E-Taxis in BW: Zwischen Klimaziel und Praxisproblemen

(dpa) Finanzielle Anreize allein reichen nicht – viele Taxiunternehmer im Südwesten bleiben beim Verbrenner. Warum der Umstieg auf emissionsfreie Antriebe stockt und welche Rolle Städte wie Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe dabei spielen.

Sonderstellplatz für E-Taxis: In einigen Städten stehen bereits reservierte Lade- und Haltebereiche ausschließlich für elektrisch betriebene Taxis zur Verfügung – ein zentraler Baustein beim Umstieg auf klimafreundliche Mobilität im Taxigewerbe. | Foto: Marcus Brandt via dpa
Sonderstellplatz für E-Taxis: In einigen Städten stehen bereits reservierte Lade- und Haltebereiche ausschließlich für elektrisch betriebene Taxis zur Verfügung – ein zentraler Baustein beim Umstieg auf klimafreundliche Mobilität im Taxigewerbe. | Foto: Marcus Brandt via dpa

In Hamburg gilt seit Anfang 2024 eine verbindliche Regelung: Neue Taxis dürfen nur noch als emissionsfreie Fahrzeuge zugelassen werden. Derzeit fahren rund 700 der insgesamt 3000 Taxis in der Hansestadt vollelektrisch, ergänzt durch eine kleinere Anzahl wasserstoffbetriebener Fahrzeuge. Großraum- und Rollstuhltaxis sind bis 2027 von der Regelung ausgenommen.

Zur Unterstützung der Umstellung stellt die Stadt spezielle Infrastruktur bereit. Sechs Schnellladestationen mit insgesamt zwölf Ladepunkten stehen exklusiv an Taxiständen zur Verfügung. Nach Angaben der Stadt werden durch das Programm mehrere tausend Tonnen CO₂ jährlich eingespart. Bestehende Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor dürfen weiterhin betrieben werden.

Baden-Württemberg fördert, aber verpflichtet nicht

In Baden-Württemberg ist ein vergleichbarer verpflichtender Umstieg auf emissionsfreie Taxis nicht geplant. Von den rund 8000 Taxis im Land fahren die meisten weiterhin mit Diesel oder Benzin. Das grün geführte Verkehrsministerium setzt auf freiwillige Maßnahmen und bietet finanzielle Anreize: Für jedes E-Taxi erhalten Betreiber einen Zuschuss von 3000 Euro.

Die Stadt Freiburg unterstützt das Programm, hält die Förderhöhe jedoch für nicht ausreichend. Das Ministerium will zunächst evaluieren, wie wirksam der freiwillige Ansatz ist. Ziel sei es, über Austausch mit den Kommunen und Anreize den Anteil emissionsfreier Fahrzeuge zu erhöhen.

Uneinheitliche Haltung im Taxigewerbe

Im baden-württembergischen Taxigewerbe herrscht Uneinigkeit über den Sinn und die Praxistauglichkeit eines Umstiegs. Thomas Laschuk vom Taxiverband Deutschland (Landesverband BW) lehnt den Umstieg ab. Nach eigenen Erfahrungen sei ein E-Taxi im Arbeitsalltag unpraktisch. Probleme bereiten seiner Ansicht nach vor allem die eingeschränkte Reichweite und Ladezeiten, die sich schwer mit Kundenanforderungen vereinbaren ließen.

Anders sieht es Nuri Altun vom Taxiverband Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart. Er spricht sich für einen schrittweisen Umstieg aus und verweist auf den Beitrag zum Klimaschutz. In Stuttgart rechnet Altun damit, dass bis Ende 2025 rund 50 bis 60 der etwa 760 Taxis elektrisch unterwegs sein werden. Auch er verweist jedoch auf Hindernisse wie fehlende Information und Skepsis bei vielen Unternehmen.

Herausforderungen beim Umstieg

Neben der Reichweite von Elektrofahrzeugen ist die Ladeinfrastruktur ein zentrales Thema. Altun berichtet, dass viele Taxiunternehmen noch wenig Wissen über technische Möglichkeiten und Förderprogramme haben. Die begrenzte Reichweite der Fahrzeuge sowie lange Ladezeiten gelten im Schichtbetrieb als problematisch. Ein Beispiel: Ein Diesel-Taxi kann rund 1000 Kilometer zurücklegen, ein E-Taxi oft nur etwa 150 Kilometer, bevor eine längere Ladepause notwendig wird.

Auch die Frage der Anzahl und Platzierung von Ladesäulen stellt sich insbesondere in Städten mit hohem Fahrzeugaufkommen. In Karlsruhe etwa gibt es rund 250 Taxis – ausreichende Ladepunkte wären hier flächenintensiv und logistisch aufwendig.

Kommunale Maßnahmen und Infrastruktur

Einige Städte im Südwesten setzen bereits eigene Akzente zur Förderung der E-Mobilität im Taxigewerbe. In Stuttgart stehen an drei Standorten exklusive Schnellladesäulen für Taxis zur Verfügung, die kostenlos genutzt werden können. Diese sind Teil eines städtischen Aktionsplans zur Förderung von E-Taxis. Die Standorte wurden so gewählt, dass sie den Betrieb möglichst wenig unterbrechen und verlässlich verfügbar sind.

In Karlsruhe gibt es derzeit vier öffentliche Schnellladesäulen mit acht Ladepunkten am Südeingang des Hauptbahnhofs. Weitere sind in Planung, jedoch lehnt die Stadt exklusive Lademöglichkeiten für Taxis ab, um öffentlichen Raum nicht selektiv bereitzustellen. Freiburg verfolgt eine ähnliche Linie. Dort existieren 561 öffentliche Ladepunkte, viele davon Schnelllader, aber keine dedizierte Taxi-Infrastruktur.

In Heilbronn, wo bereits E-Taxis eingesetzt werden, hat das Gewerbe bislang keinen Bedarf an spezieller Ladeinfrastruktur bei der Stadt angemeldet. Der ADAC empfiehlt Taxiunternehmen, beim Umstieg auf E-Fahrzeuge die Einrichtung eigener Ladepunkte auf dem Betriebshof einzuplanen.

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