Fahrbericht BYD Atto 3 Evo AWD: Ultra-Upgrade mit 800-Volt-Architektur und bis zu 449 PS
Heeeeey, BYD! Da revolutioniert ihr die Kompaktklasse und dann sieht das Auto aus wie der Vorgänger und erhält zur Differenzierung das dezente Kürzelchen „evo". Dabei rollt der Atto 3 die Kompaktklasse auf, aber so richtig! Bislang war das kompakte SUV vor allem ein Angebot für Preisbewusste mit Sinn für Eigenheiten. Innenraumdetails wie gespannte „Gitarrensaiten“ in den Türen oder hantelartige Türgriffe setzten bewusst Kontrapunkte zum europäischen Geschmack. Technisch hingegen hielt sich der Atto 3 eher im Mittelfeld auf. Genau dort setzt die Überarbeitung an – und greift tiefer ein, als es die Bezeichnung Facelift vermuten lässt.
Ganz neue Basis, ganz neue Ambitionen
Im Kern arbeitet nun die weiterentwickelte e-Plattform 3.0, eine reine Elektroarchitektur aus eigener Entwicklung. Sie integriert zentrale Komponenten wie Motor, Steuerung, Getriebe, Onboard-Lader und Batteriemanagement in einem 8-in-1-System. Das spart Bauraum, verbessert die thermische Steuerung und steigert die Effizienz. Die sogenannte Blade-Batterie, eine Lithium-Eisenphosphat-Konstruktion, ist tragend in die Karosserie eingebunden (Cell-to-Body). Das erhöht die Steifigkeit und nutzt den Raum besser aus. Eine serienmäßige Wärmepumpe sowie gezielte Batterieheizung und -kühlung sollen den Energieverbrauch vor allem bei niedrigen Temperaturen senken – laut Hersteller um bis zu 20 Prozent. Im Alltag dürfte das ein relevanter Faktor sein.
Von der 800-Volt-Plattform nutzt die Akkuspannung leider nur deren 500…
Entscheidend bleibt bei Elektroautos die Ladeleistung. Hier legt der Atto 3 Evo deutlich zu: Bis zu 220 kW Gleichstromleistung stehen an der Säule bereit. Der Sprint von 10 auf 80 Prozent dauert rund 25 Minuten – ein spürbarer Fortschritt gegenüber dem bisherigen Modell. Im Wettbewerbsumfeld positioniert sich das SUV damit solide. Ein Volkswagen ID.4 benötigt mit vergleichbarer Batterie etwa 28 Minuten, der Kia EV3 liegt je nach Variante bei knapp 30 Minuten, und auch der Volvo EX30 bewegt sich in ähnlichen Regionen. Die nominelle 800-Volt-Architektur relativiert sich allerdings: Die tatsächliche Batteriespannung liegt bei rund 500 Volt.
Die Leistung: Massivst mehr! Beim Topmodell 330 statt 150 kW….
Noch deutlicher fällt der Sprung beim Antrieb aus. Während der bisherige Atto 3 mit 150 kW auskam, mobilisiert die Allradversion nun 330 kW (449 PS) und 560 Newtonmeter. Zwei Elektromotoren arbeiten zusammen: hinten ein permanenterregter Synchronmotor mit 230 kW, vorne ein Asynchronmotor mit 100 kW, der bei Bedarf zugeschaltet wird. Das Ergebnis: 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden, Schluss bei 200 km/h. Die Kraftverteilung bleibt hecklastig, maximal rund 40 Prozent gehen nach vorn. Ein elektronisches Regelsystem namens iTAC koordiniert die Drehmomente und verbessert die Traktion. Alternativ gibt es eine Heckantriebsvariante mit 230 kW (313 PS), die den Spurt in 5,5 Sekunden erledigt und bis zu 510 Kilometer Reichweite ermöglicht.
