International: Taxi-News aus Belgien

Der sprichwörtliche Blick über den Tellerrand kann zu interessanten Entdeckungen führen, ob Trends, Innovationen, Problemlösungen oder aktuelle Entwicklungen, die auch hierzulande Impulse setzen können oder einfach, um den ausländischen Kollegen über die Schulter zu schauen: eine Momentaufnahme bzw. Presserundschau der belgischen Taxibranche.

Symbolbild: Ein belgisches Taxi vor dem Atomium mit mehreren belgische Flaggen unter blauem Himmel. Bild: KI-generiert
Symbolbild: Ein belgisches Taxi vor dem Atomium mit mehreren belgische Flaggen unter blauem Himmel. Bild: KI-generiert

Niederländischkenntnisse werden Pflicht in Flandern

In Flandern tritt am 1. Juli eine neue Sprachvorgabe für Taxifahrer in Kraft: Diese müssen künftig Niederländischkenntnisse auf B1-Niveau nachweisen, wie es das Taxidekret von 2020 vorsieht, dessen Umsetzung jedoch mehrfach verschoben wurde. Fahrer mit einer vor dem 1. Juli 2023 ausgestellten Lizenz dürfen weiterarbeiten, sofern sie sich bis Ende Juni 2024 für einen anerkannten Sprachkurs angemeldet haben. Wie die Belga News Agency berichtet, sorgt der verpflichtende 240-Stunden-Kurs im Sektor für Proteste, da Branchenvertreter vor einem zusätzlichen Personalmangel und möglichen Ausfällen warnen; Fahrer, die die Anforderung nicht erfüllen, könnten ihre Lizenz verlieren. Die Regel gilt nicht für Fahrer mit Sitz in Brüssel, darunter rund 400 Fahrer mit flämischer Lizenz am Flughafen, und betrifft einen besonders vielfältigen Teil des Mobilitätssektors. (Juni 2025, Quelle: belganewsagency.eu/dutch-language-requirement-for-taxi-drivers-in-flanders-starts-1-july) 

Belgien rüstet sich für fahrerlose Personenbeförderung

Bolt und Pony.ai planen ab 2026 erste Tests autonomer Taxis in Europa und könnten bereits 2027 vollständig fahrerlose Dienste anbieten, so die Brussels Times. Während Belgien hierfür gesetzlich noch nicht gerüstet ist, arbeitet die Regierung an einem einheitlichen Regelwerk und fordert enge Zusammenarbeit aller Regionen. Europa steht dabei vor besonderen Herausforderungen: enge historische Stadtstrukturen, strenge Datenschutzauflagen und stark fragmentierte Regulierungen bremsen den Fortschritt. Gleichzeitig haben die USA und China mit großen autonomen Flotten einen deutlichen Vorsprung, weshalb Experten warnen, dass Europa ohne gezielte Investitionen und klare Rahmenbedingungen den Anschluss verlieren und seine traditionell starke Automobilindustrie langfristig gefährden könnte. (November 2025, Quelle: brusselstimes.com/1860169/self-driving-taxis-to-trial-in-europe-is-belgium-prepared-2)

Steigende Bolt-Provision sorgt für Frust bei Fahrern

Die Transportplattform Bolt erhöht ab dem 1. Oktober ihre Provision in Brüssel von 19,8 auf 23,8 Prozent und belastet damit mehr als die Hälfte der rund 5.000 Fahrer in Belgien, während Wallonien unberührt bleibt und Fahrer in Flandern dank eines Erstattungsmechanismus vorerst verschont werden. Wie die Brussels Times berichtet, rechtfertigt Bolt den Schritt mit steigenden Betriebskosten und kündigt an, die zusätzlichen Einnahmen zur Ankurbelung der Nachfrage zu reinvestieren. Die Belgische Taxiföderation (FeBeT) reagiert jedoch mit scharfer Kritik: Die Erhöhung schmälere die ohnehin knappen Nettoeinkommen der Fahrer, von denen viele bereits 12 bis 15 Stunden am Tag arbeiten müssten. Zudem verschärfe die Maßnahme den unfairen Wettbewerb zwischen streng regulierten Taxis und Plattformdiensten, die ihre Bedingungen frei festlegen können. FeBeT fordert deshalb umgehende Gespräche mit Behörden, Plattformen und Branchenvertretern. (September 2025, Quelle: brusselstimes.com/1752363/drivers-furious-as-bolt-raises-its-commission-in-brussels) 

WeRide expandiert mit Robobus nach Belgien

WeRide hat in Leuven seinen ersten Robobus in Belgien gestartet und erweitert damit seine globale Präsenz auf mittlerweile elf Märkte, nachdem das Unternehmen bereits in Frankreich, der Schweiz und Spanien aktiv wurde. Zwischen dem Bahnhof Leuven und Heverlee beginnen nun vorbereitende Testfahrten, bevor Mitte September öffentliche Straßentests mit Sicherheitsfahrer folgen, berichtet Autonomous Vehicle International. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung soll ab November ein Pilotbetrieb bis Januar 2026 laufen – der erste kommerzielle Einsatz autonomer Fahrzeuge im belgischen Mischverkehr. Das Projekt, getragen von De Lijn, der Stadt Leuven, Espaces-Mobilités und EIT Urban Mobility, soll die Verkehrssicherheit erhöhen, die erste und letzte Meile besser anbinden und langfristig vollständig fahrerlosen Betrieb ermöglichen. Gleichzeitig bereiten sich Betreiber und Behörden im Rahmen eines umfassenden Schulungsprogramms auf die Einführung autonomer Mobilität vor. (September 2025, Quelle: autonomousvehicleinternational.com/news/robotaxis/weride-expands-into-belgium-with-leuven-robobus-launch.html) 

Move EU fordert einfachere Regeln für Ride-Hailing

Ein neuer Bericht des Verbands Move EU zeigt, dass modernisierte EU-Regeln für Ride-Hailing bis zu 219.000 neue Arbeitsplätze schaffen und die CO₂-Emissionen europaweit um fast 30 Prozent senken könnten. Derzeit bremsen jedoch nationale Beschränkungen wie Lizenzobergrenzen, starre Mindestfahrpreise und „Return-to-Garage“-Pflichten sowohl wirtschaftliches Wachstum als auch ökologische Fortschritte, obwohl Ride-Hailing im Vergleich zu Privatwagen bereits rund ein Drittel weniger Emissionen verursacht und schneller auf emissionsfreie Fahrzeuge umstellt. Abgeordnete des Europäischen Parlaments fordern deshalb eine Harmonisierung der zersplitterten Gesetzgebung, um Mobilität effizienter und zugänglicher zu machen. Move EU betont, dass ein echter europäischer Ride-Hailing-Binnenmarkt unmittelbar spürbare Vorteile für Fahrer, Fahrgäste, Städte und die Klimaziele der EU bringen würde. (Oktober 2025, Quelle: move-eu.eu/news/a-single-market-for-ride-hailing-could-unlock-up-to-219-000-jobs-and-cut-co2-emissions-by-29-in-the-european-union) (lp)

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