Xiaomi Sky Nomad N70 und N90 Max: Die Luftschlösser
5,3 Meter ist aktuell das Maß, auf dem sich alle chinesischen Range-Rover-Gegner einpendeln. Und mit diesem fordert man auch gleich die übrigen britischen und deutschen Premium-Größen heraus. Klar ist: Auch Der Xiaomi klotzt und kleckert gar nicht erst rum. Der Sky Nomad N90 Max. stellt sich einfach zwischen die Euro-Riesen und alle chinesischen Konkurrenten, die auf „9“ oder „90“ enden….
Die Preise starten in China bei unter 40.000 Euro
Und während sich europäische Hersteller seit Jahren gegenseitig erklären, warum ein echtes Leder, ein extra Soundsystem und Einzelsitze im Fond leider richtig viel Geld kosten, rollt Xiaomi mit einem Siebensitzer vor, der ungefähr so viel kostet wie die Aufpreisliste eines Mercedes GLS: Der N90 beginnt bei rund 300.000 Yuan, das sind umgerechnet ungefähr 38.500 Euro! Dafür kriegt man bei Porsche jede Farbe für den Cayenne und einen speziellen Schlüssel in ebendiesem Lack und sonst… schon nicht mehr allzuviel.
Gut, In Europa müssen wir eher von 79.000 oder gar 89.000 Euro ausgehen, womit der „Full-Spec“-Riese dort endet, wo der Cayenne beginnt. Die üblichen Verdächtigen – BMW X7, Mercedes GLS, Audi Q9 oder Range Rover – dürfen sich schon einmal warm anziehen. Nicht, weil Xiaomi sie kopiert. Sondern weil die Chinesen offenbar beschlossen haben, sämtliche Komfortideen der vergangenen zehn Jahre in einen einzigen Wagen zu werfen und anschließend den Preis zu halbieren.
Der N70 dürfte besser nach Europa passen…
Gefährlicher aber ist der kleinere Nomad N70. Der misst bereits stattliche 4,96 Meter. In China startet der fünfsitzige N70 bei gerade einmal 260.000 Yuan, umgerechnet sind das rund 33.000 Euro. Im kommenden Jahr sollen beide Modelle auch nach Europa und damit nach Deutschland kommen. Und ja, wenn man den „Kleinen“ ab 69.000 Euro anböte, wäre das schon eine Ansage. Für europäische Premiumhersteller dürfte das ungefähr so angenehm sein wie ein Zahnarzttermin mit Presslufthammer. Wobei: In der Klasse zählt Image…
Die Antriebe: Elektro plus 1,5 Liter-Verbrenner
Technisch setzt Xiaomi auf seine neue sogenannte „Kunlun-Plattform“ und kombiniert Elektroantrieb mit Range Extender. Im N90 Max arbeiten zwei Elektromotoren zusammen: vorne 210 kW (286 PS), hinten 100 kW (136 PS) stark. Den Strom liefert ein Akku mit je nach Version 52 bis 76 kWh, nachgeladen wird unterwegs von einem 1,5-Liter-Turbobenziner mit 112 kW (154 PS), der ausschließlich als Generator arbeitet. Mittlerweile haben sich 1,5 Liter als das Optimalmaß aus Leistung und Wirkungsgrad erwiesen.
Das Ergebnis lässt aufhorchen. Rein elektrisch schafft der Nomad je nach Ausführung 460 bis 500 Kilometer, was sehr optimistisch klingt und China-Norm ist. Doch real werden davon bei DEN Akkugrößen immer 200 bis 300 bleiben. Sind Akku und Tank voll, stehen nach chinesischem Prüfzyklus unglaubliche 1.700 Kilometer auf dem Datenblatt – nach WLTP wären es immer noch knapp 1.500 Kilometer, real also um die 1.000…. anders formuliert: Tanken würde wieder so nebensächlich wie mit einem direkteinspritzenden Turbodiesel…
Keine Topwerte holt er bei den Fahrleistungen, da bleiben die „Nomaden der Lüfte“ auf dem Teppich: 190 km/h Topspeed, 5,9 Sekunden auf Tempo 100 sowie 75 cm Wattiefe toppt zumindest ein Range Rover locker – nie aber die „Range“…
Das Fahrwerk kommt mit Doppelquerlenkern vorne, Mehrlenkerachse hinten, natürlich elektronisch geregelten Dämpfern. Und die adaptive Luftfederung sorgt mit all dem dafür, dass der rollende Wolkenkratzer auch in Kurven souverän bleibt.
