Auf Landstraßen sind das Tempo und das Überholen kritisch

Ein Straßenplaner der Technischen Universität Dresden möchte die Zahl der Verkehrstoten auf Landstraßen durch Straßenbaumaßnahmen senken helfen.
Auch Prof. Dr.-Ing. Christian Lippold berichtete von Politikern, die Tempolimits scheuen. (Foto: Dietmar Fund)
Auch Prof. Dr.-Ing. Christian Lippold berichtete von Politikern, die Tempolimits scheuen. (Foto: Dietmar Fund)
Von den rund 3.000 Menschen, die in Deutschland jährlich im Straßenverkehr sterben, verunfallen etwa zwei Drittel auf Landstraßen. Ihr Tod geht in erster Linie auf zu schnelles Fahren, auf falsches Überholen und auf Fehler zurück, die an Knotenpunkten gemacht werden. Daher müssen Verkehrssicherheitsmaßnahmen vor allem die auf Landstraßen gefahrenen Geschwindigkeiten verringern und Überholvorgänge sicherer machen. Das berichtete Prof. Dr.-Ing. Christian Lippold von der Technischen Universität Dresden am 27. Oktober 2016 beim DVR-Presseseminar „Geschwindigkeit und Abstand“ in Kassel. Lippold ist in der Fakultät Verkehrswissenschaften für die Gestaltung von Straßenverkehrsanlagen verantwortlich.

Der Wissenschaftler berichtete über die Entwicklung neuer Richtlinien für die Anlage von Landstraßen. Sie sollen vier Kategorien von Verbindungsfunktionen mit vier Entwurfsklassen verbinden, die für „Planungsgeschwindigkeiten“ von 110, 100, 90 und 70 km/h stehen. Ihr jeweiliger Ausbaustandard soll die Autofahrer wie heute etwa eine Autobahn darauf hinweisen, mit welcher Kategorie sie es zu tun haben und was sie dort erwarten können. Von „Planungsgeschwindigkeiten“ müssten die Straßenplaner reden, weil ihnen das Bundesverkehrsministerium klar gesagt habe, wenn sie ihre Kategorien mit „Höchstgeschwindigkeiten“ verknüpften, sei ihre Klassifizierung tot, sagte Lippold.

Die höchste Kategorie soll permanent eine eigene Überholspur haben, die zwischen den Fahrtrichtungen abwechselnd markiert wird, während bei der zweithöchsten hin und wieder Überholstreifen in beiden Fahrtrichtungen angelegt werden sollen. In solchen Fällen sei es am wirkungsvollsten, in den zweispurigen Abschnitten das Überholen zu verbieten, aber dagegen sträubten sich oft die lokalen Behörden, berichtete Lippold.

Überholen auf dem Gegenverkehrsfahrstreifen sei aber in Anbetracht der hohen Verkehrsdichte und der kurzen Zeitlücken auf Straßen mit höherer Verkehrsbedeutung nicht mehr zeitgemäß. Um den Überholdruck zu senken, trat der Wissenschaftler dafür ein, auf Landstraßen den Lkw Tempo 80 zu erlauben und die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Pkw generell auf diesen Wert abzusenken, sie aber durch eine entsprechende Beschilderung auf gut ausgebauten Abschnitten auf die heutigen 100 km/h zu erhöhen.

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