Mercedes-Benz: VLE startete am 9.6.2026 in Produktion

Für die neue Van.EA-Plattform baute man das Werk in Vitoria in Teilen ganz neu – bei laufendem Betrieb, wie uns Chefkonstrukteur Dr. Andreas Zygan verriet. Am 9.6.2026 war Start of Production: Wir waren als einziges deutsches Medium an diesem Tag vor Ort.

Stolz: Bernd Krottmayer, Standortverantwortlicher Mercedes-Benz Werk Vitoria bei der Präsentation des Portfolios. | Foto: G. Soller
Stolz: Bernd Krottmayer, Standortverantwortlicher Mercedes-Benz Werk Vitoria bei der Präsentation des Portfolios. | Foto: G. Soller
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Am zweiten Tag der VLE-Fahrvorstellung bot man an, optional das Werk Vitoria zu besichtigen. Es wurde einst 1954 von der Auto Union für die Montage des DKW-Schnelllasters gebaut und ging ab 1981 in den Besitz der damaligen Daimler-Benz AG über, nachdem man eine zeitlang ein seltsames Joint-Venture-Frontantriebsfahrzeug mit DKW-Genen und Mercedes-Stern statt Audi-Ringen produzierte – vornehmlich für den spanischen Markt.

Das Werk im Herzen des Baskenlandes, im Nordwesten Spaniens gelegen, feierte 2024 sein 70-jähriges Bestehen als Automobilstandort. Heute ist auf dem insgesamt 870.000 m² großen Gelände eine Produktionsfläche von 665.000 m² angesiedelt. Das Mercedes-Benz Werk Vitoria hat 2025 erfolgreich mit der Produktion der ersten Vorserienfahrzeuge des neuen vollelektrischen Mercedes-Benz VLE begonnen und bereitet sich damit auf den Start der Serienfertigung vor.

Mit dem MB 100 D eröffnete Mercedes-Benz sich neue Kunden und internationalisierte das Werk

Das änderte sich mit dem Mercedes-Benz MB 100 D, den man dann auf die bewährte Basis ganz neu aufsetzte und ihm anstatt des einst leichten Zweitakters den schweren OM-616-Motor implantierte, der weiter die Vorderräder antrieb! Diese Kopflastigkeit sorgte dafür, dass der MB100 D bei starken Bremsungen am Heck sehr schnell sehr leicht wurde und die Hinterräder blockierten. Der MB 100 D war keine große Bedrohung für Ford Transit und VW T3, erkämpfte sich aber doch einen kleinen Achtungserfolg im Segment der 2,8-Tonner.

Mit dem Vito kam die Wende

Mit einem Facelift steuerte Mercedes-Benz etwas nach, bevor man mit dem Duo Vito und V-Klasse eine moderne Neukonstruktion brachte, die dann deutlich mehr Kunden fand. Mercedes-Benz sprach im Segment der Kompaktlieferwagen plötzlich ein gewichtigeres Wörtchen mit!

Beflügelt vom Erfolg der „Wagen W 638“ lösten 2003 Viano und Vito als W 639 die erste Generation ab, dynamischer, größer, eleganter und man stieg in weitere Segmente wie das der Camper ein. Unter dem Markennamen Marco Polo machte man den VW California und Ford Transit Nugget Konkurrenz. Und weil man damit recht erfolgreich war, folgte ab 2014 der „Wagen 447“ mit ganz anderer Nomenklatur, doch der Rohbau unter den Außenblechen wurde sooo viel nicht geändert!

Die V-Klasse eroberte sich bald ein eigenes Segment

Aus dem Viano wurde wieder die V-Klasse, die sich bald im Shuttledienst als gehobene Alternative zu den gut ausgestatteten Vans anderer Marken etablieren sollte. Über die Jahre wurden beide immer wieder gepflegt und optimiert, erhielten alternativ rein elektrische Antriebsstränge und werden weitergebaut.

Das Werk ist von außen kaum wiederzuerkennen

Als wir im Werk ankamen, fielen uns zahlreiche ganz neue Gebäude auf, die den VLE und dereinst den Vito-Nachfolger produzieren sollen. Innen ist alles pieksauber und den „Umbau“ des Werkes samt ganz neuem Rohbau und ganz neuer Lackiererei hat man im laufenden Prozess gemacht. Die Planungen dafür begannen 2023 und 2025 nutzte man die Sommerferien für einen nur fünfwöchigen Stopp der Anlage, um das „neue Werk“ ans Netz zu bringen! In dem wurden am 9.6.2026 V-Klassen und Vitos in wilder Abfolge gebaut und erstmals eben auch die allerersten vier Mercedes-Benz VLE. Deren Stückzahl ab jetzt Woche für Woche gesteigert wird.

Mercedes-Benz baut alle Modelle auf einem einzigen Endmontageband

Alle auf einem Endmontageband! Die „bunte Mischung“ wird im „Puffer“ koordiniert und man erklärt uns, dass eine gewisses Mischungsverhältnis immer wichtig ist, denn: Die komplexen, teils vollausgestatteten V-Klassen brauchen beim Innenausbau deutlich länger als einfache verblechte Vito-Kastenwägen.

Und jetzt kommt auch noch der VLE dazu, der mit seinem Elektro-Skateboard ganz anders aufgebaut ist wie die Verbrenner, doch: Auch die „heiraten“, indem der Antriebsstrang mit den Achsen komplett von unten zugeführt und dann automatisch mit der Karosserie verschraubt wird. Doch mit der Komplexität komplexer Vans kennt man sich in Spanien aus.

Was bedeutet das?

In der heutigen Zeit ist das Bekenntnis zu einem logistisch gar nicht so günstig gelegenen Werk in Vitoria im Baskenland schon ein Statement! Mercedes Benz hat viel Geld, Herzblut und Zeit investiert, um bei den Vans unabhängig zu bleiben. Denn außer in China (für China) werden nirgendwo auf der Welt Midsize-Vans mit Stern hergestellt!

Lan bizi gara Vitorian! Was auf baskisch bedeutet: Lang lebe Vitoria!

 

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