Facelift Volvo XC40 & EX40: Thors Hammer trifft auf KI

Nach acht Jahren spendiert Volvo EX40 und XC40 ein Facelift, 11,2-Zoll-Display und Google Gemini. Dazu eine nachgeschärfte Fahrassistenz und nachgeschärfte LEDs.

XC40 (hinten) und EX40 erhielten einen komplett neuen Vorderwagen. | Foto: G. Soller
XC40 (hinten) und EX40 erhielten einen komplett neuen Vorderwagen. | Foto: G. Soller
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Volvo hat seine kompakten SUVs zum Facelift geschickt. XC40 und Elektrobruder EX40 bekommen einen komplett neuen Vorderwagen, mehr Technik, mehr Sicherheitsassistenten und einen größeren 11,2-Zoll-Bildschirm. Revolution? Die blieb aus. Aber wenn ein Auto ohnehin funktioniert, muss man ja nicht gleich die Axt respektive den Hammer auspacken. Nicht einmal, wenn sie Thor gehören.

Optisch wird vor allem vorne nachgeschärft. Kühlergrill, Stoßfänger, Motorhaube und Kotflügel kamen komplett neu, dazu kommt eine neue Interpretation der typischen „Thors Hammer“-Scheinwerfer. Die Lichtsignatur ist jetzt reduzierter und klarer, dahinter steckt serienmäßig Matrix-LED-Technik mit 15 Segmenten. Hinten gibt es ebenfalls neue LED-Leuchten sowie eine überarbeitete Heckklappe und einen neuen Stoßfänger. Und ja, das sieht tatsächlich alles viel moderner aus – wie wir feststellten, als wir außerhalb des Volvo-Werks in Torslanda wieder den „Vorgänger“ sahen.

Das Ergebnis bleibt trotzdem skandinavisch-dezent: keine riesigen Nüstern, keine Lichtorgel über die gesamte Fahrzeugbreite und keine Front, die aussieht, als wolle sie den Vordermann fressen. Stattdessen skandinavische Zurückhaltung – nur eben etwas präziser gezeichnet.

 

Größerer Bildschirm – und jetzt redet Gemini mit

Auch innen wurde modernisiert. Im Zentrum sitzt jetzt bei allen Varianten ein 11,2 Zoll großer Touchscreen. Er ist nicht nur größer und schärfer, Volvo will auch die Menüstruktur vereinfacht haben, sodass wichtige Funktionen mit weniger Fingergymnastik erreichbar sind. Er ist allerdings nicht mehr in die Armaturentafel intergriert, sondern „schwebt“ davor. Was ein bisschen aufgesetzt aussieht, was er ja auch ist. Dafür hängt er eben ein paar Millimeter näher an den vorderen Insassen, die ihn so auch wegen der gewachsenen Größe – tatsächlich besser bedienen können.

Interessanter ist Google Gemini. Der KI-Sprachassistent zieht serienmäßig ein und soll natürlichere Gespräche ermöglichen. Navi, Informationen oder Fahrzeugfunktionen lassen sich damit per Sprache bedienen. Das klingt zunächst nach Spielerei, ergibt im Auto aber durchaus Sinn: Je weniger man während der Fahrt auf einem Touchscreen herumtippen muss, desto besser. Das konnten wir vollumfänglich allerdings noch nicht praktisch testen.

Und weil 2026 haben, muss das Auto für Verbesserungen nicht mehr in die Werkstatt. Software, Betriebssystem und neue Funktionen können per Over-the-Air-Update aktualisiert werden.

 

Volvo wäre nicht Volvo ohne eine Armada von Sensoren

Beim Thema Sicherheit hat Göteborg ebenfalls nachgelegt. Eine neue Software- und Sensorplattform kombiniert Frontkamera, Radar an Front, Heck und Fahrzeugecken, zwölf Ultraschallsensoren und neue Parkkameras. Und Eva Lathi, ihres Zeichens Engineering Managerin im Safety Center und für genau diese Funktionen zuständig, erklärte uns, dass sowohl die Hardware besser auflöst, als auch die Software besser rechnet und das Auto so tatsächlich nochmal sicherer geworden sei. Um all das Unterzubringen, vergrößerte man übrigens auch das Volvo-Logo an der Front, das Kameras und Sensoren kaschiert.

Damit kommen neue Assistenzfunktionen. Ein automatischer Notlenkassistent unterstützt bei plötzlichen Ausweichmanövern, während der Door Opening Alert davor warnt, einem herannahenden Radfahrer die Tür vor die Nase zu knallen. BLIS zur Totwinkelüberwachung gehört nun ebenfalls zur Serienausstattung.

Der optionale Pilot Assist bekommt außerdem einen Spurwechselassistenten und soll das Fahrzeug geschmeidiger durch die Spur führen. Die 360-Grad-Kamera erhält eine 3D-Darstellung. Praktisch für alle, die beim Einparken gerne wissen möchten, welche sündhaft teure Felge gerade wie nah am Bordstein ist. Und auch die bietet Volvo aus optischen Gründen gern an – plan und je nach Radgröße und Styling auch dezent kratzempfindlich.

