Schutz: Active Heel Airbag für den Fußraum von ZF Lifetec

Im besten Fall werden die Fahrzeuginsassen bei einem Unfall komplett in Airbags "gepackt". Diesem Ideal kommt man mit dem Fußairbag von ZF Lifetec erneut einen Schritt näher. Ab 2028 könnte der neue Fußairbag in Serie gehen.

Der Active Heel Airbag soll vor allem bei nach hinten gerückter Sitzposition die Sicherheit massiv erhöhen. (Foto: ZF Lifetec)
Der Active Heel Airbag soll vor allem bei nach hinten gerückter Sitzposition die Sicherheit massiv erhöhen. (Foto: ZF Lifetec)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Der klassische Knieairbag gehört längst zur Standardausstattung vieler Fahrzeuge. Gemeinsam mit dem Sicherheitsgurt und dem Frontal-Airbag bildet er ein wirkungsvolles Rückhaltesystem, das den Schutz der Insassen erheblich verbessern kann.

Indem ein Teil der Aufprallenergie über Knie und Oberschenkel in die Fahrzeugstruktur abgeleitet wird, werden lebensgefährliche Verletzungen im Brustbereich deutlich reduziert. Doch seine volle Wirksamkeit entfaltet der Knieairbag nur, wenn die Füße des Insassen stabil im Fußraum positioniert bleiben.

Das Problem: Bei zurückgeschobenem Sitz verliert der Fuß seinen Fersenauflaufpunkt

Die Herausforderung: Mit dem Vormarsch des autonomen Fahrens gewinnen Komfort und Flexibilität in der Sitzposition zunehmend an Bedeutung. Während der Fahrt könnten Sitze künftig deutlich weiter zurückgeschoben werden. Die Füße entfernen sich dann vom Fahrzeugboden – der Fersenauflaufpunkt, der für eine kontrollierte Kniebahnkurve sorgt, geht verloren. Die Folge: Der Knieairbag erreicht nicht mehr die volle Schutzwirkung.

Hier kommt der „Active Heel Airbag“ von ZF Lifetec ins Spiel. Dieser neuartige Sicherheitsairbag wird direkt im Fahrzeugboden integriert und schafft einen zusätzlichen Auflaufpunkt für die Ferse. „Fehlt der Fersenauflaufpunkt, ist ein effektives Eintauchen der Knie in den Airbag kaum möglich und der Knieairbag erzielt nicht seine volle Wirkung“, erklärt Harald Lutz, Entwicklungsleiter bei ZF Lifetec. Die Knie verlieren ihre stabile Abstützung, was zu einer unkontrollierten Bewegung der Beine führen kann. Zwar ist die Gefahr tödlicher Verletzungen gering, jedoch steigt das Risiko schwerer Bein- und Fußverletzungen erheblich.

In herkömmlicher Sitzposition bietet der Fahrzeugboden ausreichend Stabilität. Insassen auf den vorderen Plätzen können ihre Füße sicher abstützen, sodass das Kniegelenk im optimalen Winkel auf den Knieairbag trifft. Ein großer Teil der Aufprallenergie wird dabei über den stabilen Oberschenkelknochen in die Fahrzeugstruktur geleitet. Anders sieht es aus, wenn die Sitze in eine zurückgelehnte Komfortposition gebracht werden. Der Abstand der Fersen zum Boden vergrößert sich – eine kontrollierte Führung der Knie ist dann kaum noch möglich.

Der Active Heel Airbag stützt das Bein von unten

Der Active Heel Airbag löst genau dieses Problem. Bei einem Unfall bläst sich der Airbag unter dem Teppich im Fußraum auf und bietet der Ferse eine stabile, homogene Auflagefläche. Er schützt nicht nur das Knie, sondern reduziert auch die Gefahr von Verletzungen durch das Umknicken des Fußes beim Aufprall auf Kanten wie dem Bremspedal.

Das System lässt sich ohne zusätzlichen Bauraum direkt in den Fußraum integrieren – sowohl auf der Fahrer- als auch auf der Beifahrerseite.

Adaption in fast jedem Fahrzeug möglich

Besonders clever: Der Airbag kann automatisch aktiviert werden, sobald das Fahrzeug in den assistierten Fahrmodus wechselt. Alternativ lässt er sich per Komfortpositionsknopf oder kamerabasierte Innenraumüberwachung aktivieren. Nach Angaben von ZF Lifetec ist die Adaption des Systems in nahezu jedem Fahrzeugmodell weltweit möglich. Ein Serieneinsatz des Active Heel Airbags könnte bereits ab 2028 Realität werden.

Was bedeutet das?

Eine „einfache“ und clevere Idee: ZF hat auch schon einen Gurtairbag vorgestellt. Zusammen mit Front-, Knie-, Mitten- und Seitenairbags können die Insassen künftig praktisch rundum geschützt werden.

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