779 Autobahnbaustellen sorgen für Milliardenkosten

Eine neue Auswertung des Infoportals autobahn-baustellen.de unterstreicht die Folgen der Baustellendichte auf deutschen Autobahnen. Die volkswirtschaftlichen Staukosten belaufen sich laut Studie auf 3,6 Milliarden Euro jährlich.

Auf zahlreichen deutschen Autobahnen laufen derzeit parallel Bauarbeiten. Besonders belastet sind stark frequentierte Fernverkehrsachsen im Westen und Süden Deutschlands. (Foto: Pixabay)
Auf zahlreichen deutschen Autobahnen laufen derzeit parallel Bauarbeiten. Besonders belastet sind stark frequentierte Fernverkehrsachsen im Westen und Süden Deutschlands. (Foto: Pixabay)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Auf deutschen Autobahnen laufen derzeit so viele Baustellen wie seit Jahren nicht mehr. Den Angaben des Informationsportals autobahn-baustellen.de zufolge waren im April 2026 bundesweit 779 Baustellen gleichzeitig aktiv. Betroffen seien rund 1.982 Kilometer des Autobahnnetzes. Das entspreche 7,6 Prozent aller Autobahnen in Deutschland.

 

Staukosten steigen trotz weniger Einzelstaus

Grundlage der Studie „Baustellen-Bilanz Deutschland 2026“ sind Daten der Autobahn GmbH des Bundes, des ADAC, des Verkehrsdienstleisters Inrix, des Bundesverkehrsministeriums sowie weitere öffentlich verfügbare Datensätze. Die Untersuchung wertet unter anderem die Entwicklung von Staus, Baustellen und Infrastrukturinvestitionen aus.

Demnach gingen die registrierten Einzelstaus im Jahr 2025 zwar leicht zurück. Laut ADAC sank ihre Zahl von 516.000 auf 496.000. Gleichzeitig stiegen die Staustunden jedoch um sieben Prozent auf 478.000 Stunden. Das deutet auf längere und zähflüssigere Verkehrsbehinderungen hin.

Die Studie verweist zudem auf steigende volkswirtschaftliche Belastungen. Nach Angaben von Inrix erhöhten sich die Staukosten 2024 um 14 Prozent. Jeder Autofahrer habe durchschnittlich 43 Stunden im Stau verbracht. Daraus ergäben sich Kosten von rund 470 Euro pro Jahr und Person. Insgesamt summierten sich die Staukosten laut Studie auf 3,6 Milliarden Euro jährlich.

Nordrhein-Westfalen bleibt Schwerpunkt der Staus

Besonders stark belastet bleibt Nordrhein-Westfalen. Laut ADAC entfielen dort 35 Prozent aller bundesweiten Staustunden. Bayern kam auf 13 Prozent, Baden-Württemberg auf zehn Prozent.

Zu den Autobahnen mit den meisten Baustellenkilometern zählen laut der Studie die A38 mit 181 Kilometern, die A4 mit 154 Kilometern sowie die A1, A3 und A7. Die meisten Staustunden registrierte der ADAC 2025 auf den Strecken A1, A3, A5 und A8.

Hohe Investitionen sorgen für weitere Bauprojekte

Nach Einschätzung der Studienautoren dürfte die Zahl der Baustellen mittelfristig hoch bleiben. Hintergrund ist das Sondervermögen Infrastruktur in Höhe von 500 Milliarden Euro. Für 2026 sollen davon rund 33,7 Milliarden Euro in Verkehrsinvestitionen fließen.

Besonders einschneidend sind laut der Untersuchung die mehrfachen 55-Stunden-Vollsperrungen auf der A7 in Hamburg zwischen Altona und Elbtunnel. Hinzu kämen vorbereitende Arbeiten für den Ersatzneubau der Norder- und Süderelbbrücke auf der A1.

Die Studienautoren sehen in der hohen Bautätigkeit einerseits eine notwendige Modernisierung der Infrastruktur, zugleich aber eine zunehmende Belastung für Verkehrsteilnehmer und Güterverkehr. Die komplette Studie kann kostenlos über das Informationsportal autobahn-baustellen.de heruntergeladen werden.

Logobanner Liste (Views)