Fahrbericht Leapmotor B03X Pro Max: Volltreffer?

Die Preise für Elektromobilität fallen kontinuierlich. Mit dem B03X stellt Leapmotor den ersten Elektro-Crossover auf dem deutschen Markt für unter 25.000 Euro vor. Wenn der Preis weiterhin eines der wichtigsten Argumente beim Elektroauto bleibt, scheint sein Erfolg kaum aufzuhalten zu sein.

Der B03X trifft ziemlich genau den Sweet Spot zwischen Kurz- und Langstrecke - und das ab unter 25.000 Euro. | Foto: Leapmotor
Der B03X trifft ziemlich genau den Sweet Spot zwischen Kurz- und Langstrecke - und das ab unter 25.000 Euro. | Foto: Leapmotor
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Der Leapmotor B03X heißt in China eigentlich A10. Doch diese Bezeichnung hat sich Audi bereits vor langer Zeit schützen lassen. Also trägt der 4,27 Meter lange Elektro-Crossover in Europa den Namen B03X. Klingt etwas sperriger, fährt aber genauso.

Die Basis startet ab 24.900 Euro brutto

Von seinen kompakten Abmessungen profitieren nicht allein die Insassen, sondern erstaunlicherweise auch das Kofferraumvolumen. Unter dem Ladeboden befindet sich ein großes Staufach, das die Kapazität auf bis zu 510 Liter erhöht – ein geradezu gigantischer Wert in der Liga der B-Segment-SUV. Neben der obligatorischen Beleuchtung bietet der Crossover hinter der Heckklappe eine 12-Volt-Steckdose, einen verstellbaren Ladeboden und Kunststoffe von eher mäßiger Qualität. Irgendwo müssen die 24.900 Euro Grundpreis schließlich herkommen.

Praktisch: Mit wenigen Handgriffen lassen sich die geteilten Rücksitze hochklappen, und schon entsteht im Fond ein riesiges Ladeabteil. Groß genug, um sogar eine Waschmaschine zu transportieren. Nicht unbedingt das klassische Wochenendprogramm eines SUV-Fahrers, aber gut zu wissen.

Viel Platz im Fond dank langem Radstand und „aufrechter“ Sitzposition

Der 2,61 Meter lange Radstand kommt insbesondere dem Platzangebot in der zweiten Reihe zugute. Ein 1,80 Meter großer Passagier findet dort bequem Platz, wobei zwischen Kopf und Dach drei Fingerbreit Luft bleiben und zwischen Knie und Vordersitzlehne sogar zehn Zentimeter Abstand für ein angenehmes Raumgefühl sorgen. Die überschaubare Fahrzeugbreite sollte dem Fond allerdings besser nur zwei Insassen zumuten. Drei gehen vermutlich auch – wenn sie sich wirklich gut verstehen.

Recht lieblos und verwechselbar präsentiert sich dagegen die Armaturentafel. Das Cockpit lässt jeden eigenständigen Charakter vermissen und könnte so ähnlich auch in einem halben Dutzend anderer Elektroautos stecken. Neben einer 8,8 Zoll großen Instrumenteneinheit gefällt immerhin das zentrale 14,6-Zoll-Display mit gestochen scharfer Auflösung in der Mitte des Armaturenbretts.

Bessere und touchlastige Software, die aber weiter Luft nach oben lässt

Die Software wurde im Vergleich zu anderen Leapmotor-Modellen verbessert, doch der Sprachassistent spricht und versteht bestenfalls Englisch – und das ungefähr auf dem Niveau eines Erstklässlers. Eine tiefschürfende Unterhaltung sollte man also besser mit dem Beifahrer führen.

Abgesehen von der Bedienung der Lenksäule, des Fahrersitzes und der Fensterheber muss alles Weitere über den Zentralbildschirm oder am Lenkrad justiert werden. Das ist alles andere als praktisch. Dazu sind die Symbole am Lenkrad kaum lesbar. Offenbar gehört es mittlerweile zum guten Ton moderner Elektroautos, möglichst viele simple Funktionen dort zu verstecken, wo man sie während der Fahrt am wenigsten gebrauchen kann.

Besser gefällt das Kunstleder, das weite Teile des Armaturenbretts und der Türtafeln bedeckt. Das wirkt durchaus ordentlich und sieht bei vielen Wettbewerbern im B-SUV-Segment schlechter aus. Billig muss schließlich nicht zwangsläufig billig aussehen.

Aktuell ist der Leapmotor B03X in zwei Versionen zu bekommen. Die kleine 40-kWh-Batterie bietet eher schmale 292 Kilometer Reichweite und 130 kW / 177 PS Leistung. Damit dürfte für die meisten Interessenten die 53-kWh-Version die bessere Wahl sein. Sie leistet 145 kW / 197 PS und kommt auf immerhin 382 Kilometer Reichweite, erhöht den Preis allerdings auf 29.400 Euro.

