So geht Schnelladen! BYD Seal 08: 10 bis 97 Prozent SOC in neun Minuten!!!
Die Zahlen sind beeindruckend: Bis 905 Kilometer Reichweite (allerdings nach chinesischem CLTC-Standard – real eher 600 plus/minus x), neun Minuten Ladezeit für einen Riesenhub und ein Innenraum wie eine Business-Class-Lounge: Der BYD Seal 08 will nicht weniger als die elektrische Luxusklasse neu definieren – zu Preisen, bei denen deutsche Hersteller nervös auf den Taschenrechner schauen dürften.
Fünf Minuten Ladezeit für 400 Kilometer Reichweite!
BYD verspricht also tatsächlich neun Minuten. So lange braucht der neue BYD Seal respektive Sealion 08 am passenden Flash-Charger, um seinen Akku von 10 auf 97 Prozent zu laden. Fünf Minuten Stromzapfen sollen bereits für rund 400 Kilometer Reichweite reichen. Das ist der Moment, in dem selbst überzeugte Diesel-Langstreckenfahrer langsam anfangen, hektisch nach Gegenargumenten zu suchen. Denn BYD baut hier nicht einfach nur irgendeine neue Elektro-Limousine. Der Seal 08 ist ein ziemlich offensiver Angriff auf die etablierte Oberklasse – technisch, preislich und beim Komfort sowieso.
3,03 Meter Radstand für viel Platz innen
Vorgestellt wurde die neue Flaggschiff-Limousine der Ocean-Serie auf der Auto China 2026 in Peking. Seit dem zweiten Quartal ist der Seal 08 in China erhältlich – und das Datenblatt liest sich vielversprechend. Mit 5,15 Metern Länge, knapp zwei Metern Breite und einem Radstand von 3,03 Metern gehört der Seal 08 in die Kategorie „obere Mitteklasse“, einst waren das die Langversionen der Oberklasse. Nur eben ohne den üblichen SUV-Klotz-Look. Statt hochbeiniger Dominanz setzt BYD beim Sael 08 bewusst auf eine flache Fastback-Limousine mit eleganten Proportionen, schmalen LED-Lichtsignaturen und einer extrem sauberen Linienführung. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,21 ist dabei nicht nur ein hübscher Marketingwert – er liegt sogar unter dem eines Porsche Taycan. Der Sealion steht dagegen aufrecht in der Gegend und baut mit 5,11 Metern Länge etwas kürzer.
BYD-Stärke: die eigenentwickelte Blade-Battery
Möglich macht die Reichweite auch die neue Blade Battery 2.0 auf BYDs 800-Volt-Super-e-Platform. Die weiterentwickelte LFP-Batterie kombiniert höhere Energiedichte mit besonders hoher Schnellladeleistung und gilt gleichzeitig als langlebiger und sicherer als klassische NMC-Batterien. Die stärksten Elektroversionen unterstützen Ladeleistungen von bis zu 510 kW. Das ist nicht mehr Schnellladen. Das ist Strom inhalieren.
In China gibt es auch Plug-ins mit Verbrennerunterstützung, doch warum?
Interessant wird es aber auch bei den Preisen. Denn während europäische Premiumhersteller bei vergleichbaren Elektro-Limousinen inzwischen regelmäßig die 100.000-Euro-Marke attackieren, startet der Seal 08 in China bei 196.900 Yuan – umgerechnet knapp 29.000 US-Dollar. Dafür gibt es allerdings nur die Plug-in-Hybridversion „Premium“ mit bis zu 1.660 Kilometern kombinierter Reichweite nach CLTC und bis zu 400 Kilometern rein elektrischer Reichweite. Ja, richtig gelesen: 400 elektrische Kilometer bei einem Plug-in-Hybrid. Aber auch hier muss man so ehrlich ein und die Werte auf 1.200 Gesamtkilometer zusammendampfen, von denen allenfalls gut 200 rein elektrisch klappen.