Ein Innenraum wie eine kleine Studentenwohnung
Der Radstand schafft Platzverhältnisse, bei denen manche Einzimmerwohnung neidisch wird. Die Einzelsitze der zweiten Reihe gleiten auf 1,94 Meter langen Schienen, lassen sich vollständig in Liegesitze verwandeln und bieten 1,55 Meter Beinfreiheit – ein Wert, den derzeit kein anderes Fahrzeug dieser Klasse erreichen soll, wobei sich China hier mit gigantomanischen Viersitzern der höchsten Dekadenzstufe gerade gegenseitig überbietet….
Und weil normale Sitze offenbar zu langweilig sind, drehen sich die Vordersitze auf Wunsch um 180 Grad. Dazwischen klappt ein Tisch heraus, sodass Besprechungen, Videokonferenzen oder vermutlich auch eine gepflegte Runde Poker möglich sind. Die Türen öffnen per Sprachbefehl oder Gestensteuerung, eine elektrische Trittstufe fährt aus, und Xiaomi betont mit sichtlichem Stolz, dass 95 Prozent aller Oberflächen weich unterschäumt sind. Insgesamt sprechen wir von rund 32 Quadratmetern Softtouch-Material. Das ist mehr gepolsterte Fläche wie in zwei Studentenwohnungen...
Zwölf USB-Anschlüsse, Platz für fünf Notebooks
Dazu kommen zwölf(!) USB-Anschlüsse, klimatisierte Massagesitze, ein großer ausklappbarer Bildschirm im Fond und ein Neun-Liter-Kühlschrank in der Mittelkonsole, während das Handschuhfach groß genug sein soll, um fünf(!) Notebooks aufzunehmen. Man fragt sich unweigerlich, wer mit fünf Laptops unterwegs ist. Vermutlich dieselben Leute, die während der Fahrt Videokonferenzen abhalten. Wozu es den Sechssitzer braucht, denn (noch) muss ja eine(r ) fahren…
Praktisch kann der Gigant ebenfalls. Verschwindet die dritte Sitzreihe elektrisch im Fahrzeugboden, wächst das Ladevolumen auf 1.831 Liter. Klappt man zweite und dritte Reihe um, entsteht eine 2,30 Meter lange Liegefläche. Xiaomi bietet dafür natürlich gleich ein passendes Campingpaket mit ausklappbarem Heckzelt an. Und weil Ruhe manchmal überbewertet wird, beschallen auf Wunsch bis zu 25 Lautsprecher das mobile Schlafzimmer.
Es geht darum, was man mit solchen Luftschlössern THEORETISCH tun könnte
Ja, die Luftnomaden bauen neue Luftschlösser und kopieren dabei ziemlich dreist den Range Rover. Aber Was sie auch inhaltlich tun: Es ist beruhigend zu wissen, dass man theoretisch einen Fluss durchqueren könnte – direkt nachdem man die Videokonferenz beendet und den Champagner aus dem Kühlschrank genommen hat.
Und genau das ist der eigentliche Punkt. Die Xiaomi Sky Nomaden N70 und N90 Max versuchen gar nicht erst, europäische Luxus-SUV höflich herauszufordern. Sie marschiert in die Klasse hinein, posten ihr Datenblatt und schreiben einen Preis dran, wo manche europäischen Luxusliner noch nicht mal anfangen….
Was bedeutet das?
Aktuell hat China die 5,0 bis 5,3-Meter-Klasse der Oberklasse-SUV auf dem Kieker. Leider immer mit Range-Extender, aber der kann schon auf so große Akkus zurückgreifen, dass man ohnehin meist elektrisch unterwegs ist…und das zu Preisen in der Regel südlich der Sechsstelligkeit! Und DAS ist das Entscheidende.
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