Schnellladen ist so schnell leider nicht

Leider hat es der B03X nicht besonders mit dem Tempo. Bereits bei 160 km/h wird abgeregelt, und auch die maximale Ladeleistung von 133 kW dürfte an deutschen Schnellladesäulen kaum spontane Begeisterungsstürme auslösen. Die Basisversion lädt sogar nur mit maximal 100 kW. Schnell ist anders.

Wenig überraschend spielt der Leapmotor B03X seine Stärken vor allem in der City aus. Die Lenkung ist allerdings zu leichtgängig und vermittelt kaum ein Gefühl dafür, was unter den Vorderrädern gerade passiert. Besonders künstlich wirkt das Fahrverhalten in den beiden Modi Komfort und Standard. Im Sportprogramm wird es etwas besser – aus einer PlayStation wird dadurch allerdings noch keine Fahrmaschine.

Die Abstimmung von Federung und Dämpfung ist betont komfortabel und reduziert die Querbewegungen der Karosserie, solange man es mit dem Tempo nicht übertreibt. Mitunter hat der Leapmotor jedoch Probleme, seine alles andere als üppige Motorleistung über die Vorderachse auf die Straße zu bekommen. Knapp 200 PS können trotzdem an den Vorderrädern zerren.

An Kraft mangelt es trotzdem nicht. Besonders im Stadtverkehr, aber auch auf Schnellstraßen geht der B-SUV von Leapmotor engagiert zur Sache und tritt ohne nennenswerte Verzögerung an. Der 1,6 Tonnen schwere Fronttriebler bewegt sich in der Stadt ausgesprochen flott, und auch auf Landstraßen oder bei gemäßigtem Autobahntempo gefällt der B03X.

Die Lenkung zeigt sich eher chinesisch künstlich

Besser als die künstlich wirkende Lenkung präsentieren sich die gut dosierbaren Bremsen. Im normalen Fahrbetrieb übernimmt ohnehin die Rekuperation einen Großteil der Arbeit, die sich in drei Stufen einstellen lässt. Beim ersten Fahrtest zeigte sich der B03X erfreulich sparsam und unterbot sogar den Werksverbrauch von 15,7 kWh pro 100 Kilometer. Das schaffen bei ersten Testfahrten längst nicht alle Elektroautos.

Praktisch: Die Sitzflächen der Rückbank der Rückbank lassen sich wie beim Honda Jazz mit wenigen Handgriffen hochklappen und schaffen zusätzlichen vertikalen Stauraum – ideal für große oder sperrige Gegenstände. „Magic Seats“ nennt Leap Motor das.

Und dann ist da natürlich der Preis.

Mit einem Einstiegspreis von 24.900 Euro für die Version mit kleiner Batterie im Basispaket Life dürfte der kompakte Elektro-SUV viele Kunden locken. Schließlich ist er damit das günstigste Angebot in diesem Segment. Konkurrenten wie BYD Atto 2, Fiat 600e, Ford Puma, Peugeot e-2008 oder Opel Mokka kosten durchweg zwischen 30.000 und 35.000 Euro. Der Citroën ë-C3 ist das einzige Modell, das preislich auf Augenhöhe liegt, technisch jedoch einfacher gehalten ist und eine deutlich kleinere Reichweite bietet.

Interessant: Standardfarbe ist „Acorn-brown“, alle anderen kosten 650 Euro Aufpreis. Wobei Leapmotor sich ohnehin eher bunt gibt und bei den Nichtfarben nur silber oder dunkelgrau metallic als Alternativen anbietet.

Was bedeutet das?

Der B03X ist damit kein Elektroauto, das man wegen seiner aufregenden Lenkung, seines unverwechselbaren Cockpits oder seiner atemberaubenden Ladeleistung kaufen wird. Man kauft ihn, weil er viel Platz, ordentliche Fahrleistungen, einen überraschend niedrigen Verbrauch und vor allem sehr viel Elektroauto fürs Geld bietet. Die bessere Wahl ist dabei der 29.400 Euro teure B03X Pro Max. Für knapp 30.000 Euro gibt es 197 PS, 53 kWh Batterie und bis zu 382 Kilometer Reichweite. Nicht spektakulär. Aber verdammt schwer zu ignorieren.

Den B03X Pro Max fuhr für uns Joaquim Oliveira von press-inform

Technische Daten: Leapmotor B03X Pro Max

Motor: Elektro, vorn
Leistung: 145 kW / 197 PS
Max. Drehmoment: 200 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 8,6 Sekunden
Akkugröße: 39,8/53 kWh / LFP
Normverbrauch: 15,7 kWh / 100 km
Max. DC-Ladegeschwindigkeit: 133 kW
Reichweite: 292/382 km nach WLTP
Leergewicht: ab 1.525 kg
Ladevolumen: 407 – 1358 Liter
Basispreis: ab 24.900 Euro brutto/ 20.924,37 Euro netto

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