Darüber rangiert die „Flagship“-Version mit denselben Reichweitenwerten für rund 30.450 US-Dollar. Die allradgetriebene „4WD Flagship“-Variante kombiniert 350 Kilometer elektrische Reichweite mit insgesamt 1.000 Kilometern Gesamtreichweite und kostet umgerechnet etwa 33.840 US-Dollar.
Selbst das Topmodell wäre in Deutschland für unter 70.000 Euro darstellbar
Aber auch die rein elektrischen Modelle sind in China scharf kalkuliert. Die EV-Premium-Version mit bis zu 775 Kilometern Reichweite startet ebenfalls bei rund 29.000 US-Dollar. Die große „Flagship“-Variante mit der großen Reichweite kostet etwa 31.920 Dollar. Und selbst das Topmodell „4WD Flagship“ mit Allradantrieb, 785 Kilometern Reichweite und einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,3 Sekunden bleibt mit rund 35.300 Dollar erstaunlich weit entfernt von europäischen Luxuspreisregionen. Würde BYD den Wagen importieren, müsste man die Preise verdoppeln aber selbst das wäre noch günstig für das Gebotene.
Innen geben sich die 08er weniger innovativ
Innen gibt sich der 08 dann weniger innovativ. Er bietet viel Platz aber keinen futuristischen Designansatz sondern eher ein geschwungenes „Wellendesign“ – was in Ordnung geht, aber etwas beliebig ist.
Die vorderen Zero-Gravity-Sitze (in China wichtig) fahren per Knopfdruck in eine ergonomische Relaxposition, die den Druck auf Rücken und Beine reduziert. Dazu kommen Massage-, Heiz- und Belüftungsfunktionen – und zwar nicht nur vorne. Alle Sitze verfügen über das volle Komfortprogramm mit Klimatisierung und Massage.
Besonders ernst nimmt BYD die zweite Sitzreihe. Den die 08 gelten n China auch als Chauffeurfahrzeuge. Im Fond gibt es elektrische Beinauflagen, verstellbare Rückenlehnen und einen integrierten Bildschirm in der Mittelarmlehne. Das Auto ist damit auch ein bisschen rollender Ruhebereich.
Dazu kommen viele große Displays. Fahrer und Beifahrer blicken auf ein 15,6 Zoll großes Zentraldisplay, ein 12,3-Zoll-Kombiinstrument und ein riesiges 26-Zoll-Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion. Ein Dach-LiDAR-Sensor unterstützt das Assistenzsystem „DiPilot God’s Eye“, das automatisiertes Einparken, navigationsgestütztes Fahren auf Autobahnen und urbane NOA-Funktionen ermöglicht.
Die Hinterradlenkung reduziert den Wendekreisdurchmesser auf 9,9 Meter
Auch fahrdynamisch versucht BYD, die Größe des Autos vergessen zu machen. Serienmäßig besitzt der Seal 08 eine Hinterradlenkung, die den Wendekreis trotz der 5,15 Meter Außenlänge auf erstaunliche 9,9 Meter Wendekreisdurchmesser reduziert.
Das DiSus-A-Luftfahrwerk mit geschlossenen Zweikammer-Dämpfern erkennt Fahrbahnunebenheiten frühzeitig über Sensoren und passt die Dämpfung an, bevor das Rad überhaupt auf die schlechte Straße trifft. Hier müsste man auf die EU-Abstufung warten. Das können andere Marken prinzipiell auch – mit durchwachsenem Erfolg.
Trotzdem könnte der Seal 08 ein Erfolg im Businesssegment werden, wenn BYD mit ihm das Flashcharging nach Europa bringt.
Was bedeutet das?
Bei den Ladezeiten kommen der Seal und Sealion 08 jetzt wirklich an die Tankzeiten der Verbrenner heran – und können mit Megawattladern Elektromobilität auf der Langstrecke neu definieren.
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