Taxi-Offensive in Dubai: Zwischen BYD-Stromern und selbstfahrenden Robotaxis

Von außen betrachtet scheint Dubai wie gemacht für saubere Übergänge – vom Wüstensand zur glänzenden Skyline, vom Öl zum Sonnenstrom, vom traditionellen Taxi zum elektrischen Chauffeur. Nun rüstet die Stadt am Persischen Golf ihre Flotte weiter auf und schickt sich an, das Taxi von morgen schon heute auf die Straße zu bringen – mit und ohne Fahrer.

Mit über 6.000 Taxis ist die Dubai Taxi Company das größte Taxi-Unternehmen in dem arabischen Staat.| Foto: Dubai Taxi Company
Mit über 6.000 Taxis ist die Dubai Taxi Company das größte Taxi-Unternehmen in dem arabischen Staat.| Foto: Dubai Taxi Company

Die Dubai Taxi Company (DTC), größter Anbieter im Emirat mit rund 6.000 Taxis, hat kürzlich 200 vollelektrische Limousinen vom Typ BYD Seal bestellt. Der Schritt ist Teil einer langfristigen Strategie: Bis 2027 sollen in Dubai nur noch elektrifizierte Taxis – also reine Stromer, Hybride oder Wasserstofffahrzeuge – unterwegs sein. DTC-Chef Mansoor Rahma Alfalasi geht sogar noch weiter: Spätestens 2040 will sein Unternehmen ausschließlich vollelektrisch fahren.

Für den aktuellen Schub in Richtung E-Flotte arbeitet DTC mit Al-Futtaim Electric Mobility zusammen, dem Vertriebspartner von BYD in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Modell BYD Seal, ausgestattet mit der firmeneigenen Blade-Batterie, bietet laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern. Damit lassen sich auch die längeren Fahrten vom Stadtzentrum zum Flughafen oder entlang der touristischen Hauptachsen problemlos bewältigen.

Dass die Investition nicht nur als ökologische Maßnahme verstanden wird, zeigt die Wortwahl des DTC-Chefs: „Innovation, betriebliche Effizienz und Umweltverträglichkeit“ seien die Leitlinien. Zudem stärke man mit dem Umbau das Serviceerlebnis für Fahrgäste – leiser, sauberer, angenehmer.

Auf dem Weg zum fahrerlosen Taxi

Parallel zum Ausbau der E-Flotte treibt Dubais Verkehrsbehörde RTA gemeinsam mit dem chinesischen Technologieunternehmen Baidu das autonome Fahren voran. Unter dem Namen Apollo Go soll schon bald eine Flotte von 50 selbstfahrenden Taxis die ersten Runden drehen – vollständig autonom, auf Level 4, wie es im Fachjargon heißt.

Dabei kommt das Modell RT6 zum Einsatz – ein speziell entwickeltes Fahrzeug mit 40 Sensoren, das bereits in chinesischen Städten unterwegs ist. Die Testphase startet noch dieses Jahr, 2026 soll der Dienst für die Öffentlichkeit freigegeben werden. In den folgenden drei Jahren könnten bis zu 1.000 autonome Taxis durch die Straßen Dubais rollen.

Für die Stadt, die sich gern als Vorreiterin neuer Mobilitätslösungen sieht, ist das mehr als ein technisches Experiment. Die Vision heißt „Smart Self-Driving Transport Strategy“ – und bis 2030 sollen 25 Prozent aller Fahrten im Emirat autonom erfolgen, auch mit Lufttaxis oder autonomen Wassertaxis.

Technologie trifft Ehrgeiz

Hinter dem Vorhaben steht ein klarer Wille zur globalen Positionierung. Dubai will nicht nur technisch mithalten, sondern sich an die Spitze der Entwicklung setzen.

„Die Vereinbarung mit Baidu ist ein strategischer Schritt, um Spitzentechnologien zu nutzen und Dubais Rolle als Vorreiter in der Mobilität der Zukunft zu stärken“, sagte Mattar Al Tayer, Chef der RTA.

Auch auf Seiten Baidus ist die Bedeutung des Projekts klar. „Unsere Partnerschaft mit der RTA ist der bedeutendste Schritt unserer internationalen Expansion“, betonte Liang Zhang, General Manager für das Auslandsgeschäft. Die über zehn Millionen bereits absolvierten autonomen Fahrten in China sollen nun auch in Dubai Schule machen.

Was bedeutet das für das Taxi-Gewerbe in Europa?

Natürlich sind die Voraussetzungen in Deutschland im Vergleich zu Dubai höchst unterschiedlich – nicht nur klimatisch, infrastrukturell oder regulatorisch. Taxiunternehmer in Deutschland stehen im harten Wettbewerb mit Plattformen wie Uber oder Bolt. Und während hierzulande über Tariftreue, Rückkehrpflicht und Vermittlungsregeln diskutiert wird, entstehen andernorts neue Standards – elektrisch, autonom, datengetrieben. Zudem gibt es in Dubai keine „Hindernisse“ bei der wie Sozialgesetze oder gar Demokratie.

Trotzdem ist die Richtung klar: Wer das Taxi von morgen auf die Straße bringen will, kommt um zwei Themen nicht herum – Elektrifizierung und Automatisierung. Dubai demonstriert, wie diese beiden Trends zusammenspielen können – technologisch ehrgeizig, politisch gestützt und wirtschaftlich getrieben. Die Frage scheint nicht, ob sich das Geschäftsmodell „Taxi“ verändert, sondern wann – und wer am Steuer sitzt, wenn es soweit ist.

 

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