 

EX40: Der interessante Teil fährt elektrisch

Bei den Antrieben trennen sich XC40 und EX40. Der EX40 fährt ausschließlich elektrisch und bekommt im Zuge der Modellpflege neue Bezeichnungen.

Los geht es mit dem P5 Electric. Er leistet 175 kW beziehungsweise 238 PS, nutzt eine 70-kWh-Batterie und schafft laut WLTP bis zu 477 Kilometer. Wovon real im worst case rund 300 übrig bleiben dürften. Was eigentlich genügt. Zumal er mit bis zu 205 kW lädt und den Hub von 10 auf 80% SOC so in 26 Minuten schaffen soll.

Darüber rangiert der P5 Long Range Electric mit 185 kW beziehungsweise 252 PS. Seine größere 82-kWh-Batterie erhöht die WLTP-Reichweite auf bis zu 576 Kilometer. Davon bleiben real um die 350 bis 400 Kilometer. Das dürfte für viele die vernünftigste Variante sein: ordentlich Leistung, große Batterie und eine Reichweite, bei der nicht jede Autobahnfahrt zur persönlichen Ladesäulen-Dokumentation wird. Er braucht für den Hub von 10 auf 80% auch nur 28 Minuten.

Und dann gibt es den P8 Performance AWD.

Zwei Elektromotoren, Allradantrieb, 325 kW – also 442 PS. Reichweite: bis zu 538 Kilometer – real auch 300 bis 350 je nach Fahrweise.... Das ist eine bemerkenswerte Menge Leistung für ein Auto, dessen optische Grundbotschaft weiterhin ungefähr „Ich habe eine sehr gut sortierte Küche“ lautet. Kein Spoilergebirge, keine martialische Kriegsbemalung. Einfach ein 444 Zentimeter langer Volvo mit 442 elektrischen Pferden. Understatement kann ziemlich schnell sein.

Geladen wird zu Hause und an AC-Säulen mit 11 kW, am DC-Schnelllader sind bis zu 205 kW möglich. Ein intelligentes Batterietemperaturmanagement soll die Ladezeit verkürzen und die Reichweite optimieren. Eine Wärmepumpe ist serienmäßig.

Trotzdem etwas schade, dass der EX40 weder bei Effizienz noch bei Akkugröße oder Reichweite wirklich was drauflegte, denn leider gehört er nicht zu den wirklich genügsamen Gesellen im Segment, was auch WLTP-Verbräuche weit nördlich der 16 kWh/100 km schon andeuten und unsere Tests dann bestätigten.

Und wer noch nicht laden möchte? XC40. Das Coupé entfällt allerdings!

Volvo schickt den Verbrenner allerdings noch nicht in Rente. Der XC40 bleibt mit zwei Mildhybrid-Benzinern im Programm. Das Coupé fliegt in Deutschland allerdings aus dem Programm: Es verkaufte sich 2025 keine 600 mal mehr…

Der B3 kombiniert einen Zweiliter-Turbo-Vierzylinder mit 48-Volt-Technik und leistet 163 PS. Darüber steht der B4 mit 197 PS. Beide übertragen ihre Leistung über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

Beim stärkeren B4 setzt Volvo zudem auf Miller-Steuerzeiten, um den thermischen Wirkungsgrad zu verbessern. Laut Hersteller sinken dadurch die CO₂-Emissionen im WLTP-Zyklus um bis zu fünf Prozent. Erkennbar sind die Verbrenner am Grill vorn und der Option, sie mit Teilleder zu bestellen, womit sich der Verbrenner tatsächlich als „Fleisch“-Alternative zum vegan ausgestatteten Elektriker gibt.

Mehr Serie für alle

Unabhängig vom Antrieb legt Volvo auch bei der Ausstattung nach. Schon die Basislinie Essential bekommt jetzt Matrix-LED-Scheinwerfer, den 11,2-Zoll-Touchscreen, Google Gemini, Einparkhilfe vorne und hinten, automatisch abblendende Spiegel, BLIS und Door Opening Alert.

Darüber folgen Core, Plus und Ultra. Wer seinen Schweden mehr nach Batman aussehen lassen möchte, bekommt Plus und Ultra außerdem wieder als Black Edition mit schwarzen Felgen- und Karosseriedetails sowie hochglänzend schwarzem Frontgrill. Die wurde bei ihrer Ersteinführung so gut angenommen, das sie Volvo gleich im Programm behielt.

Auch interessant: Die optionale beige Lederausstattung samt Echtholzeinlegern, die den XC40 dezent ins Premiumsegment erheben, wo Volvo ihn auch sieht.

Ist das tatsächlich schon wieder ACHT Jahre her? Volvos, auch XC40 und EX40, altern langsam! Und doch sah man ihnen ihr Alter auch im direkten Vergleich zu EX30, 60 und 90 dann doch an. Das Facelift legte an allen wichtigen Punkten dezent und gekonnt nach, ohne den Vorgänger alt aussehen zu lassen. Was uns nur wundert: Der Geely-Konzern hat mittlerweile gigantisches Know-How bei Akkus und E-Maschinen. Doch die wurden beim 40er nicht angefasst, obwohl auch sie ein Update gut hätten vertragen können…

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