Taxi-heute-Test Ford E-Tourneo Custom AWD: Der Elektrobus für Taxi, Hotel und Alpenregionen
Der Berg ruft, der Fahrgast wartet, und über dem Alpenpass liegt noch Schnee. Für einen Shuttle-Dienst in Tirol oder einen Hotelbetrieb im Berner Oberland sind das keine exotischen Szenarien, sondern Teil des Geschäfts. Das Einsatzfahrzeug muss Menschen und ihr Gepäck zuverlässig ans Ziel bringen – auch wenn die Straße steil, glatt oder eng wird. Genau hier setzt der Ford E-Tourneo Custom AWD an: Er verbindet das Raumangebot eines Kleinbusses mit einem vollelektrischen Antrieb sowie erstmals in dieser Baureihe mit einem elektrischen Allradantrieb. Gerade in bergigen Regionen könnte der Allradler für Taxiunternehmen, Hotels und Shuttle-Dienste interessant sein. Doch Reichweite, Ladeplanung und Anschaffungspreis verlangen eine genaue Kalkulation. Der Einstieg in die Welt der elektrischen Allrad-Großraumvans bei Ford ist nämlich nicht billig: Die Variante mit 218 PS kostet rund 72.000 Euro, für die stärkere Version mit 285 PS werden etwa 81.000 Euro fällig.
Zwei Motoren, kräftiger Antritt und Traktion
Die AWD-Version arbeitet mit je einem Elektromotor an Vorder- und Hinterachse. Anders als bei einem klassischen Allradantrieb gibt es keine mechanische Verbindung zwischen den Achsen. Die Elektronik verteilt die Antriebskraft über die beiden Motoren und kann sie an die jeweiligen Fahrbedingungen anpassen. Das hilft beim Anfahren auf Schnee, auf nassen Steigungen oder auf losem Untergrund. Ford bietet den E-Tourneo Custom AWD mit zwei Leistungsstufen an: 160 kW (218 PS) und 210 kW (285 PS). Das kombinierte Drehmoment beträgt je nach Variante 617 oder 630 Newtonmeter. Damit fährt der große Van auch dann souverän, wenn mehrere Fahrgäste und ihr Gepäck an Bord sind. Neben den Fahrprogrammen Normal, Eco und Sport stehen beim Allradmodell zusätzliche Modi für rutschige Bedingungen und lose Untergründe bereit: „Slippery“ und „Trail“. Sie passen die Antriebsregelung an die jeweilige Situation an. Das ist nicht nur für Bergregionen ein konkreter Vorteil.
Shuttle-Alltag und Flughafentransfer
Mit dem Modelljahr 2026 hat Ford die nutzbare Batteriekapazität auf 71 kWh erhöht. Für den E-Tourneo Custom AWD nennt der Hersteller eine WLTP-Reichweite von bis zu 315 Kilometern. Das ist ein Laborwert, kein Versprechen für den Winterbetrieb im Gebirge. Kälte, Heizung, hohe Autobahngeschwindigkeiten, Steigungen und die Zuladung verringern erfahrungsgemäß die Reichweite spürbar. Für den Einsatz bedeutet das: Wer am Morgen Gäste vom Bahnhof zum Hotel bringt, tagsüber regionale Ausflüge fährt und den Bus abends am Betriebshof lädt, kann mit dem Ford ein passendes Einsatzprofil finden. Schwieriger wird es bei langen Flughafentransfers, ganztägigen Rundfahrten oder spontanen Zusatzaufträgen über große Distanzen. Hier sollte der Betrieb nicht mit der Prospektreichweite planen, sondern mit eigenen Erfahrungswerten und einer Reserve für Umwege und kalte Tage.
An einer DC-Schnellladesäule nimmt der Ford bis zu 125 kW auf. Den Ladehub von zehn auf 80 Prozent beziffert der Hersteller mit rund 29 Minuten. An einer 11-kW-Wechselstrom-Wallbox dauert derselbe Ladebereich rechnerisch etwa vier Stunden und 40 Minuten. Für viele gewerbliche Nutzer dürfte das Laden über Nacht der wirtschaftlichste Weg sein: Der Bus steht ohnehin auf dem Betriebshof, und die nächste Schicht beginnt mit voller Batterie. Der entscheidende Punkt ist daher weniger die maximale Ladeleistung als die Organisation des Betriebs. Ein Hotel mit eigener Ladeinfrastruktur kann das Fahrzeug zwischen Transfers nachladen oder über Nacht laden. Ein Taxiunternehmen ohne festen Stellplatz ist stärker auf öffentliche Ladepunkte angewiesen – und muss Standzeiten in die Schichtplanung einbauen.
Platz für Fahrgäste, Koffer und Ski
Seine wichtigste Eigenschaft ist der Raum. Der E-Tourneo Custom ist in zwei Längen erhältlich: Die kurze Version misst 5,05 Meter, die lange 5,45 Meter. Die Breite beträgt gut zwei Meter ohne Außenspiegel, die Höhe liegt je nach Ausstattung bei rund zwei Metern. Das macht den Ford geräumig, verlangt in engen Altstadtgassen, Hotelvorfahrten und Parkhäusern aber etwas Aufmerksamkeit. Je nach Konfiguration finden bis zu neun Personen Platz. Die einzelnen Sitze lassen sich verschieben, umklappen oder herausnehmen. Dadurch kann der Innenraum an unterschiedliche Aufgaben angepasst werden: mehr Sitzplätze für eine Reisegruppe, mehr Beinfreiheit für Hotelgäste oder mehr Platz für Gepäck und Sportausrüstung. Laut Ford beträgt das maximale Gepäckvolumen in der kurzen Version bis zu 4.640 Liter, in der langen bis zu 5.908 Liter – jeweils bei entsprechend umgebautem Innenraum und umgelegten beziehungsweise entfernten Sitzen.
