Großer Opel mit den kleinen Schwächen
Der Opel Insignia war Opels Versuch, in der gehobenen Mittelklasse Flagge zu zeigen. Fünf Meter Länge, viele Assistenzsysteme, wahlweise Kombi oder Limousine – das Modell wirkte in seiner aktiven Zeit auf der Straße repräsentativ, ohne aufdringlich zu sein. Seit 2022 ist Schluss mit der Neuwagenproduktion, als Gebrauchtwagen bleibt der Insignia aber weiterhin ein Thema. Auch, weil er mit bequemen Sitzen, gutem Fahrkomfort und einem optionalen Matrix-LED-Licht punktet.
Doch so stattlich das Auto wirkt – unter der Oberfläche zeigen sich Schwächen. Das bestätigt nun auch der aktuelle TÜV-Report. Dort heißt es nüchtern: „Nicht ganz dicht.“ Gemeint ist der Motorraum.
Ölflecken auf der Bilanz
Insbesondere beim Insignia B, der ab 2017 gebaut wurde, fällt der häufige Ölverlust an Motor und Getriebe auf. Schon bei der ersten Hauptuntersuchung liegt die Mängelquote rund viermal höher als im Durchschnitt. Auch die Abgasuntersuchung verläuft nicht immer erfolgreich. Beim Vorgängermodell (Insignia A) bereiten zusätzlich Federn, Dämpfer und die Lenkanlage gelegentlich Probleme.
Ein Muster lässt sich erkennen: Je älter das Fahrzeug, desto größer die Wahrscheinlichkeit für technische Auffälligkeiten. Beim Lichtsystem etwa zeigt sich die Erstauflage anfälliger als die jüngere Generation – gerade beim Abblendlicht.
Fahrkomfort: Ja – Zuverlässigkeit: teils
Trotz dieser technischen Schattenseiten - wer hinter dem Steuer Platz nimmt, findet ein sattes Fahrgefühl vor, solide Geräuschdämmung und langstreckentaugliche Sitze. Das Infotainment wurde über die Jahre immer wieder modernisiert, die als Taxi verbreitete Kombiversion (Sports Tourer) bietet viel Stauraum.
Der Insignia B kann in bestimmten Bereichen auch TÜV-Techniker überzeugen: Fahrwerk und Lichtanlage etwa schneiden in der Regel gut ab, ebenso die Bremsanlage – abgesehen von den Bremsscheiben, die bei manchen Fahrzeugen bereits beim ersten Check Verschleiß zeigen.
Pannenstatistik spricht eine deutliche Sprache
Was die Pannenstatistik des ADAC angeht, ergibt sich ein differenziertes Bild. Fahrzeuge mit Erstzulassung 2009 gelten noch als mittelmäßig zuverlässig. Ab 2019 verschlechtert sich das Urteil: „zwischen mittel und sehr unzuverlässig“, heißt es. Immer wieder Probleme machen Starterbatterien (über fast alle Baujahre hinweg), aber auch Turbolader, Ladeluftkühler oder die Abgasrückführung. Technische Details wie CAN-Bus oder Zahnriemen bereiteten ebenfalls wiederholt Ärger.
Gebrauchtkauf mit Augenmaß
Wer sich für einen gebrauchten Insignia interessiert, sollte sich nicht von der äußeren Erscheinung allein leiten lassen. Ein genauer Blick auf die Wartungshistorie und eine sorgfältige Prüfung beim Kauf sind empfehlenswert. Dann kann der große Opel auch heute noch eine komfortable und alltagstaugliche Wahl sein – wenn man mit einem leicht öligen Händedruck leben kann.
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