM weiterhin als Partner und Interessenvertreter zur Verfügung stehen wird.
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