Ein wichtiger Punkt ist die Zuladung. Viel Platz bedeutet nicht automatisch, dass sich alle Sitzplätze mit schweren Erwachsenen besetzen und dazu noch große Mengen Gepäck einladen lassen. Unser E-Tourneo in der langen Ausführung weist eine knappe Zuladungsreserve bei voller Besetzung auf – maximal 643 Kilogramm dürfen es sein. Gerade wer regelmäßig mit acht oder neun Personen und viel Gepäck unterwegs ist, sollte das Gewicht nicht nur nach Augenmaß kalkulieren.
So fährt sich der elektrische Großraumvan
Ford lud uns für die Testfahrten nach Österreich ein, denn gerade in gebirgigen Regionen ist Allrad im Taxi- und Shuttlebetrieb gesetzt. Am ersten Tag fuhren wir Autobahn, Landstarßen und Passstraßen. Hier gibt sich der E-Tourneo Custom angenehm unaufgeregt. Die Lenkung ist leichtgängig, die Federung auf Komfort ausgelegt. Das passt zum Charakter des Fahrzeugs: Wer Fahrgäste befördert braucht keine künstliche Sportlichkeit, sondern einen ruhigen Lauf. Der tiefe Schwerpunkt der Batterie hilft, die Karosserie zu stabilisieren. In schnellen Kurven bleiben die Höhe und das Gewicht des Vans dennoch spürbar. Der elektrische Antrieb drängt sich akustisch kaum auf, die großen Fensterflächen sorgen für ein luftiges Raumgefühl. Vor allem die Passagiere in den hinteren Reihen profitieren von den großzügigen Platzverhältnissen. Je nach Ausstattung gibt es zusätzliche Lüftungsdüsen und eine separate Klimatisierung für den Fond. Das Cockpit verbindet digitale Instrumente mit einem großen zentralen Bildschirm, die Anmutung ist eher robust als luxuriös. Die Bedienung ist insgesamt auf Alltag ausgelegt, doch wie bei vielen modernen Autos sind nicht sämtliche Funktionen auf den ersten Blick erreichbar.
Am zweiten Tag ging es dann mit Ford ins Gelände. Natürlich ist E-Tourneo Custom kein SUV, sondern ein ausgewachsener Personenbus. Trotzdem hatten wir bei den Ausfahrten auch auf unbefestigten Straßen stets das Gefühl, das Fahrzeug noch nicht an seine Grenzen gebracht zu haben, auch wenn das Fahrwerk des Großraumvans das gleiche wie bei der Version mit Hinterradantrieb ist und auch die Bodenfreiheit unverändert blieb. Der elektrische Allradantrieb bringt seine Kraft auch auf unbefestigtem Untergrund auf die Straße. Für den gewerblichen Einsatz ist außerdem die Wendigkeit relevant. Der Wendekreis beträgt laut Ford 10,9 Meter für die kurze und 12,1 Meter für die lange Version. Das ist für ein Fahrzeug dieser Größe brauchbar, macht es aber nicht zum handlichen Stadtwagen. In engen Zufahrten, Tiefgaragen oder historischen Ortskernen bleibt die Fahrzeuglänge ein Faktor.
Ein Bus für alle Fälle?
Für Taxiunternehmen und Hotels ist eine Gesamtkostenrechnung entscheidend. Besonders günstig kann die Rechnung ausfallen, wenn der Bus viele planbare Kilometer absolviert und regelmäßig am eigenen Standort lädt. Ein Hotel, das die Fahrzeuge nachts abstellt, kann den Ladezeitraum gezielt nutzen. Ein Taxiunternehmen mit wechselnden Aufträgen und langen Leerfahrten muss dagegen genauer kalkulieren. Die reale Reichweite sollte anhand der typischen Strecken, der Winterbedingungen und der Zahl der Fahrgäste ermittelt werden. Die WLTP-Reichweite von bis zu 315 Kilometern sollte im Winter und auf Autobahnen nicht als sichere Tagesleistung verstanden werden. Wer die Ladeinfrastruktur und den Einsatzplan im Griff hat, bekommt dagegen einen geräumigen, kräftigen Personenbus, der gerade im alpinen Shuttleverkehr seine Stärken ausspielen kann. Und auch die lokale Emissionsfreiheit kann relevant sein, wenn Kommunen, Hotels oder Auftraggeber zunehmend emissionsarme Mobilitätsangebote verlangen.
Technische Daten: Ford E-Tourneo Custom AWD
Antrieb: Zwei Elektromotoren, elektrischer Allrad
Leistung: 160 kW (218 PS) oder 210 kW (285 PS)
Drehmoment: 617 oder 630 Nm, kombiniert
Nutzbare Batteriekapazität: 71 kWh
WLTP-Reichweite: Bis zu 315 km
Maximale DC-Ladeleistung: 125 kW
Ladezeit DC, 10–80 Prozent: Rund 29 Minuten
Länge: 5,05 m oder 5,45 m
Breite ohne Außenspiegel: 2,03 m
Höhe: Je nach Ausführung rund 1,96–2,02 m
Sitzplätze: Je nach Konfiguration bis zu neun
Anhängelast gebremst: Bis zu 2.000 kg, ausstattungsabhängig
Wartungsintervall: Laut Ford zwei Jahre, ohne Kilometerbegrenzung
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