Fahrwerk mit Fortschritten – und bei der Reichweite nur im Mittelfeld
Beim Fahrwerk setzt BYD nun auf eine Mehrlenker-Hinterachse. Die Abstimmung wirkt insgesamt reifer: Auf langen Strecken bleibt das SUV komfortabel, ohne stark nachzuschwingen. Unebenheiten quittiert es jedoch weiterhin etwas harsch. Die Lenkung liefert mehr Rückmeldung als zuvor, wirkt aber nach wie vor etwas künstlich. Auch die Sitzposition ist nicht ganz optimal – uns fielen hier kurze Oberschenkelauflagen und begrenzter Seitenhalt auf – man sitzt nach wie vor ein bisschen mehr „auf“ als „im“ Atto…. Im Alltag überzeugt der Antrieb mit Gelassenheit. Selbst im Eco-Modus stehen ausreichend Reserven bereit. Die Rekuperation bleibt zurückhaltend dosiert, was den Umstieg erleichtert, aber wenig Eingriff bietet. Auf unseren ersten Ausfahrten lag der Verbrauch laut Anzeige bei 17,4 kWh/100 km, das sind brutto mit Ladeverlusten rund 19,1 kWh/100 km – geht in Ordnung.
Die Allradversion kommt auf bis zu 470 Kilometer nach WLTP, der Hecktriebler auf 510 Kilometer. Real bleiben davon dann gut 300 bis 350 Kilometzer übrig. Damit liegt der Atto 3 Evo im Mittelfeld. Ein Volkswagen ID.4 GTX schafft etwas mehr, der Kia EV3 Long Range deutlich darüber, während der Volvo EX30 ähnlich positioniert ist. Beim Laden punktet der BYD, bei der Reichweite bleibt er konventionell.
BYD hat auch den Rohbau angefasst – was außen nicht zu sehen ist
Unverändert bleiben die äußeren Maße (rund 4,46 Meter Länge), doch innen wächst das Raumangebot. Der Kofferraum fasst nun 490 Liter, bei umgelegter Rückbank bis zu 1.360 Liter. Hinzu kommt ein 95-Liter-Frunk unter der Fronthaube – praktisch für Kabel und Kleinteile. Der Innenraum wirkt aufgeräumter: Der Wahlhebel wandert an die Lenksäule, zwischen den Sitzen entsteht Stauraum. Materialien und Verarbeitung machen einen gereifteren Eindruck, auch wenn der verspielte Stil mit Anleihen aus Fitness- und Tonstudio bleibt.
Zentrales Element bleibt der drehbare 15,6-Zoll-Touchscreen. Neu sind die integrierten Google-Dienste, das überarbeitete 8,8-Zoll-Kombiinstrument und das Head-up-Display. Smartphones können kabellos und gekühlt geladen werden. Funktionen wie Vehicle-to-Load (bis 3 kW) erweitern den Nutzwert, beispielsweise für Camping.
Auch die Sicherheitsausstattung kann sich sehen lassen: Sieben Airbags und verschiedene Assistenzsysteme, vom adaptiven Tempomat bis hin zum Spurhalteassistenten, sind serienmäßig an Bord. Allerdings ist die Verkehrszeichenerkennung nach wie vor nicht so zuverlässig, wie man es sich wünschen würde. Mit diesem Problem steht BYD allerdings nicht allein…
Mit Förderung startet der Atto Evo 3 ab 33.990 Euro!
Die Preise starten bei 44.990 Euro für die Heckantriebsversion „Design“ und reichen bis 50.990 Euro für die Allradvariante „Excellence“. Mit der E-Auto-Förderprämie von maximal 6.000 Euro und dem zusätzlichen Nachlass von 11.000 Euro von BYD werden daraus bei dem Allradler 33.990 Euro – das ist ein Kampfpreis!
Was bedeutet das?
Der Atto 3 Evo ist kein kosmetisches Update, sondern ein technischer Schritt nach vorn. Mehr Leistung, deutlich schnelleres Laden und eine modernisierte Plattform lassen das SUV innerhalb der europäischen Wettbewerber weit nach vorn fahren. In manchen Disziplinen zieht es vorbei, in anderen bleibt es im Mittelfeld. Der BYD bleibt ein SUV mit eigenem Charakter. Wo sonst könnte man an den „Gitarrensaiten“ der Türverkleidung das Intro von „Smoke on the Water“ zupfen?
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