taxi heute-Fahrbericht Leapmotor B10 Promax: Das wäre ein günstiges E-Taxi!
Erst recht zu dem Preis ... So endet fast automatisch jedes Gespräch über den neuen Leapmotor B10. Denn der Elektro-SUV der jungen und ambitionierten China-Marke schnürt ein dermaßen stimmiges Paket, dass einem in Anbetracht der versammelten inhäusigen Stellantis-Konkurrenz beim großen Familien-Adventstreffen in Rüsselsheim fast das Vanillekipferl im Hals stecken bleibt - und die Festtagsstimmung aus standörtlicher Sicht schwupps abhanden kommt. Schließlich führt der Stromer aus dem Reich der Mitte nicht nur die ähnlich teuren Geschwister wie den Opel Frontera, neuerdings als Long Range (ab 31.190 Euro) oder gar die deutlich teureren Äquvivalente wie den Opel Grandland Electric (47.000 Euro) oder Peugeot e-3008 (48.800 Euro) vor. Sondern er führt auch vor, wie weit die Chinesen aktuell in Front liegen, bei der erschwinglichen E-Mobilität, dank knallharter Kostenvorteile, aber eben auch einem offensichtlichen Technologievorsprung.
Was bei den Europäern lange und breite Werbetexte füllt, ist beim China-SUV einfach standardmäßig an Bord. Zum Beispiel 17 Assistenzsysteme, die - steile Lernkurve - auch viel weniger sensibel und nervös agieren als noch beim C10. Oder ein riesiges, per Rollo verschattbares Panoramadach, das in den ohnehin luftigen Raum des 4,50-Meter-SUV noch mehr Luft zaubert. Oder ein Beifahrersitz, der sich so flachlegen lässt, dass der B10 zur Lounge mutiert, in der Ladepausen zum Lümmelvergnügen werden. Im Fond bietet der B10 so viel Platz, dass er glatt auch als Taxi eine treffliche Figur abgeben würde. 410 bis 1.300 Liter Kofferraum hinter einer großen Klappe unterstreichen diesen Anspruch.
Geladen wird auf brauchbarem Niveau
Die dauern aber ohnehin nicht zu lange. Auf 400-Volt-Basis geht es immerhin mit 140 und 168 kW bei den beiden Akkuversionen zu 56 und 67 kWh Kapazität zur Sache. Voll geladen reichen die Speicher dank recht effizientem Gebaren des 160-kW-Hecksynchronmotors für 361 und 434 Kilometer WLTP, was im Winter knapp 300 und gut 350 Kilometer entsprechen dürfte - durchaus reisetauglich und Erstwagen-tauglich also, das Package. Auf einer mild-winterlichen Runde um Rüsselsheim bei 12 Grad Plus kamen wir auf exakt die 17 kWh/100 km, die ab Werk versprochen werden, der Gesamtzähler zeigte über 600 Kilometer 18 kWh/100 km an. Die 2.400 Euro Aufpreis für den größeren Akku sollte man glatt investieren, weil man dann die universellen Talente des "Laubfroschs" erst richtig ausschöpfen kann. Hm, wie war das: Beim Frontera gab es noch nicht mal einen Bordcomputer ...
Selbstverständlich ist auch die Updatefähigkeit via Luftschnittstelle, ein schlüsselloser Zugang per Handy oder NFC-Karte, die man allerdings zum Start "ins Körbchen" legen muss, sonst rührt sich der E-SUV nicht vom Fleck. Ebenso obligat ist die Anbindung per App, über die sich Routen auch ins Fahrzeug spiegeln lassen. Ein China-Clou, der einen aber auch etwas mulmig werden lässt, ist sicherlich die Dashcam, die 30 Sekunden vor und nach Unfällen aufzeichnet. Wer weiß, was sonst noch alles ... Wichtiger ist die 360-Grad-Kamera, die das manövrieren mit dem ohnehin recht handlich und übersichtlich zu fahrenden Elektro-Mobil weiter erleichtert - nebst scharfer Darstellung im serienmäßigen 14,6-Zoll-Mittenscreen. Der wirft auch eine brauchbare E-Routenplanung im Navi aus und regelt - im Tesla-Stil - sowieso alles. Wobei die Taster sehr klein geraten sind und die Einstellung etwa der Spiegel oder Umstellung der Fahrmodi Zeit erfordern.
Auf der Komfort-Seite des Lebens
Den Sport-Modus kann man sich dabei ziemlich sparen, denn sportliche Ambitionen hat der manierlich manövrierende, aber klar auf Komfort und Ausgewogenheit getrimmte E-SUV keine. Eher diffus ist im Normalmodus die Lenkung, soft die Federung, leise das Abrollen und niedrig die Windgeräusche, die Karosserie ist zudem knarzfrei und solide verarbeitet, wie auch die Materialien anständig und überhaupt nicht "budget"-mäßig anmutend. Sicher liegt der B10 allemal auf der Straße und bietet auch dank erwachsener und bequemer Sitze vorn wie hinten hohen Langstreckenkomfort. Die Assistenz funktioniert dabei zuverlässig und unauffällig, ist wie bei Tesla per Tip am Lenkstock nach unten auch simpel aktiviert. Obligat ist ebenfalls eine dreistufige, inklusive One-Pedal-Drive dann vierstufige Rekuperation.
Wer braucht da noch einen "Range-Extender"?
Dem Vernehmen nach wird der B10 ab nächstem Jahr sogar in Europa bei Stellantis gebaut, Spanien oder Portugal sind im Gespräch. Dann fiele ein für uns nicht unwesentliches Manko auch noch weg. Kein Manko ist dagegen, dass es den B10 nicht als REEV gibt wie den im übrigen 7.000 Euro teureren, eigentlich obsoleten C10, die plötzlich von einer populistisch-politischen Debatte wieder wie Zombies aus der Kiste wiederbelebten Range-Extender-Modelle sind keine Brücke, sondern eine zudem bei den Spritkosten teure Krücke, die im mit Ladeinfrastruktur mittlerweile gut erschlossenen Deutschland nur "den Betrieb aufhalten", sprich den Umstieg auf waschechte elektrische Antriebe.
Und so bleibt am Ende nur, den Hut zu ziehen vor dieser technisch-preislichen Akrobatik aus dem Reich der Mitte. Klar fehlt irgendwie der Charakter oder die Emotion, aber rein rational betrachtet, ist das ein guter Elektrowagen und die Antwort auf die Frage nach erschwinglicher UND hochwertiger E-Mobiltiät, die Europa sich im Moment zwar redlich, aber (noch) vergeblich müht, zu beantworten. Es fällt einem nach der kurzen Runde wirklich nicht leicht, bei diesem tadellos geschnürten Elektropaket aus China einen Makel zu finden. Erst recht nicht zu dem Preis ... PS: Hm, eine flache und elegante Leap-Limousine, das wäre vielleicht noch ein Wunsch, weil gerade Weihnachten ist. Ach so, der B05 kommt ja bald nach dem Christkind.
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