Oxfam-Studie: Superreiche befeuern Klimakrise - zwei Sekunden Privatjet wie Jahresemission eines Ärmeren

Privatjets verursachen in zwei Sekunden mehr CO₂ als ein Mensch aus den ärmsten 50 Prozent in einem Jahr. Einmal mehr verdeutlicht der Bericht der Entwicklungsorganisation verdeutlicht, wie Überreiche die Klimakrise befeuern. Auch durch Fossilinvestments. Und selbst an Naturkatastrophen verdienen Vermögende und Anleger noch. 

Schädliche Fliegerei: Superreiche befeuern die Klimakrise mit ihrem Mobilitätsverhalten. | Foto: dpa/Christoph Schmidt
Schädliche Fliegerei: Superreiche befeuern die Klimakrise mit ihrem Mobilitätsverhalten. | Foto: dpa/Christoph Schmidt
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Neue Berechnungen der Entwicklungsorganisation Oxfam haben verdeutlicht, wie unverhältnismäßig stark Überreiche mit ihren Privatjets und Investitionen zur Klimakrise beitragen – weltweit und auch in Deutschland. Im vergangenen Jahr haben Privatjets weltweit in nur zwei Sekunden mehr CO₂ verursacht als ein Mensch aus den ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung im gesamten Jahr, kalkulieren die Studienverantwortlichen. Oxfam fordert unter anderem, Überreiche durch die Besteuerung hoher Vermögen stärker zur Verantwortung zu ziehen.

Der neue Oxfam-Bericht „Disaster Divide“ untersucht im Vorfeld der anstehenden UN-Klimakonferenz COP31, wie Überreiche mit ihren Privatjets und Investitionen ein Vielfaches mehr an CO₂ verursachen als die restliche Bevölkerung. Nichts symbolisiere den klimaschädlichen Lebensstil der Reichen eindrücklicher als Flüge mit Privatjets, so die Autoren: Im Jahr 2025 verursachten Privatjets weltweit insgesamt 16 Millionen Tonnen CO₂. Ein Flug mit einem Privatjet stößt durchschnittlich 3,7 Tonnen CO₂ aus – fast so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr.

"Überreiche treiben die Welt in den Klimakollaps. Die Klimakrise ist eine Frage der sozialen Ungleichheit. Nur die Wenigsten nutzen überhaupt Privatjets oder besitzen Milliardenvermögen. Diese kleine Minderheit verantwortet mit ihrem Luxuskonsum und ihren Investitionen jedoch unverhältnismäßig viele Emissionen – auf Kosten der Mehrheit", kritisiert Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit.

Auch an deutschen Flughäfen starteten 2025 über 55.000 Privatjets, die insgesamt über 182.000 Tonnen CO₂ ausstießen. Diese Privatjets verursachten in weniger als einer halben Stunde mehr CO₂ als ein*e Durchschnittsbürger*in in Deutschland im gesamten Jahr.

Milliardär*innen investieren in klimaschädliche Branchen

Neben ihren Privatjet-Flügen trägt vor allem das Investitionsverhalten der Überreichen maßgeblich zur Verschärfung der Klimakrise bei. Der neue Oxfam-Bericht untersucht die Investitionen von 1.000 Milliardär*innen im Jahr 2025. 71 Prozent flossen in besonders klimaschädliche Sektoren wie Öl, Gas oder Chemie. Die Investitionsemissionen beliefen sich auf 486 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, so die Berechnungen. Das bedeutet, dass ein*e Milliardär*in im Durchschnitt durch Investitionen in etwas mehr als einer Minute mehr CO₂ verursacht als ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Menschheit im gesamten Jahr.

Bei den 49 Deutschen unter den 1.000 Milliardär*innen lagen die Investitionsemissionen im Durchschnitt bei 704.881 Tonnen CO₂-Äquivalenten und damit weit über dem internationalen Durchschnitt. Somit verursacht ein*e deutsche*r Milliardär*in allein durch Investitionen in etwas mehr als sechs Minuten im Durchschnitt mehr CO₂ als ein Mensch aus der ärmeren Hälfte in Deutschland im gesamten Jahr.

Klimaschutz gerecht finanzieren: Überreiche in die Pflicht nehmen

„Wer die Klimakrise so stark befeuert, muss auch für ihre Bewältigung zahlen, statt die Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen”, meint Oxfam-Referent Schmitt. „Neben der massiven Reduktion von Emissionen liegt ein weiteres wirksames Instrument längst auf der Hand: Besteuerung. Hohe Vermögen, Privatjets und Übergewinne, insbesondere fossiler Konzerne, müssen stärker besteuert werden, damit diejenigen, die besonders viel zur Klimakrise beitragen, auch einen besonders hohen Beitrag zu ihrer Bewältigung leisten.”

Die Organisation fordert zudem, wirtschaftlich benachteiligte Länder und ärmere Bevölkerungsschichten bei der Bewältigung der Klimakrise angemessen zu unterstützen. Entscheidend sind auch eine konsequente Abkehr von fossilen Energien und der Umbau besonders klima- und umweltschädlicher Sektoren.

Verdienen an der Katastrophe

Darüber hinaus würden Vermögende und Anleger auch noch an den Naturkatastrophen verdienen: Der globale Markt für Wiederaufbau nach einem Klimaereignis wachse stark, oft seien die Anteilseigner entsprechender Firmen dieselben, die auch in Öl, Gas und Chemie investierten. Dazu zählen etwa Vermögensverwalter wie Vanguard, Blackrock oder State Street. Diese Unternehmen investierten in die Katastrophen und deren Beseitigung, prangert Oxfam an. Teils würden die Katastrophen auch dafür genutzt, wirtschaftsliberale Programme durchzusetzen. So wurde beispielsweise nach dem Hurrikan Maria 2017 auf Puerto Rico das Stromnetz privatisiert. In der Folge kam es zu häufigeren Blackouts. Beim Hurrikan Irma wurdem im Anschluss Feuchtgebiete und natürliche Küstenlinien durch Luxuswohnungen und einen Golfplatz ersetzt, führt die Organisation weiter an. 

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